Gottes Wort
Donnerstag
2
Juli 2020

Gottes Wort
02.07.2020

Mariä Heimsuchung

Der Besuch Marias bei Elisabet wird in der Adventsliturgie gefeiert. Weil der mittelalterliche Gläubige tief beeindruckt war von der menschlichen, besonders der marianischen Seite des Johannestages, wurde vom 13. Jahrhundert an die heutige Gedenkfeier auf den ersten Tag nach der Oktav des Johannestages angesetzt.

Kyrie

Christus, Sohn der Jungfrau Maria. Herr, erbarme dich.
Maria hat dich zu Elisabet getragen. Christus, erbarme dich.
Dein Kommen bringt Freude. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, vom Heiligen Geist geführt, eilte Maria, die deinen Sohn in ihrem Schoss trug, zu ihrer Verwandten Elisabet. Hilf auch uns, den Eingebungen deines Geistes zu folgen, damit wir vereint mit Maria deine Grösse preisen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herr und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Zef 3,14–18
Die Freude der Tochter Zion

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag. Ich mache deinem Unglück ein Ende, ich nehme die Schmach von dir.

Die Freude der Tochter Zion
Israel soll sich nicht mit äussern Festivitäten über die harte Wirklichkeit hinwegtrösten. Es soll sich freuen und feiern, weil Jahwe selbst mit ihm ist wie ein Krieger und ein heimkehrender Bräutigam. Im Bund mit ihm hat Israel nichts zu fürchten.–Viele Worte dieses kurzen Zefanja–Textes kehren in der Verkündigung an Maria wieder: „Freue dich (Ave)! Fürchte dich nicht! Der Herr ist mit (in) dir.“ Mit dem Sohn Marias, der Tochter Zions, kommt der wahre Retter der Welt.

Antwortpsalm

Jes 12,2–3.4b–6
Canticum

R: Gross ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Gott ist meine Rettung;
ihm will ich vertrauen und niemals verzagen.
Denn meine Stärke
und mein Lied ist der Herr.
Er ist für mich zum Retter geworden.

Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude
aus den Quellen des Heils.
Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an!
Macht seine Taten unter den Völkern bekannt,
verkündet: Sein Name ist gross und erhaben!

Preist den Herrn;
denn herrliche Taten hat er vollbracht;
auf der ganzen Erde soll man es wissen.
Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner von Zion;
denn gross ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Selig bist du, Jungfrau Maria; du hast geglaubt, dass sich erfüllt, was der Herr dir sagen liess. Halleluja.

Evangelium

Lk 1,39–56
Der Besuch Maria bei Elisabet
Maria machte sich auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüsste Elisabet. Als Elisabet den Gruss Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruss hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen liess. Da sagte Maria:

Meine Seele preist die Grösse des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Grosses an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheissen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Maria, die neue Bundeslade – Das Magnifikat
Die Erzählung über den Besuch der schwangeren Maria bei Elisabet erinnert an alttestamentliche Ereignisse, besonders an die Übertragung der Bundeslade (2 Sam 6,2–11). Auch die Lade wurde zuerst an einen Ort in Juda, noch nicht nach Jerusalem übertragen. Bei der Übertragung wurde freudig getanzt; jetzt „hüpft“ das Kind Johannes im Schoss der Elisabet, wie damals David vor der Lade „hüpfte“. Diese wurde ins Haus des Obed–Edom getragen, wie Maria das Haus der Elisabet betritt. Elisabet begrüsst Maria mit Worten Davids („Wie soll die Lade des Herrn zu mir kommen’“). Die Lade und Maria bleiben je drei Monate im Haus. – Mit dieser Art der Erzählung haben judenchristliche Prediger ihren aus der Ostererfahrung stammenden Glauben deutlich gemacht: Die messianischen Verheissungen erfüllen sich in Jesus, dem Johannes huldigt. – Maria erscheint als neue Bundeslade. Die Segensworte über Maria erinnern an Zurufe, die einst siegreichen Frauen (Jaël; Judith) galten. – Gott ist nun nicht in Tempel oder Lade gegenwärtig, sondern in Personen, die glaubend in Gemeinschaft stehen.
Das Magnifikat Marias preist rückblickend das Heilswerk Gottes und vorausblickend seine endzeitliche Vollendung. Das messianische Danklied dürfte seine Form von Lukas erhalten haben, scheint aber zurückzugehen auf das Beten und Singen der ersten, hellenistischen Christen (denn der griechische Bibeltext ist vorausgesetzt). Der Gesang ist Maria in den Mund gelegt. Sie vertritt das alte Bundesvolk, und um sie haben sich vor Pfingsten die Jünger wieder zum Gebet versammelt. Ihr Hymnus ist das Lied des „armen und demütigen Volkes“ (vgl. Zef 3,12), das an seine Auserwählung glaubt. Dem Hochgefühl der Errettung entspricht der frohe Lobpreis auf Gott, den Retter.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, unser Retter und Heiland:
Schenke den Glaubenden dankbare Freude über die Erlösung.
Erhalte den Frieden unter allen, die deine Brüder sind.
Schütze und stärke die berufstätigen Frauen.
Lehre uns, wie Maria mit Geduld den Pilgerweg des Glaubens zu gehen.

Barmherziger Gott, mit der Fürsprache Marias bitten wir um deine Gnade, die heilt, was schwach und arm ist. Durch Christus, unsern Herrn.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, mit der seligen Jungfrau Maria und mit der ganzen Kirche preisen wir dein Erbarmen, denn du hast Grosses an uns getan in der Menschwerdung deines Sohnes. Lass uns Christus, den Johannes schon im Schoss der Mutter erkannte, immer wieder im Sakrament als unser ewiges Leben empfangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.