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Mönch werden im Kloster Einsiedeln

Am Beginn ist die Sehnsucht nach Gott – weil Gott den Menschen sucht. Das Leben als Mönch ist Christusnachfolge. Es ist eine Möglichkeit, das Leben als Getaufter zu gestalten. Wer Mönch werden will, tritt in ein Kloster ein, das der heilige Benedikt als „Schule“ im Dienst Christi versteht. Hier trainieren wir unsere Sehnsucht und suchen miteinander Gott.

Als Benediktiner entscheiden wir uns für eine konkrete Mönchsgemeinschaft und bleiben ihr fürs ganze Leben zugehörig (stabilitas). Von ihr erhalten wir alles Notwendige und verzichten auf persönlichen Besitz. Die Liebe zu Gott, zu den Nächsten und zu uns selbst leben wir nicht in einer partnerschaftlichen Beziehung, sondern in der Klostergemeinschaft und in den uns anvertrauten Aufgaben. Mit unseren Begabungen und Talenten fügen wir uns in die Lebensgemeinschaft ein, arbeiten an uns weiter und tragen die Aufgaben und Anliegen der Gemeinschaft mit.

Wer unser Leben als Benediktinermönch teilen möchte, muss über einen Schul- bzw. Berufsabschluss verfügen, mindestens 20 Jahre alt, katholisch und alleinstehend sein.

Als Basis für ein erstes Gespräch mit dem Novizenmeister dient ein vorausgehender Gastaufenthalt. Als Gast besteht die Möglichkeit, den Klosteralltag kennenzulernen und mit einzelnen Mönchen zu sprechen. Erst nach einem Gastaufenthalt macht das Gespräch über einen möglichen Klostereintritt Sinn. Wer diesen Schritt überspringen will und mit gepackten Koffern vor der Klosterpforte steht, um Mönch zu werden, hat keine Chancen…

Wir freuen uns, dass unser Kloster ein lebendiger Ort des Glaubens sein darf. Der bekannte Jerusalemer Benediktiner P. Nikodemus Schnabel (Dormitio-Abtei) sagte unlängst: „Wenn mich ein junger Mann fragt, wo er im deutschsprachigen Raum Benediktiner werden soll, dann empfehle ich Einsiedeln. Das Gemeinschaftsleben ist gesund, die Liturgie wunderbar, die Altersstruktur stimmt, die Gastfreundschaft ist gross, der Pilgerort und die Internatsschule halten die Mönche im positiven Sinn auf Trab. In Einsiedeln ist immer was los!“

Weitere Informationen

Novizenmeister
Pater Justinus Pagnamenta OSB
Tel. +41 55 418 61 11
novizenmeister[at]kloster-einsiedeln.ch

Wer sich zusammen mit unserer Mönchsgemeinschaft auf die intensive Suche nach Gott machen möchte und die Berufung als Benediktiner verspürt, kann – nach einem vorangegangenen Gastaufenthalt – mit unserem Novizenmeister Pater Justinus Kontakt aufnehmen. Der Novizenmeister ist zuständig für die Begleitung interessierter Männer und der Neueintretenden bis zur Feierlichen Profess.

Es empfiehlt sich, vor der ersten Kontaktaufnahme die untenstehenden „Fragen rund um einen Klostereintritt“ und die Seite „Der Weg zum Mönch“ komplett durchgelesen zu haben.


Wie wird man Mönch?

Die eigene Berufung entdecken und leben ist ein grosses Abenteuer. Unsere Mitschwester, die dichtende Nonne Silja Walter, schreibt aus eigener Erfahrung: «Es gibt nichts auf der Welt, das mehr und besser und tiefer zu tragen, zu bergen, zu faszinieren vermag als diese Gott-Suche. Sie bleibt Sehnsucht bis zum Ende, und ist von Anfang an schon Ankommen.»

Die Berufung als Benediktiner-Mönch zeigt ebenfalls etwas von dieser geistlichen Dynamik. Wir Mönche freuen uns über jeden, der sich mit uns auf das Abenteuer der Gottsuche macht! Wie sieht der Weg zum Mönch in unserer Klostergemeinschaft konkret aus? Hier stellen wir die einzelne Schritte auf dem Weg zur definitiven Bindung an unser Kloster vor:

1

Im Kloster als Gast

Im Kloster fehlt es nie an Gästen. So ist es möglich, ein paar Tage in unserer Gemeinschaft mitzuleben: Zeit, um die Gottesdienste mitzufeiern, Gespräche mit dem Novizenmeister und mit anderen Mönchen zu führen, Zeit für Gebet, Lesung und Stille zu haben. Das Teilen des Alltags im Kloster ist eine gute Möglichkeit, die eigene Berufung immer deutlicher zu erkennen. Dabei braucht man keine Angst zu haben, dass ein Gastaufenthalt bereits ein Klostereintritt bedeutet. Man braucht seine Sehnsucht nach mehr nicht an die grosse Glocke zu hängen…

2

Kandidatur

Wird es im gegenseitigen Kennenlernen immer klarer, dass unsere Gemeinschaft der Ort der Christusnachfolge sein könnte, beginnt die Zeit der Kandidatur. Das ist eine Probezeit in der Gemeinschaft, die bis zu 12 Monate dauert. Sie ermöglicht einen Einblick in die Gemeinschaft und gibt Zeit und Raum zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, Berufung und Eignung: Ist Mönchsein mein Weg? Ist dies der richtige Ort für mich?

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Noviziat

Das einjährige Noviziat ist sozusagen das Lehrjahr als Mönch. Im Unterricht vertieft man sich in Fragen des Glaubens, in die Heilige Schrift, in die Regel des heiligen Benedikt, in Gebet und Liturgie und in die Ordensgeschichte. In der Arbeitszeit nimmt man Dienste wahr, die der Gemeinschaft zugute kommen. Zu dieser Phase schreibt der heilige Benedikt: “Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen.”

