Rosenkranzgarten – Wege ins Licht
Der Rosenkranzgarten lädt ein zum Verweilen und das Geheimnis Jesu Christi an der Hand Marias zu betrachten. Deswegen steht das Kreuz im Zentrum des Gartens. In ihm gipfelt das Geheimnis des Glaubens.
Die drei göttlichen Tugenden «Glaube, Hoffnung und Liebe» ziehen ihre Kraft aus dem Kreuz. Sie bilden das Fundament der Nachfolge Jesu und eröffnen deswegen das Rosenkranzgebet.
Mit dem Rosenkranz betrachten wir das Leben Jesu seit seiner Geburt (Freudenreicher Rosenkranz), bei der Verkündigung des Reiches Gottes (Lichtreicher Rosenkranz), während seines Leidens (Schmerzreicher Rosenkranz) bis hin zur Verherrlichung im Himmel (Glorreicher Rosenkranz).
Hier stellen wir Ihnen die Themen der sieben Stelen des Rosenkranzgartens vor. Bitte auf die Bilder klicken, um die entsprechenen Texte zu lesen.
Künstlerin der Glasbilder
Im Jahr 2017 erhielt Jutta Kiechl von Frau Beatrice Eberle-Scherer den Auftrag, einen Bilderzyklus zu den Rosenkranzgeheimnissen zu malen, welcher sich heute in der Kapelle der Liebfrauenkirche in Innsbruck befindet. Davon inspiriert liess die Mäzenin von derselben Künstlerin die sieben Glasbilder im Rosenkranzgarten verwirklichen.
Die Umsetzung der Bilder in Antikglastechnik wurde in Zusammenarbeit mit der Glaskünstlerin Stefanie Fischler durchgeführt.
Die Gestaltung der Stelen erfolgte durch den Architekten Norbert Buchauer.
Dank an Sponsoren
Beatrice Eberle-Scherer (+ 2023) hegte über viele Jahre den Wunsch nach einem Rosenkranz-Bilderzyklus. Dank ihrer Grosszügigkeit konnte das Kloster diesen Garten verwirklichen. Unterstützt wurde das Projekt auch durch die Private Kulturstiftung Einsiedeln und die Vereinigung der Freunde des Klosters Einsiedeln.
Meditationen zu den Glasbildern der sieben Stelen im Rosenkranzgarten
Hinführung
Beim Rosenkranzgebet führt die heilsam gleichförmige Wiederholung des Ave Maria hin zum Aufleuchten der Geheimnisse des christlichen Glaubens.
Die Geheimnisse des Rosenkranzes sind Wege ins Licht, so beschreibt es uns die Künstlerin Jutta Kiechl. Geheimnis bedeutet nicht, dass es sich um etwas Geheimes handelt, das man nicht allen weitererzählen darf. Ein Glaubensgeheimnis will ein Mysterium andeuten, das sich nur erschliessen lässt, wenn man wagt, selbst ein Teil davon zu werden. Der Einzelne tritt mit seiner persönlichen Geschichte, seinen Bedürfnissen und Sehnsüchten durch sein Beten und Meditieren in den Gegenstand des Betrachtens ein. In der Begegnung mit Jesus Christus, in der Berührung mit einem bestimmten Aspekt seines Lebens geschieht Wandlung. Das muss man nicht gewahr werden. Ein Geheimnis vollzieht sich, ohne dass wir es mit Gedanken oder Gefühlen fassen könnten. Ein Geheimnis geschieht.
Hier ein Gedicht von Silja Walter, das uns Maria als Fenster ins Licht, ins Geheimnis näherbringt:
Sag ich: «Maria»
Sag ich: «Maria», dann rede ich
von einem Mädchen.
Von einer Frau.
Sie ist keine Legende, kein Symbol, kein Mythos.
Sie ist als ein Mensch geboren im Lande Israel,
ein Mensch wie wir
und doch anders.
Eine alte Antiphon im Nachtgebet der Kirche
nennt Maria «Das Fenster des Himmels.»
Dieser Name sagt, wer sie ist.
Es ist daher ganz ausgezeichnet und
einzigartig richtig,
Maria, ihr Wesen und ihr Geheimnis
auf Fenster zu malen,
in Scheiben zu brennen,
durch die des Tages Helle einbricht in die Kapelle,
die Kirche,
in unser Schaun und Gebet und Betrachten.
Fenster ist Durchsicht ins Dahinter hinein,
ist Öffnung ins Licht,
und das ist Maria.
Wer sie betrachtet im Glasband von unten empor
bis zur Höhe der Decke,
sieht durch sie hindurch in den,
der durch sie kommt.
…
Und diese Scheiben lassen auch einsehen,
was inneres Gebet,
was Kontemplation ist:
Selber Scheibe sein, wie sie, wie Maria,
die das einfallende Licht, das Christusgeheimnis
aufflammen und durchströmen lässt in die Welt.
Vielleicht kann man Christus in Wahrheit
nur «marianisch sehen»,
denn nur durch Maria wird es aufgefangen,
empfangen.
Diese Glasfenster betrachten heisst
Maria anschauen,
und dadurch Jesus Christus sehen.
Silja Walter
Drei göttliche Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe
Die drei ersten Bilder der Rosenkranzstelen stehen für die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe. Die folgenden vier Bilder stehen für je ein Rosenkranzgeheimnis: den freudenreichen, den lichtreichen, den schmerzreichen und den glorreichen Rosenkranz.
Jedes Rosenkranzgeheimnis besteht traditionell aus 5 Gesätzchen mit je 10 Ave Maria. Diese finden Sie unter diesem Link (Link zur entsprechenden Unterseite auf unserer Webseite: www.kloster-einsiedeln.ch/gottesdienst/gottesdienstordunung/rosenkranzgebet ).
Jedem Bild folgt eine kurze Meditation und anschliessend Ideen, um dem entsprechenden Rosenkranzgeheimnis mit eigenen Betrachtungsformulierungen auf die Spur zu kommen. Man darf in aller Freiheit neue Formulierungen für sich finden.
«Du trägst ja meinen Rosenkranz in deinem schwarzen Haar»
Du trägst ja meinen Rosenkranz in deinem schwarzen Haar.
Perlen, wie Sterne,
ich bete ihn gerne,
denn was sie bedeuten, man sieht,
es geschieht
und ist wahr.
Du trägst die weisen, roten und die gelben Geheimnisse
tief innen.
Ich muss sie beim Zählen besinnen
und im Herzen bewahren
wie du.
Dann kann ich erfahren
und sehn:
sie geschehn
immerzu
weiter auf Erden.
Du trägst das Geheimnis des Glaubens, das dich so gross
und heilig gemacht,
auf dem Schoss:
Jesus.
Er ist deiner Wurzel in der Nacht
entsprossen.
In ihm sind alle Geheimnisse Gottes
beschlossen.
Meine Mutter, ich bitte dich, schenke ihn mir.
Ich schenke dir
weisse und rote und goldene Rosen dafür.
Amen.
Silja Walter






