Gottes Wort
28.09.2020

Montag der 26. Woche im Jahreskreis

Verschiedene „An–sichten“: Angeblich ist es richtig, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Die erste Lesung zeichnet aber das Bild eines Weisen, der auf ein fruchtbares Unglück gelassen und weise reagiert, weil er Gott über sich weiss. – Angeblich ist klug, wer Beziehungen pflegt mit Grossen und Mächtigen, aber im Evangelium rät Jesus, sich um Schwache anzunehmen und Aussenstehende zu achten.

Kyrie

Christus, du hast dich der Schwachen angenommen. Herr, erbarme dich.
Du hast uns das Beispiel der Demut gegeben. Christus erbarme dich.
Du bist unser Meister. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Grosser Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen. Darum nimm uns in Gnaden auf, wenn uns auch Schuld belastet. Gib, dass wir unseren Lauf vollenden und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Ijob 1,6–22
Verlust des Vermögens als Bewährungsprobe

Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan.

Der Herr sprach zum Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Die Erde habe ich durchstreift, hin und her.

Der Herr sprach zum Satan: Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse.

Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Geschieht es ohne Grund, dass Ijob Gott fürchtet? Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt? Das Tun seiner Hände hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im Land.

Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus und rühr an all das, was sein ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen.

Der Herr sprach zum Satan: Gut, all sein Besitz ist in deiner Hand, nur gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus! Darauf ging der Satan weg vom Angesicht des Herrn.

Nun geschah es eines Tages, dass seine Söhne und Töchter im Haus ihres erstgeborenen Bruders assen und Wein tranken. Da kam ein Bote zu Ijob und meldete: Die Rinder waren beim Pflügen und die Esel weideten daneben. Da fielen Sabäer ein, nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit scharfem Schwert. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.

Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Feuer Gottes fiel vom Himmel, schlug brennend ein in die Schafe und Knechte und verzehrte sie. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.

Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Die Chaldäer stellten drei Rotten auf, fielen über die Kamele her, nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit scharfem Schwert. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten. Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Deine Söhne und Töchter assen und tranken Wein im Haus ihres erstgeborenen Bruders.

Da kam ein gewaltiger Wind über die Wüste und packte das Haus an allen vier Ecken; es stürzte über die jungen Leute und sie starben. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.

Nun stand Ijob auf, zerriss sein Gewand, schor sich das Haupt, fiel auf die Erde und betete an. Dann sagte er: Nackt kam ich hervor aus dem Schoss meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn. Bei alldem sündigte Ijob nicht und äusserte nichts Ungehöriges gegen Gott.

Eine Volkserzählung über die Prüfung des Gerechten
Der Anfang und der Schluss des Ijob–Buches stammt aus einer vorbiblischen Volkserzählung. Ijob, der in dieser Rahmenerzählung vorgestellt wird, ist eine legendäre Verkörperung des Gerechten. Gott wird als orientalischer Herrscher dargestellt, der eine Wette mit Satan annimmt, ohne dass ihm an Personen oder Werten etwas liegt. Satan, der in dieser Erzählung zum Hofstaat des Herrschers gehört, glaubt nicht, dass es gerechte Menschen gibt. Doch der gerechte Ijob erträgt Schicksalsschläge, ohne sich aufzulehnen. Er ist weise. (Frisque)

Antwortpsalm

Psalm 17,1–3b.5–7
R: Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede.

Höre, Herr, die gerechte Sache,
achte auf mein Flehen,
vernimm mein Gebet von Lippen ohne Falsch!
Von deinem Angesicht ergehe mein Urteil;
denn deine Augen sehen, was recht ist.

Prüfst du mein Herz,
suchst du mich heim in der Nacht
und erprobst mich,
dann findest du an mir kein Unrecht.
Auf dem Weg deiner Gebote gehen meine Schritte,
meine Füsse wanken nicht auf deinen Pfaden.

Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.
Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!
Wunderbar erweise deine Huld!
Du rettest alle,
die sich an deiner Rechten vor den Feinden bergen.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Der Menschensohn ist gekommen, um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele. Halleluja.

Evangelium

Lk 9,46–50
Der Rangstreit der Jünger – Der fremde Wundertäter
Unter den Jüngern kam die Frage auf, wer von ihnen der Grösste sei.

Jesus wusste, was in ihrem Herzen vorging. Deshalb nahm er ein Kind, stellte es neben sich und sagte zu ihnen:

Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist gross.


Da sagte Johannes: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt.

Jesus antwortete ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.

Gegen Geltungsstreben und Intoleranz in der Kirche
“Im Namen Jesu“ handelt, wer einen Geringen oder ein Kind aufnimmt. Auch wer einen Besessenen vom Dämon befreit, handelt im Namen Jesu. Beide Handlungen sind nämlich eine Ausübung der messianischen Vollmacht, die Jesus zukommt, die er aber nicht für sich selber reserviert. Er solidarisiert sich mit den Geringsten. Lukas unterstreicht, dass in der Gemeinde Jesu auch und gerade die „Kleinen“ an seiner Würde teilhaben. – Die Anweisung Jesu zu Toleranz gegenüber einem fremden Exorzisten, zeigt, dass die Vollmacht Jesu nicht ausschliesslich der offiziellen Kirche vorbehalten ist. (Frisque; Müller)

Fürbitten

Christus, du hast dich um die Kleinen und Geringen angenommen. Wir bitten dich:
Erwecke in den Getauften die Liebe zu den Armen und Schwachen.
Stärke alle, die in Stunden der Prüfung standhalten müssen.
Segne die Arbeit der karitativ und sozial tätigen Ordensfrauen.
Hilf uns selber, nicht voreilig zwischen „Freunden“ und „Gegnern“ zu unterscheiden.

Gott, du hörst auf das Rufen der Armen. Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott, in der Feier der Eucharistie haben wir den Tod des Herrn verkündet. Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele und mache uns bereit mit Christus zu leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.