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Einfache Profess

Wenn es klar geworden ist, dass dies der richtige Ort der Christusnachfolge ist, kann der Mönch die einfache Profess ablegen, das heisst: sich für drei Jahre an unser Kloster binden. Diese Zeit dient der weiteren Prüfung der Beständigkeit in der Ausrichtung auf Gott und dem Leben der klösterlichen Gemeinschaft unter der Regel des heiligen Benedikt. In diesen Zeitabschnitt können auch Aus- und Weiterbildungen fallen.

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Feierliche Profess

In der Feierlichen Profess binden wir uns auf dem Weg unserer Gottsuche definitiv an die Klostergemeinschaft. Die Ganzhingabe in der Profess soll Tag für Tag aktualisiert werden. Benedikt ist überzeugt: “Wer im klösterlichen Leben und im Glauben voranschreitet, dem weitet sich das Herz, und mit der unsagbaren Freude der Liebe eilt er voran auf dem Weg der Gebote Gottes.”

Was macht man eigentlich den ganzen Tag als Mönch? Diese Frage wird uns oft gestellt. Einen Einblick in unsere Tagesstruktur findest Du hier:

https://www.kloster-einsiedeln.ch/gemeinschaft/abt-moenche/alltag-im-kloster

Wie ein Zimmer eines Mönchs aussieht, ist eine uns ebenfalls häufig gestellte Frage. Als Antwort darauf zeigen wir Dir gleich zwei Bilder davon:

Sich für den Schritt ins Kloster zu entscheiden, ist nicht einfach. Das wissen wir Mönche aus eigener Erfahrung. Deshalb haben 2021 zwei jüngere Mitbrüder im Herder-Verlag einen „Berufungsguide“ geschrieben, der Dir vielleicht so manchen wertvollen Tipp geben kann. 

Zum Buch gehört auch eine eigene Website: https://himmels-stuermer.org/ Darauf findest Du unter anderem einen „Ordensgenerator“, der Dir einen ersten Hinweis darauf geben kann, welcher Orden am besten zu Dir passen würde. 

Wer nicht eigens nach Einsiedeln fahren kann oder möchte, um unsere Gottesdienste vor Ort zu erleben, kann einige davon über unseren Livestream mitfeiern: https://www.kloster-einsiedeln.ch/gottesdienst/gottesdienstordunung/live-gottesdienste

Berufungsgeschichten

Meiner Berufungsgeschichte vorausschicken möchte ich, dass es kaum möglich ist, jemandem zu erklären, weshalb man eigentlich in ein Kloster eingetreten und Mönch geworden ist. Entweder braucht es hierfür keine Worte, weil das Gegenüber intuitiv versteht, was einen jungen Mann dazu bewegen kann, vielleicht weil er selbst eine ähnliche Sehnsucht in sich verspürt. In anderen Fällen wiederum ist es auch mit vielen Worten nicht möglich, den Schritt in ein Kloster verständlich zu machen. Es ergeht mir dabei jeweils wohl wie jemandem, der erklären sollte, weshalb er sich gerade in diese bestimmte Person verliebt hat. Rational kann man so etwas kaum beleuchten. Wohl gibt es nachvollziehbare Gründe, die dafür sprechen – aber letztlich ist Liebe etwas, das einfach geschieht, ohne dass man es sogar sich selbst erklären kann. Ja, auch für mich ist mein eigener Schritt ins Kloster in vielem nicht bis ins Letzte erklärbar. Der Klostereintritt ist ein Ja zu einem Ruf, den man nie ganz erfassen kann. 
Die äusseren Umstände meines Berufungsweges sind freilich schnell erzählt, weil es keine abrupten oder spektakuläre Wendungen gab. Prägend und grundlegend für meinen Weg war gewiss die Atmosphäre, die bei uns in der Familie herrschte und die einen fruchtbaren Nährboden bildete, in welchem der Samen der Berufung keimen konnte. Ich würde meine Familie zwar nicht als ausserordentlich fromm bezeichnen, doch war es eine Selbstverständlichkeit, dass wir vor dem Essen sowie vor dem Zubettgehen beteten und Gott für all das dankten, womit er uns beschenkt hat. Auch der Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes gehörte unhinterfragt zu unserem familiären Wochenendprogramm. 

Ein entscheidender Schritt auf meinem Berufungsweg war gewiss der Übertritt an die Stiftsschule, das Gymnasium unseres Klosters Einsiedeln, in dem ich nun inzwischen selbst unterrichte. Es war freilich kein bewusster Entscheid für eine Klosterschule. Vielmehr war der Besuch dieses Gymnasiums im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend, weil wir in einem kleinen Nachbardorf wohnten, keine fünf Kilometer von Einsiedeln entfernt. Damals unterrichteten an der Schule noch weit mehr Mönche als heute, und zwar in allen möglichen Fächern – von Sport über Chemie, Mathematik und Physik bis hin zu Griechisch. An dieser Schule drückte ich nun während sechs Jahren die Schulbank, im Alter zwischen 13 und 18. Das ist eine spannende Zeit, in der man zu überlegen beginnt, was man später eigentlich selbst einmal im Leben machen möchte. Dabei stellte ich mir auch die Frage, weshalb wohl meine Lehrer in ihren schwarzen Benediktinerkutten diesen doch etwas sonderbaren Weg gewählt haben. Sie selbst habe ich dabei keineswegs als sonderbar erlebt, vielmehr als ganz normale Menschen, etwa bei der Mithilfe im Klosterladen, in Sommerlagern, auf Ministrantenreisen, bei der Mitarbeit an der Klosterpforte, ja beim Kochen und Kartenspiel. Mönche waren so für mich keine schrulligen, unnahbaren Wesen, wie für viele andere, sondern vielmehr ein selbstverständlicher Teil meines Lebens als Heranwachsender. Die meisten von ihnen waren einst selbst an unserer Schule und hatten mehr oder weniger nahtlos das kleine Zimmer im Internat mit der Zelle in der Klausur getauscht. Wäre vielleicht ein solches Leben auch etwas für mich? Ich sah, wie abwechslungsreich, ja spannend dieses sein konnte, und wie viel Entfaltungspotenzial es bot. Zudem machte es mir Sinn, sich in den Dienst anderer zu stellen. So wog ich diesen Gedanken während mehrerer Jahre ab, wobei ich mir in gewissen Phasen durchaus vorstellen konnte, selbst einmal ein Leben als Mönch zu führen, während dies zu anderen Zeiten wiederum überhaupt nicht infrage kam. 

