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Ostern im Kloster Einsiedeln

Gemeinsam mit vielen Gläubigen feierten die Mönche auch dieses Jahr Leiden, Tod und Auferstehung Jesu als den Kern des christlichen Glaubens und Höhepunkt des Kirchenjahres. Den Feiern stand der genesene Abt Martin vor.

Das Ostertriduum begann mit dem feierlichen Abendmahlsamt. In diesem Gottesdienst wird dem letzten gemeinsamen Mahl Jesu mit seinen Jüngern gedacht, welches er mit diesen feierte, unmittelbar bevor er verraten wurde und so seine Passion begann. Wie es der katholischen Liturgie eigen ist, ist auch diese Feier nicht nur Gedächtnis, sondern Vergegenwärtigung. Das Tun Jesu wird abbildend stets neu aktualisiert: "Das ist mein Leib... Das ist mein Blut..." Zur traditionellen Fusswaschung lud Abt Martin 12 Personen (Ärzte, Therapeutinnen aber auch eine Patientin) aus der Klinik Valens ein. In seiner Predigt erinnerte er die Gläubigen an Gottes Gegenwart in unserem Alltag und verwies dabei vor allem auf die Erfahrung von Krankheit und Leid, in welcher Gottes Nähe erfahrbar werden kann. Mit dem Ende dieser letzten Eucharistiefeier bis zur Osternacht beginnt eine stille Zeit, lediglich unterbrochen von den Gebetszeiten der Klostergemeinschaft und der Karfreitagsliturgie.

Der Karfreitagsgottesdienst um 16 Uhr hat eine ganz eigene Prägung. Schon der Anfang der Feier ist in seiner Symbolik irritierend und berührend zugleich: Der Abt und die Assistenz legen sich auf den Boden und verharren eine Weile still im Gebet, während die Gottesdienstbesucher sich hinknien. Es ist Zeichen der Trauer und des Schmerzes über den Tod Jesu am Kreuz. Nachdem die Leidensgeschichte aus dem Johannesevangelium vorgetragen wurde, verwies Abt Martin in seiner Predigt auf das Verhältnis von Gesetz und Liebe. Er bedauerte, dass gewisse kirchliche Kreise mit ihrem Verhalten den Eindruck erwecken, als stünde in der Kirche Recht und Gesetz über dem Liebesgebot. Die Anspielung auf jüngste Verlautbarungen aus Chur ist wohl den wenigsten Zuhörern entgangen.

Der Karsamstag bildet liturgisch gesehen ein Vakuum, denn es ist die Zeit der Grabesruhe Jesu. Wie am Morgen des Karfreitags versammelt sich auch heute die Klostergemeinschaft zur feierlichen Trauermette (einer Kombination von Vigil und Laudes), welche vom Stiftschor mitgestaltet wird. Die restlichen Stunden des Tages dienen den verschiedenen Vorbereitungen auf das Osterfest: Etliche Patres tun Dienst in der Beichtkirche und in der Sakristei herrscht Hochbetrieb.

Mit der Osternachtsfeier beginnt um 20.30 Uhr die "Nacht der Nächte". Abt und Konvent versammeln sich vor dem Osterfeuer und begleiten die brennende Osterkerze durch die dunkle Kirche. Während der assistierende Priester das "Exultet", den feierlichen Lobgesang, anstimmt, erhellt sich die Klosterkirche durch das Licht hunderter Kerzen, die alle ihr Licht von der einen Osterkerze – Symbol für Christus – empfangen haben. In der Osternacht hat der Wortgottesdienst einen hohen Stellenwert. Die vorgetragenen Lesungen aus der Heiligen Schrift illustrieren Gottes Weg mit den Menschen durch die Zeit, der seinen Höhepunkt im versöhnenden Geschehen von Tod und Auferstehung Jesu Christi findet. Zur Evangeliumsprozession erklingt erstmals wieder seit 40 Tagen das Halleluja und den Gläubigen wird verkündet: Christus ist auferstanden! Die Predigt von Abt Martin war geprägt von den Erfahrungen seiner langen Genesungszeit, die er als Begegnung mit dem lebendigen Gott verstand. Sein Fazit lautete: "Die Begegnung mit dem Auferstandenen ist nicht ein Privileg derer, denen alles rund läuft. Die Begegnung mit der Auferstandenen ist ein überraschendes Geschenk an die Suchenden."

Nach einer kurzen Nacht standen für die Mönche am Ostermorgen die Laudes um 7.15 Uhr im Oberen Chor auf dem Programm. Dieser schöne Gottesdienstraum wurde seit Beginn der Reinigungsarbeiten im September 2011 erstmals wieder für das Chorgebet gebraucht und feierte so ebenfalls eine kleine "Auferstehung".

Das sonntägliche Osterpontifikalamt mit Orchestermesse bildete den krönenden Abschluss des Ostertriduums. Im feierlichen Gottesdienst richtete P. Urban das Predigtwort an die zahlreichen Besucher. Ausgehend von seinen Kindheitserfahrungen und dem verhaltenen gregorianischen Eröffnungsgesang, der so gar nicht ins Bild von Osterfeierlichkeit passen will, erläuterte er die Neigung des Menschen zum Blick durch die rosarote Brille. Für den Prediger ist klar: "Ostern ist kein Ideal, sondern bezieht auch das Scheitern mit ein, ja Ostern integriert auch den Tod, Ostern rechnet mit Hässlichkeit und Misserfolg. Ostern gibt uns eine Hoffnung gegen alle Hoffnung, Ostern ist stärker als der Tod", denn: "Ostern verkündet uns einen lebendigen Gott."

Die diesjährigen Feierlichkeiten der Kar- und Ostertage waren beeindruckend. Die gelungene musikalische Gestaltung durch Schola, Stiftschor und Organisten, das Gebet der Klostergemeinschaft und das Mitfeiern einer grossen Gottesdienstgemeinde mögen dazu beitragen, dass die Osterbotschaft im Alltag der Menschen Wurzeln schlage und Frucht bringe.

Frater Philipp Steiner