Gottes Wort
Dienstag
26
Oktober 2021

Gottes Wort
26.10.2021

Dienstag der 30. Woche im Jahreskreis

Der heutige Abschnitt aus dem Römerbrief schliesst mit einem Appell zur Geduld. Sie wird aber nicht als ein passives Abwarten, sondern als ein gläubiges Ausschauen verstanden. Auch Jesus will mit seinem Doppelgleichnis von einem Mann und einer Frau eine solche Haltung wecken.

Kyrie

Christus, du sendest uns die Gabe des Heiligen Geistes. Herr, erbarme dich.
Du bist der Erlöser von Leib und Seele. Christus erbarme dich.
Du führst uns zur Herrlichkeit der Kinder Gottes. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, im Neuen Bund berufst du Menschen aus allen Völkern und führst sie im Heiligen Geist zur Einheit zusammen. Gib, dass die Kirche ihrer Sendung treu bleibt, dass sie ein Sauerteig ist für die Menschheit, die du in Christus erneuern und zu einer Familie umgestalten willst. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Röm 8,18–25
Die Hoffnung auf die Erlösung der Welt

Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.

Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.

Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.

Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.

Eine kosmische Hoffnung
Im Kontext spricht Paulus von einer tiefen Verbundenheit der Gläubigen mit Christus, wobei eine geistgewirkte, tiefe Freude und eine unerschütterliche Hoffnung auf Christus das „Leiden“ in der Jetztzeit nicht ausschliesst. Die Verbundenheit mit Christus schliesst auch unsere Leiblichkeit ein. Sie hat darum auch eine kosmische Dimension und betrifft die ganze Schöpfung. Anders als ausserchristliche Religionen sieht Paulus den Kosmos nicht einem sinnlosen Auf und Ab oder einem ewigen Kreislauf aller Dinge ausgeliefert. Nein, von seinem österlichen Glauben aus sieht er die Schöpfung einbezogen in die künftige „Herrlichkeit der Kinder Gottes“.

Antwortpsalm

Psalm 126
R: Grosses hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich.

Als der Herr
das Los der Gefangenschaft Zions wendete,
da waren wir alle wie Träumende.
Da war unser Mund voll Lachen
und unsere Zunge voll Jubel.

Da sagte man unter den andern Völkern:
«Der Herr hat an ihnen Grosses getan.»
Ja, Grosses hat der Herr an uns getan.
Da waren wir fröhlich.

Wende doch, Herr, unser Geschick,
wie du versiegte Bäche wieder füllst im Südland.
Die mit Tränen säen,
werden mit Jubel ernten.

Sie gehen hin unter Tränen
und tragen den Samen zur Aussaat.
Sie kommen wieder mit Jubel
und bringen ihre Garben ein.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde; du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart. Halleluja.

Evangelium

Lk 13,18–21
Gleichnisse: vom Senfkorn und vom Sauerteig
In jener Zeit sprach Jesus: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

Ausserdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen grossen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

Samenkorn und Sauerteig
In den Gleichnissen vom Senfkorn und vom Sauerteig lehrt Jesus, dass wir geduldig mit einem langsamen Wachstum des Guten rechnen und dabei auf die verborgene Lebenskraft des Guten vertrauen sollen. Wenn Samen mit Lebenskraft da ist, kann er wachsen, vielleicht erst in einem neuen Frühling. – Zur Zeit des Lukas (der eine Geschichte der Kirche schrieb!) hat die Kirche verstanden, dass das Kommen des Gottesreiches mit Geduld zu erwarten ist. Es verwirklicht sich „geschichtlich“ im Zeichen der „Saat“ und des „Sauerteigs“. (vgl. Frisque)

Fürbitten

Christus, du lehrst uns, um das Kommen des Reiches zu beten:
Für die Kirche: Wecke Dankbarkeit und Verantwortung im Umgang mit der Schöpfung.
Für die Völker der Erde: Schenke allen Menschen Zugang zu den Früchten der Schöpfung.
Für die christlichen Männer und Frauen: Mache sie zu einem Sauerteig in der Menschenwelt.
Für uns und die gottgeweihten Personen: Höre auf das Gebet um das Kommen deines Reiches.

Barmherziger Gott und Vater, schenke deiner Kirche die Kraft des Heiligen Geistes, damit sie mit kindlichem Glauben auf deine Vorsehung vertraut. Durch Christus, unsern Herrn.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, gib, dass deine Sakramente in uns das Heil wirken, das sie enthalten, damit wir einst als unverhüllte Wirklichkeit empfangen, was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.