Nach Abschluss der Schule wollte ich freilich Abstand gewinnen. Hat mich der Klostergedanke vielleicht nur deshalb gereizt, weil ich mich an der Schule schlichtweg wohlgefühlt habe? Das wollte ich herausfinden. Bereits zuvor hatte ich mich zum Studium der Geschichte in Fribourg angemeldet, das ich nach dem Militärdienst im Herbst 2003 aufnahm. Unter der Woche lebte ich in einer Wohngemeinschaft. Es war eine tolle Zeit: Die Vorlesungen sagten mir zu, genauso wie der kulturelle Betrieb in dieser mittelalterlichen Kleinstadt direkt auf der Sprachgrenze zwischen dem französisch- und deutschsprachigen Teil der Schweiz. Irgendetwas aber vermisste ich. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht erfüllt war. Es fühlte sich an wie Heimweh. Sobald mir klar geworden war, wohin ich gehörte, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und offenbarte meinen Eltern den Wunsch, ins Kloster Einsiedeln einzutreten. Damals war für sie dieser Entscheid nicht ganz einfach, meinten jedoch auch, dass sie bereits geahnt hätten, dass ich eines Tages mit dieser Botschaft zu ihnen kommen würde. Meine Freunde wiederum reagierten unterschiedlich: Die einen waren erstaunt, während die anderen meinten, dass ich perfekt in ein Kloster passe. Beide Reaktionen freuten und bestärkten mich. Offenbar war der Entschluss nicht völlig abwegig und doch hätte man sich für mich durchaus auch andere Wege vorstellen können. So meldete ich mich beim Novizenmeister. 

Statt Freudensprünge über einen jungen Klosterinteressenten zu machen, lehnte mich dieser jedoch erst einmal ab: Ein Eintritt käme frühestens in Frage, wenn ich das Bachelordiplom erworben hätte. Dadurch würde er sehen, ob ich gewillt sei, Begonnenes auch zu Ende zu führen. Nachdem ich erst vor Kurzem herausgefunden hatte, wohin es in meinem Leben gehen sollte, war dieses Stoppschild keineswegs einfach für mich. Im Nachhinein jedoch bin ich dankbar für die weiteren Erfahrungen, die ich in der Zeit bis zum Sommer 2006 machen konnte. Dann aber, mit dem ersten universitären Abschluss in der Tasche, klopfte ich erneut an die Klostertüre, 21-jährig. Dieses Mal öffnete sich die Tür und ich trat ein.

Anders als viele meiner jetzigen Mitbrüder bin ich als «Quereinsteiger» ins Kloster Einsiedeln gekommen. Denn ich besuchte nicht das klostereigene Gymnasium wie viele von ihnen. Ja, ich bezweifle sogar, dass ich als Absolvent der Stiftsschule überhaupt jemals in dieses Kloster eingetreten wäre. Denn der Gedanke, mein ganzes Leben in einem «Schulhaus» zu verbringen und mit meinen ehemaligen Lehrern unter einem Dach zusammenzuleben, wäre mir nach der Matura wohl ziemlich abstrus vorgekommen. Allenfalls hätte ich mir eine andere Gemeinschaft gesucht. Dies zeigt, dass die Berufungswege so unterschiedlich sind wie die Menschen, die sie gehen.

Aufgewachsen bin ich ganz in der Nähe von Einsiedeln, wobei zwischen meinem Heimatort und Einsiedeln – typisch Schweiz – ein Berg liegt. Doch innerhalb einer halben Stunde hat man dieses Hindernis umfahren und so kannte ich schon als kleiner Bub das beeindruckende Kloster mit seiner Schwarzen Madonna, dem Zentrum unseres Wallfahrtsortes. Ich stamme aus einer sehr aktiven Familie, die am Wochenende gerne in die Berge ging, Ausflüge machte, Verwandte besuchte oder selbst Besuch empfing. Stand mal kein solcher auf dem Programm oder verhinderte Schlechtwetter eine Wanderung oder das Skifahren in den Bergen, ging es oft nach Einsiedeln. Kein Wunder, dass es ziemlich lange brauchte, bis ich diesen Ort auch mal bei schönem Wetter erlebte! Weil mich aber Kirchen schon seit meiner frühsten Kindheit faszinierten, störte mich der bleierne Himmel über Einsiedeln nicht. Vielmehr schlug mich der barocke Kirchenraum in seiner Weite und Festlichkeit in seinen Bann. Das Kerzenanzünden bei der Schwarzen Madonna und ein paar Minuten Stille in der Unterkirche, unserer Krypta, gehörten bei jedem Besuch dazu. Ab und zu gingen wir nach dem Kaffee nochmals zurück in die Klosterkirche, um die Mönche das «Salve Regina» bei der Gnadenkapelle singen zu hören. Trotz dieser punktuellen Begegnung mit den Einsiedler Benediktinern war mir als Kind nur am Rande bewusst, dass es sich bei diesem riesigen Bau um ein Kloster handelte. Für mich war es primär ein Wallfahrtsort mit einer immens grossen Kirche.

