Gottes Wort
Sonntag
6
Oktober 2019

Gottes Wort
06.10.2019

27. Sonntag im Jahreskreis

Die Lesungen dieses Sonntags sprechen speziell die Verantwortlichen in der Kirche an, sind aber nicht minder von Bedeutung für alle, die im Glauben Jesu Christi getauft sind.

Kyrie

Christus, dir glauben wir. Herr, erbarme dich.
Dich bekennen wir. Christus, erbarme dich
Dir dienen wir. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Allmächtiger Gott, du gibst uns in deiner Güte mehr, als wir verdienen, und Grösseres, als wir erbitten. Nimm weg, was unser Gewissen belastet, und schenke uns jenen Frieden, den nur deine Barmherzigkeit geben kann. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Hab 1,2–3; 2,2–4
Klage des Propheten und Antwort Gottes

Wie lange, Herr, soll ich noch rufen und du hörst nicht? Ich schreie zu dir: Hilfe, Gewalt! Aber du hilfst nicht. Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Misshandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit.

Der Herr gab mir Antwort und sagte: Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann. Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus.

Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben.

Nur wer treu ist, wird bestehen
Habakuk lebte etwa 600 v. Chr. Man kann annehmen, dass er anlässlich einer grossen Feier im Tempel solche Worte wagemutig gesprochen hat. Er klagt über die Gewalt im Land und kündet im Namen Gottes, dass es zu einer Wende kommt. Wenig später wurde der Tempel zerstört (587). So sind unter dem gewalttätigen „Frevler“ nicht die Besatzungsmacht, sondern der gottlose König Jojakim und mit ihm andere Ausbeuter des Volkes zu verstehen. Nur der Gerechte wird wegen seiner Treue bestehen bleiben.

Antwortpsalm

Psalm 95,1–2.6–9
R: Heute hört auf seine Stimme, verhärtet nicht euer Herz!

Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn
und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!
Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen,
vor ihm jauchzen mit Liedern!

Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen,
lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!
Denn er ist unser Gott,
wir sind das Volk seiner Weide,
die Herde, von seiner Hand geführt.

Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
«Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba,
wie in der Wüste am Tag von Massa!
Dort haben eure Väter mich versucht,
sie haben mich auf die Probe gestellt
und hatten doch mein Tun gesehen.

2. Lesung

2 Tim 1,6–8.13–14
Aufforderung an Timotheus

Ich rufe dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin, sondern leide mit mir für das Evangelium.

Gott gibt dazu die Kraft: Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist. Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt.

Treue zum Glauben
Paulus bekennt an anderer Stelle, dass er sich des Evangeliums nicht schämt. Hier wird Timotheus als Verantwortlicher der Kirche mit ähnlichen Worten zur Treue aufgefordert. Als geweihter Bischof soll er das kostbare Gut des Glaubens furchtlos bewahren und bekennen, auch wenn sich die Umwelt ablehnend oder feindselig verhält.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja, Halleluja. Das Wort des Herrn bleibt bis in Ewigkeit, das Evangelium, das euch verkündet wird. Halleluja.

Evangelium

Lk 17,5–10
Von der Macht des Glaubens – Das Gleichnis vom unnützen Sklaven
Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so gross wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?

So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Vom Glauben und Dienen
Lukas legt hier eine kleine Belehrung über den Glauben vor. Er geht vom Kleinen über zum Grossen. Ein noch kleiner Glauben (Senfkorn; Sauerteig) vermag Grosses auszulösen. Die sprichwörtliche Wendung vom „Berge versetzenden“ Glauben (vgl. die Redewendung: "das Gras wachsen hören“), wird noch radikaler formuliert, um zu einem aktiven, lebendigen Glauben zu ermuntern. Solcher Glauben vermag eigene Positionen in das endlose Meer der Liebe und Weisheit Gottes zu versetzen. – Das Gleichnis vom unnützen Knecht richtete sich wohl ursprünglich gegen die Werkgerechtigkeit der Pharisäer, die sich viel auf Frömmigkeitsübungen zugute hielten. Im heutigen Text richtet sich der „Herr“ an die „Apostel“. Lukas spricht also die Verantwortlichen (die „Hirten“) in der Kirche an. Sie werden (auch nach der Rückkehr vom „Viehhüten“) zu einem uneigennützigen, nicht ichbezogenen Dienen aufgefordert. Weil bei Gott alles möglich ist, kann auch ein bescheidenes, im Glauben vollzogenes Dienen viel Frucht tragen. Unser „Anführer“ im Glauben, der „Herr“, hat bei der Fusswachung einen Sklavendienst geleistet; darum ist der Slavendienst der Jünger in den Augen Jesu ähnlich kostbar wie Jesu erlösendes Wirken. (vgl. P. Hofmann; perikopen.de)

Fürbitten

Herr Jesus Christus, wir bekennen uns zu dir und bitten dich:
Für die Hirten der Kirche, dass sie ihre Brüder und Schwestern im Glauben stärken.
Für die Getauften, die im Glauben verunsichert sind: Schenke ihnen Glaubensmut.
Für alle, die Armen und die Unterdrückten: Lass ihnen Gerechtigkeit widerfahren.
Für unser Volk, dass es Treue und Glauben hochhält.
Für Eltern und Erzieher: Hilf ihnen, den Glauben an die Jugend weiter zu geben.
Für uns selber: Stärke uns, damit wir dir grossmütig zu dienen vermögen.

Gott, du hast uns nach deinem Bild geschaffen. Stärke in uns den Geist der Treue und der Dienstbereitschaft. So bitten wir im Heiligen Geist durch ihn, Christus, unseren Herrn.

Schlussgebet

Gott und Vater, du reichst uns das Brot des Lebens und den Kelch der Freude. Gestalte uns nach dem Bild deines Sohnes, der im Sakrament unsere Speise geworden ist. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.