Gottes Wort
Sonntag
27
Oktober 2019

Gottes Wort
27.10.2019

30. Sonntag im Jahreskreis

Wahre, gespielte und falsche „Gerechtigkeit“ stehen sich in den heutigen Texten gegenüber. Gott ist gerecht. Wer sich vor ihm aufspielt, wird nicht bestehen. In der zweiten Lesung hören wir von einem irdischen und vom himmlischen Gericht.

Kyrie

Christus, du bist der gerechte Richter. Herr, erbarme dich.
Du machst uns sündhafte Menschen gerecht. Christus, erbarme dich.
Wir warten in Liebe auf dein Erscheinen. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott mehre in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Gib uns die Gnade, zu lieben, was du gebietest, damit wir erlangen, was du verheissen hast. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Sir 35,15b–17.20–22a
Gerecht und pseudogerecht

Der Herr ist ja der Gott des Rechts, bei ihm gibt es keine Begünstigung. Er ist nicht parteiisch gegen den Armen, das Flehen des Bedrängten hört er. Er missachtet nicht das Schreien der Waise und der Witwe, die viel zu klagen hat.

Die Nöte des Unterdrückten nehmen ein Ende, das Schreien des Elenden verstummt. Das Flehen des Armen dringt durch die Wolken, es ruht nicht, bis es am Ziel ist. Es weicht nicht, bis Gott eingreift und Recht schafft als gerechter Richter.

Gottes Masstab
Im Kontext von Sirach werden der „fröhliche Geber“ und der grosszügige Wohltäter oder Spender (speziell beim Opferkult) dem Geizigen und dem verlogenen Opfernden gegenübergestellt, der mit seinem Opferkult eine Show aufzieht. – Ein Falschopfer bringt dar, wer unrecht erworbenes Gut opfert oder wer asozial lebt. Vor Gott steht viel besser da, wer über keine materiellen Güter verfügt oder wer unterdrückt ist und ausgebeuteten wird. Gott ist gerecht und hört auf die Armen.

Antwortpsalm

Psalm 342–3.17–19.23
R: Ein Armer rief und der Herr erhöhte ihn.

Ich will den Herrn allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn;
die Armen sollen es hören und sich freuen.

Das Antlitz des Herrn richtet sich gegen die Bösen,
um ihr Andenken von der Erde zu tilgen.
Schreien die Gerechten, so hört sie der Herr;
er entreisst sie all ihren Ängsten.

Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen,
er hilft denen auf, die zerknirscht sind.
Der Herr erlöst seine Knechte;
straflos bleibt, wer zu ihm sich flüchtet.

2. Lesung

2 Tim 4,6–8.16–18
Paulus vor dem himmlischen und dem irdischen Richter

Ich werde nunmehr geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.

Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten.

Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden. Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen

Der Herr wird mich allem Bösen entreissen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Vor dem Gericht der Menschen und vor Christus
Paulus ist alt geworden und muss seinen letzten Prozess durchmachen. Er bleibt trotz dieser Widrigkeiten gelassen, denn er weiss, dass er sich voll für das Evangelium eingesetzt hat und dass er auch im neuen Prozess die Chance der Verkündigung wahrnehmen kann. Er weiss sich tief verbunden mit Jesus und seiner Opferhingabe.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja, Halleluja. Der Herr hat mich gesandt, den Armen die Frohbotschaft zu verkünden und den Gefangenen die Befreiung. Halleluja.

Evangelium

Lk 18,9–14
Pharisäer und Zöllner
Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.

Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Der Pharisäer und der Zöllner
Am letzten Sonntag hiess es: „unablässig beten“. Heute gehen zwei Männer „zum Tempel hinauf“. Wie treten sie vor Gottes Angesicht? Der Pharisäer betet „bei sich selber / pros heautòn“; er kreist auch beim Beten um sich selber, verweist auf eigene religiöse Leistungen; er bittet nicht, er schaut überheblich auf andere hinab. Es fehlt ihm die vor Gott unerlässliche Demut. Der Zöllner dagegen brüstet sich nicht mit Verdiensten. Er liefert sich Gott aus. Nur Gottes Barmherzigkeit kann ihm helfen. – Dieses Gleichnis (Sondergut des Lukas) erklärt und begründet Jesu Umgang mit Zöllnern und Sündern. Es illustriert die Theologie der „Rechtfertigung“ des Paulus (dessen Mitarbeiter Lukas war). Es ruft uns auf, im Gebet nicht „den Pharisäer in uns selber“, sondern den Beter „im Geist und in der Wahrheit“ ans Licht kommen zu lassen. Vgl. J. Pichler; www.perikopen.de

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hörst auf ein vertrauensvolles Gebet. Wir bitten:
Für die Hirten der Kirche: Stärke sie für den Dienst der Verkündigung.
Für die Getauften: Erneuere sie lebenslang in der Treue zu dir.
Steh allen Männern und Frauen bei, die sich in der Mission für dich einsetzen.
Für die Völker der Erde: Befreie sie von Ausbeutung und sozialer Ungerechtigkeit.
Für jene von uns, die zuerst vor deinen Rchterstuhl treten: Führe sie in dein himmlisches Reich.
Für uns alle: Bewahre uns vor Stolz und Selbstgerechtigkeit.

Heiliger und gütiger Gott, gib, dass wir, deine Kinder, in Glauben und Demut, um deinen Beistand bitten. Dir sei Lob und Dank im Heiligen Geist, durch Christus, unseren Herrn.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, gib, dass deine Sakramente in uns das Heil wirken, das sie enthalten, damit wir einst als unverhüllte Wirklichkeit empfangen, was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.