Schon als kleiner Junge wollte ich Pfarrer werden, auch wenn zeitweise andere Berufswünsche wie Archäologe oder Bauer auftauchten. Ich erinnere mich gut daran, wie ich als Kind gerne zu Bett ging, weil ich dann einige Minuten im Gebet verbringen konnte. Gott war für mich ein konkretes Gegenüber. Anders als mein Bruder besuchte ich auch gerne den Gottesdienst. Es faszinierte mich, was der Priester dort vorne am Altar tat. Dennoch wurde ich nur deshalb Ministrant, weil unsere Ministrantengruppe alljährlich einen Ausflug in einen grossen Freizeitpark unternehmen durfte. Ja, Gott schreibt bekanntlich auch auf krummen Zeilen gerade! Doch an die Stelle dieser anfänglich etwas unlauteren Motivation traten schnell hehrere Motive: Ich war gerne Ministrant und glücklich, so nahe am heiligen Geschehen zu sein.

Dass ich einmal Theologie studieren und anschliessend vielleicht Priester werden würde, war für viele Menschen in meinem Umfeld ziemlich klar. Dieser Zukunftswunsch war auch für mich der Grund dafür, dass ich auf das Gymnasium gehen wollte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals wegen meines Berufswunsches gehänselt worden wäre.

Je näher jedoch der Übertritt ans Gymnasium heranrückte, desto klarer kristallisierte sich für mich heraus, dass ich nicht Seelsorger in einer Pfarrei werden wollte. Dass ich mir stattdessen ein Leben als Mönch vorstellen konnte, behielt ich lange Zeit für mich. Schon länger beschäftigte ich mich mit dem Mönchtum und verschlang zu diesem Thema stapelweise Bücher. Obwohl mein Vater im Mutterhaus einer internationalen Schwesternkongregation arbeitete und seine leibliche Schwester selbst Ordensfrau war, blieb mein Zugang zum Klosterleben eher ein theoretischer. Denn bis zu meinem ersten Gastaufenthalt im Kloster Einsiedeln hatte ich nie persönlichen Kontakt zu einem Mönch.

Als ausgeprägter Familienmensch mit einer grossen Liebe zur Liturgie und einer tiefen Verwurzelung mit meiner Heimat machte das Leben als Benediktiner in einem nahen Kloster für mich besonders attraktiv. Dass das Kloster Einsiedeln zu jener Zeit zudem einige jüngere Mönche hatte und eine grosse Ausstrahlung besass, machte es für mich naheliegend, als erstes bei diesem Kloster anzuklopfen. Doch bis dahin gab es ein grosses Hindernis zu überwinden: Ich musste meiner Familie von meinem Vorhaben erzählen. Dies eilte, wollten doch meine Eltern nach der obligatorischen Rekrutenschule wissen, für welchen Studienort ich mich entscheiden würde. Zuerst wollte ich ihnen meinen Plan an Heiligabend eröffnen. Dass ich dies schliesslich doch nicht tat, war im Nachhinein eine gute Entscheidung. Denn Weihnachten 2005 wäre damit definitiv im Eimer gewesen! An einem Januartag habe ich dann aber doch meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich zuerst meiner Mutter anvertraut. Die vorsichtige Ankündigung, einige Tage als Gast im Kloster Einsiedeln verbringen zu wollen, rief absolutes Unverständnis hervor, gefolgt von Strömen von Tränen, welche tagelang nicht versiegen sollten. Meine Mutter ahnte wohl, dass hier mehr als nur «ein paar stille Tage im Kloster» anstehen würden. Sie meinte, ihren Sohn zu verlieren. Damit, dass ich Priester werden wollte, hatte sie sich irgendwie abgefunden, obwohl sie wohl noch lange hoffte, dass ich mich irgendwann verlieben würde. Aber Mönch? Das schien für sie eine ganz andere Liga zu sein und rief entsprechende Widerstände hervor. Zum Glück sah es bei meinem Vater und meinem Bruder etwas anders aus: Sie fanden meine Pläne ganz in Ordnung. Also meldete ich mich für einen dreitägigen Gastaufenthalt an. Während diesen Tagen schwebte ich auf Wolke Sieben. Ich dachte mir: Das Leben im Kloster ist ja noch viel schöner, als ich gedacht hatte!

Allerdings erfolgte dann der Klostereintritt doch nicht so schnell wie von mir gedacht. Denn der damalige Novizenmeister mahnte zu Geduld und riet mir, im Priesterseminar meiner Heimatdiözese das Propädeutikum, eine Art Entscheidungs- und Einführungsjahr, zu besuchen. Dort sollte ich Gewissheit hinsichtlich der Frage erlangen, ob das Leben als Diözesanpriester vielleicht nicht doch etwas für mich wäre. Denn so ganz war dieser Berufungsweg nicht aus meinem Blick geschwunden. Ich fühlte beinahe etwas wie eine Verpflichtung, angesichts des akuten Priestermangels auch diese Option genau zu prüfen, zumal ja das Priestertum meine «erste Liebe» war. Bis zum Beginn des Propädeutikums wollte ich die Zeit nutzen, um mir einen langgehegten Wunsch zu erfüllen: einen längeren Aufenthalt im Heiligen Land. Während fünf Monaten arbeitete ich so in einem Heim für Kinder mit körperlicher und geistiger Behinderung nahe Jerusalem. Diese Erfahrung hat mich unglaublich bereichert.

Als ich anschliessend ins Priesterseminar zog, zeigte sich allerdings schon bald: Meine Sehnsucht ruft mich unwiderstehlich ins Kloster. Trotzdem bin ich dankbar für diesen «Abstecher» ins Priesterseminar. Denn er verhalf mir zu einer klaren Entscheidung. Während meine Ankündigung, ins Kloster Einsiedeln einzutreten, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sowie in meiner grossen Verwandtschaft auf Unterstützung stiess, hatte meine Mutter weiterhin grosse Vorbehalte. Dies änderte sich erst allmählich, nachdem ich Ende August 2007 tatsächlich im Kloster Einsiedeln meinen Weg als Mönch begonnen hatte.

Wo fängt man an, wenn man die eigene Berufungsgeschichte erzählt? Nein, ich habe nicht schon als Kind Messe gespielt, als Achtjähriger ein Berufungserlebnis gehabt oder von meiner Oma prophezeit bekommen, dass ich einst ins Kloster eintreten werde. Dennoch beginnt auch meine Berufungsgeschichte in meiner Kindheit, denn hier wurden viele der Bausteine grundgelegt, die ich im Nachhinein als so tragend erkannt habe, dass ich daraus das Fundament meines Lebensweges errichtet habe. So lernte ich von meiner Mutter und meiner Grossmutter das Beten als Gespräch mit Gott und Pflege der Beziehung zu ihm. In meiner grossen Familie mit den fünf Geschwistern lernte ich die Schönheiten aber auch die Herausforderungen jedes Gemeinschaftslebens kennen. Meinen Eltern verdanke ich das Gefühl, grundsätzlich gewollt und geliebt zu sein, mein Vertrauen in mich selbst und die Sicherheit, mein Leben in die eigenen Hände nehmen zu können; ausgehend von diesem Faktum der Lebenssicherheit konnte ich den Grund dieses Gefühls, dieses Vertrauens und dieser Sicherheit in Gott finden.

In meiner Kindheit hatte ich aber auch den ersten Kontakt mit Ordenspersonen und da ich der Meinung bin, dass die persönlichen Begegnungen und Vorbilder, sei es bewusst oder unbewusst, eine sehr grosse Rolle in jeder Berufungsgeschichte spielen, rechne ich den Benediktinerinnen des Kinderheims Sonnenuhr in Engen eine wichtige Rolle bei meiner späteren Wahl eines geistlichen Weges an. Denn in diesen Schwestern, bei denen meine Mutter in ihrer Jugend mitgearbeitet hatte und mit denen sie bis heute befreundet ist, weshalb wir sie in meiner Kindheit unzählige Male besuchten, erlebt ich ganz natürlich und unbewusst ein hervorragendes Beispiel für gelungenes und fruchtbares Ordensleben. Es war und ist für mich so völlig unmöglich einen Widerspruch zwischen ihrem Ordenskleid und der Tatsache zu sehen, dass ich selten so mütterlichen, lustigen, lebensfrohen, bodenständigen und zugewandten Menschen begegnet bin.

Bis ich aber im Nachhinein diese Schwestern Vorbilder für mein eigenes Ordensleben erkennen konnte, dauerte es noch viele Jahre. Zunächst einmal verfestigte sich meine Auseinandersetzung mit meinem Glauben sowie meine Sozialisierung im kirchlichen Leben dank meiner Schuljahre in einem katholischen Internat und meinem Engagement in katholischen Studentenverbindungen während der Studienzeit. Die Frage nach der Berufung zum Priester oder Ordensmann spielte für mich in dieser Zeit keine bewusste Rolle. Als 12jähriger hatte ich bereits beschlossen, Geschichte studieren zu wollen und das tat ich dann auch.

Nach und nach begann ich nun aber daran zu leiden, dass mein Glaubensleben, das mir durch das persönliche Gespräch mit Gott im Gebet und die Reflexion der Fragen nach ihm und der Welt im Austausch mit Freunden so wichtig geworden war, und mein Alltag nichts miteinander zu tun zu haben schienen. Unter den Dominikanern, die ich während des Studiums in Freiburg über meine Studentenverbindung kennenlernte, traf ich dann Personen, die ausstrahlten, dass bei ihnen die verschiedenen Bereiche ihres Lebens zusammengehören und sich ergänzen, was mich sehr beeindruckte und interessierte. Daher intensivierte ich während meines Masterstudiums in Wien meinen Kontakt zu diesem Orden, wählte einen von ihnen zum geistlichen Begleiter, beschäftigte mich mit ihrer Spiritualität und wurde Laiendominikaner. Als solcher, dachte ich, könnte ich als Historiker und möglicherweise einst Familienvater mithilfe der vier Säulen der dominikanischen Spiritualität Gebet, Studium, Predigt und Gemeinschaft, gelebt nach meinen Möglichkeiten als Laie, einen harmonischen Lebensentwurf für mich finden.

Jedoch: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Als Laiendominikaner ist man aufgefordert, wann immer möglich, mit einer dominikanischen Gemeinschaft das Chorgebet zu pflegen. Dies tat ich auch und fühlte mich enorm angezogen von der Kraft der biblischen Sprache in den Psalmen, die die Gefühle meines Glaubens teils besser in Worte fassen konnte als ich selbst dies vermochte. Auch merkte ich, wie kräftigend die Gemeinschaft und die Struktur des regelmässigen Gebetes ist. Aber ich wurde auch mit den praktischen Herausforderungen und Schwierigkeiten konfrontiert, die Praxis des Stundengebets mit einem Alltag zu konfrontieren, der nicht darauf ausgelegt ist. Nach und nach wurde mir klar, dass ich hier eine Entscheidung treffen musste und nicht sozusagen „auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen“ konnte. So begann ich, mich, mithilfe meines geistlichen Begleiters, bewusst zu fragen, ob ich in dieser Sehnsucht, die ich nach dem Chorgebet verspürte, vielleicht den Ruf Gottes zum Ordensleben hörte. Mir war schnell klar, dass ich diese Frage für mich nicht abstrakt beantworten konnte, sondern konkret bestimmte Ordensgemeinschaften prüfen musste.

Am naheliegendsten wäre es ja nun gewesen nun einfach innerhalb der dominikanischen Ordensfamilie den Ordenszweig zu wechseln. So stellte ich mir mich selbst als Dominikaner vor. Jedoch so sehr ich die Dominikaner für ihre wissenschaftliche Prägung und die konsequente Ausrichtung auf die Verkündigung in der individuellen Ordensexistenz eines jeden einzelnen Bruders bewunderte, so schwer viel es mir, mich persönlich darin zu erkennen. Auch wenn mir Wissenschaft und Verkündigung enorm am Herzen liegen, musste ich erkennen, dass ich nicht die Berufung zu dieser spezifischen Form des Ordenslebens verspürte.

Da ich mich im Psalmengebet aber von der Gemeinschaftlichkeit und dem Wunsch, mich an einem Ort einzuwurzeln, angezogen fühlte, besuchte ich vermehrt Klöster, die nach der Benediktsregel leben, weil für diese Gemeinschaftsleben und Beständigkeit wichtige Grundlagen sind. Bei diesen Besuchen bestätigte sich, was mir schon mein geistlicher Begleiter gesagt hatte, dass man sich nämlich nicht, für den Benediktinerorden an sich entscheiden kann, sondern an jedem Ort spüren muss, ob man sich an diesen Ort und in diese Gemeinschaft berufen fühlt. So war ich von vielen Klöstern sehr begeistert und fühlte mich von den Mitbrüdern angezogen, aber es fehlte das spezifische Gefühl, dass es hier richtig ist.

In dieser Zeit beschäftigte ich mich auch mit der Benediktsregel und las den spirituellen Kommentar zur Regel Ruf und Regel der Schriftstellerin Silja Walter, die als Sr. M. Hedwig als Nonne im Kloster Fahr bei Zürich lebte. In diesem Werk setzt sie sich sehr persönlich und existenziell mit der Regel auseinander, die sie wortwörtlich als Lehrmeisterin versteht, von der sie sich in die Beziehung mit Gott in Jesus Christus führen lässt. Diese Lektüre hat mich so tief berührt, dass mir mein geistlicher Begleiter riet, ins Kloster Einsiedeln zu fahren und mich dort mit P. Martin Werlen zu unterhalten, der Sr. Hedwig Walter einst begleitete. So lernte ich das Kloster Einsiedeln kennen.

Es dauerte nicht lange, bis ich realisierte, dass mich dieser Ort mit dem spezifischen Charisma der Wallfahrt auf ganz besondere Weise anzog. Zu sehen, wie die hiesige Klostergemeinschaft allein durch ihr Vorort-Bleiben und das Angebot der Liturgie und Sakramente für so viele Menschen einen Ort bereiten kann, an dem sie Gott suchen und finden können, hat mich zutiefst angesprochen. Dieses Angesprochen-Sein blieb dann aber nicht einfach so allgemein und vage, sondern ich fühlte mich ganz persönlich gemeint als die Klostergemeinschaft in der Vesper nach der Monatsprozession mit Litanei betete: „Gott, unser Vater! An dieser heiligen Stätte rufen wir voll Vertrauen zu dir. Hier hat dich der heilige Meinrad gesucht und dir bis in den Tod treu gedient. Hier erfahren Menschen seit vielen Jahrhunderten, dass Maria auch unsere Mutter ist. Du hast diesen Ort unserer Sorge anvertraut. Erneuere unsere Gemeinschaft durch deinen Heiligen Geist, damit wir dir und den Menschen in Treue dienen. Rufe junge Männer in unsere Gemeinschaft, die das Licht im Finsteren Wald lebendig erhalten, das du durch den heiligen Meinrad angezündet hast.“

Selbstverständlich mussten darauf noch einige Besuche im Kloster und Gespräche mit dem Novizenmeister und den Oberen folgen, um gegenseitig zu prüfen, ob ein Eintritt wirklich vorstellbar ist, aber letztlich hatte ich meinen Platz in Einsiedeln gefunden. So trat ich am 7. September 2016 in das Kloster Einsiedeln ein und legte hier nach Kandidatur und Noviziat am 15. Juli 2018 mit dem Ordensnamen Fr. Meinrad meine Einfache Profess ab. Seither studiere ich Philosophie und Theologie, erst für drei Jahre in Rom und nun in Fribourg, um mich mit diesen Kenntnissen dann noch mehr und besser in die verschiedenen Aufgaben unseres Klosters am Wallfahrtsort einbringen zu können. So ist in den letzten Jahren meine Sehnsucht, hier an diesem Ort nicht nur meiner eigenen Gottessuche nachzugehen, sondern auch anderen einen Ort dafür zu bereiten. In diesem Sinne habe ich am 18. Juli 2021 meine Feierliche Profess im Kloster Einsiedeln abgelegt, um mein Leben ganz dem zu widmen, auf dass Gott an diesem Ort auch den zweiten Teil des Gebets zur Monatsprozession, das mich vor meinem Eintritt so angesprochen hat, verwirkliche: “Lass alle, die zu diesem Gnadenort pilgern, ihre Berufung erkennen und schenke ihnen Mut und Freude, sie aus ganzem Herzen zu leben. Hilf der Kirche, die Zeichen der Zeit im Licht des Glaubens zu verstehen und sich mit ganzer Kraft für das Evangelium einzusetzen. Erneuere deine Kirche – und fange bei uns an.”

Dass ich hier im Kloster Einsiedeln einmal landen werde, hätte ich im Leben nicht für möglich gehalten – zumindest aus der Perspektive meines jüngeren Ichs, als ich noch in der 8. Klasse war. In unserer Schule war es üblich, in der 8. Klasse gemeinsam den Jakobsweg zu gehen – zumindest die Strecke von Konstanz bis an den Vierwaldstättersee. Eine Zwischenstation war natürlich Einsiedeln. Mit staunenden Augen betrat ich zum ersten Mal die barocke Klosterkirche. Damals wusste ich noch nicht, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein sollte. 

Als Kind stand für mich schon relativ früh fest, dass ich Pfarrer werden möchte. Ich bin in einer „gut-katholischen“ Familie aufgewachsen, in der es selbstverständlich war, sonntags in die Kirche zu gehen. Was sich dort vorne am Altar abspielte, hat mich immer wieder aufs Neue begeistert. Schon als kleiner Junge wollte ich das tun, was der Pfarrer dort macht. Eine große Hilfe war es für mich, dass einer meiner Onkel Priester ist. Mit ihm konnte ich mich über das Priestersein austauschen und durch ihn und viele andere Menschen auch in meinem Glauben wachsen. So veränderte sich auch mein Verständnis davon, was ein Priester eigentlich ist und was es bedeutet, von Gott dazu berufen zu sein. Jeder Mensch ist von Gott zu etwas berufen und ich erkannte für mich, dass ich meine Berufung prüfen sollte.

2019 trat ich deshalb in das Erzbischöfliche Priesterseminar Collegium Borromaeum in Freiburg im Breisgau ein. Dort wurde mir deutlich: Du bist nicht allein auf diesem Weg. Zuvor war ich mit diesem Gedanken in der Schule und im privaten Umfeld oft ein „Sonderling“. Das zeigte sich in unzähligen Fragen und in Verwunderung von außen. Doch nun lernte ich andere kennen, die ebenfalls von ihrer Berufung erzählten – von dem, was sie erfüllt und antreibt, diesen Weg zum Priestertum zu gehen. 

Nach einem Studienjahr in Rom suchte ich einen passenden Ort für Exerzitien. Trotz einiger Angebote, welche ich im Internet entdeckte, fand ich keines, das mich ansprach. Da erinnerte ich mich an das Kloster Einsiedeln zurück und dachte mir dabei: Warum nicht dort einmal anfragen? So kam ich nach einigen Jahren wieder an den Ort zurück, der mich ins Staunen versetzte. Diese Exerzitienwoche löste und veränderte einiges in mir. Es war eine vom persönlichen Gebet erfüllte Woche, in der ich sehr intensiv spüren durfte, dass Gott da ist – dass er mein Leben durchdringt und erfüllt. Diese Erfahrung war für mich so stark und sichtbar, dass ich davon überzeugt bin: Gott ruft mich hierher – an diesen Ort und in diese Klostergemeinschaft. Das gab mir den Auftrag, diese Berufung zu prüfen.

Von da an kam ich während meiner restlichen zweijährigen Studienzeit immer wieder als Gast zur Klostergemeinschaft, um mehr davon zu erfahren, was es bedeutet, Mönch zu werden. Schließlich entschloss ich mich Anfang des letzten Jahres dazu, diesen Berufungsweg weiter in der Klostergemeinschaft von Einsiedeln prüfen zu wollen. 

Nun freue ich mich, als Gottsuchender gemeinsam mit den Mönchen des Klosters Einsiedeln auf Gott zu vertrauen, wie es im Prolog der Benediktsregel steht: „Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg zum Leben.“

Häufig gestellte Fragen

Abgesehen von den oben genannten Voraussetzungen (Sehnsucht nach Gott, Mindestalter von 20 Jahren, katholische Konfession, lediger Zivilstand und abgeschlossene Ausbildung resp. Matura/Abitur) gibt es nur noch eine weitere Voraussetzung: Als Mönch muss man gemeinschaftsfähig sein. Das bedeutet, eine gewisse Sozialkompetenz sowie eine „Lebenstauglichkeit“ ist absolut notwendig, um ein glücklicher Mönch zu sein.

Zwar braucht es für die täglich sechs Gottesdienste unserer Mönchsgemeinschaft durchaus Freude am Gebet und an der Feier von Gottesdiensten. Doch wir Benediktiner sind keine „Super-Christen“. Wir versuchen den christlichen Glauben nach dem Vorbild des heiligen Benedikt zu leben, befinden uns aber auch selber in einem ständigen Lernprozess. Folglich setzen wir auch für Klosterinteressenten die Messlatte nicht zu hoch. Eine persönliche Gottesbeziehung, die sich in einer konkreten Gebetspraxis zeigt, sollte jedoch schon vor dem Klostereintritt vorhanden sein.

Selbstverständlich! Die Biografie eines Mönchs beginnt schon vor dem Klostereintritt und manche Erfahrungen können sogar hilfreich sein, einen bewussten Schritt ins Kloster zu tun. Um Mönch zu werden, braucht man kein vor den Klostereintritt kein Unschuldsengel gewesen zu sein. Dennoch bildet der Klostereintritt eine Zäsur, nach der manches, was vorher zum Lebensstil gehört hat, nicht mehr möglich ist.

So schnell geht das Ganze nicht! Am Beginn steht ein unverbindlicher Gastaufenthalt, bei welchem du unsere Gemeinschaft kennenlernst. Nach der Kontaktaufnahme mit dem Novizenmeister werden weitere mögliche Schritte angeschaut. Hier findest du diese vorgestellt. Auf jeden Fall bedeutet die Bekundung eines Interesses an der monastischen Lebensform noch keineswegs, dass du auch wirklich Mönch wirst. Gut Ding soll Weile haben. Wage also einfach mal einen unverbindlichen Besuch als Gast! Danach hast du fünf Jahre Zeit, dir zu überlegen, ob du die definitive Bindung an unsere Klostergemeinschaft wagen möchtest.

Aus- und Weiterbildung wird im Kloster gross geschrieben. Unsere Mönchsgemeinschaft besteht aus rund 40 Männern mit ganz unterschiedlichen Begabungen: Sie umfasst Akademiker und Handwerker, Priestermönche und Brüder – für jeden mit seinen Talenten und Fähigkeiten ist Platz im Kloster. Wenn du mit der Matura/Abitur ins Kloster eintrittst, ist ein Theologiestudium möglich und wird bei der entsprechenden Berufung zum Priestertum unterstützt. Handwerklich begabte Männer finden im Kloster unzählige Möglichkeiten, ihre Talente einzusetzen. Auch Weiterbildungen in bestimmten Bereichen sind möglich. Eines ist klar: Im Kloster wird es nie langweilig!

Das jeden Sommer angebotene und von einigen jungen Mönchen begleitete „Sommerkloster“ ist für Männer bis 35 Jahre die perfekte Gelegenheit, um Klosterluft zu schnuppern und den Alltag der Mönche für eine Woche zu teilen. Auch das Angebot „Klosterzeit“ eignet sich gut, für längere Zeit (ein halbes Jahr oder ein ganzes Jahr lang) in einem Kloster mitzuleben. Für Männer über 35 besteht die Möglichkeit zu einem regulären Gastaufenthalt. Versuch es mal!

Beim Mindestalter ist die Sache klar: Man sollte mindestens 20 Jahre alt sein. Denn eine gewisse Lebenserfahrung ist auch für zukünftige Mönche wichtig. Beim Maximalalter sind wir flexibler. Früher war man mit 30 Jahren ein „Spätberufener“. Heute treten viele Männer erst mit 30 oder 40 Jahren in ein Kloster ein. Auch bei uns in Einsiedeln traten in den vergangenen Jahren nur noch wenige Männer in den 20ern ein. Nach 45 Jahren wird es mit einem Klostereintritt jedoch schwierig, denn das Klosterleben ist keine Fortsetzung eines Junggesellenlebens und braucht Flexibilität und Lernbereitschaft. Dennoch gibt es auch hier Ausnahmetalente und ein unverbindliches Gespräch mit dem Novizenmeister schadet bestimmt nicht.

Eine Klostergemeinschaft besteht aus verschiedenen Mönchen. Die Mönche können Theologie studiert haben und zum Priester geweiht worden sein. Dann ist man Pater. Wer Mönch ist, aber nicht Theologie studiert hat und kein Priester ist, sondern etwa einen handwerklichen Beruf ausübt, ist ein Bruder.

Bei uns in Einsiedeln haben wir vielfältige Tätigkeitsgebiete. So arbeiten etwa Mönche als Lehrer an der Stiftsschule oder als Seelsorger in Pfarreien und im Spital. Auch in der Wallfahrt sind Mönche tätig, in der Sakristei, im Archiv, in der Bibliothek, im IT-Bereich, an der Kirchenpforte, als Gästeverantwortliche, im Speisesaal, in der Schneiderei, als Krankenpfleger, Organist sowie als Künstler. Und wahrscheinlich sind hier trotz der langen Liste noch nicht alle aktuellen Aufgabenbereiche der Mönche aufgezählt. Aber Du siehst: Unsere Mönchsgemeinschaft besteht aus Männern mit ganz unterschiedlichen Begabungen. Sie umfasst Akademiker und Handwerker, Priestermönche und Brüder – und für jeden gibt es mit seinen je eigenen Talenten und Fähigkeiten eine passende Aufgabe. So gäbe es gewiss auch für Dich einen Platz, an dem Du Deinen Interessen nachgehen und Deine Talente einsetzen könntest.

Wir kennen keine bestimmten Speiseregeln und essen auch Fleisch. Die Mahlzeiten nehmen wir gewöhnlich schweigend ein, während ein Vorleser einen Text aus einem Buch vorträgt. An Sonn- und Festtagen können wir allerdings miteinander sprechen. Dann gibt es auch ein Dessert.

Was schätzt Du am Klosterleben?

  • «Einsiedeln hat mich angesprochen wegen der herzlichen und sympathischen Gemeinschaft, der ansprechenden Liturgie, der attraktiven Tätigkeitsfelder sowie der schönen Gegend.»
    Pater Thomas
     
  • «Was mich ursprünglich ins Kloster gezogen hat, war die Erfahrung der Stille und des Gebets, eingebettet in einen regelmässigen Rhythmus und in eine Gemeinschaft, die sich nach einer erprobten und weisen Lebensordnung richtet. Ferner bin ich sehr dankbar dafür, dass ich meine Tätigkeit als Kirchenmusiker reich entfalten und in den Dienst des Klosters und der Weltkirche stellen durfte - und dafür, dass ich immer wieder Zeit gefunden habe, mich mit, wie mir scheint, Wesentlichem zu befassen.»
    Pater Theo
     
  • «Mich hat die Sehnsucht, mein geistliches Leben besser in mein sonstiges Leben zu integrieren, ins Kloster geführt. Ich schätze es nun sehr, dass ich als Mönch – ob im Gebet, in Gottesdiensten, in der Seelsorge, bei der Arbeit im Archiv, an der Doktorarbeit, im Wallfahrtsteam, in geselligen Runden, im alltäglichen Leben – Raum schaffen kann, um Gott zu suchen und zu finden – für mich und für andere.»
    Pater Meinrad
     
  • «Das Mönchsleben ist vielfältig und sinnvoll: vielfältig durch eine breite Palette an Tätigkeiten vom Beichtgespräch über den Lateinunterricht bis zur Feuerwehrübung – und sinnvoll, weil man Gott und den Menschen dienen kann.»
    Pater Mauritius

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