Salve Regina

Jeden Tag (ausser Hoher Donnerstag, Karfreitag und Karsamstag) ziehen wir Mönche im Anschluss an die Vesper in Prozession zur Gnadenkapelle und singen dort das mehrstimmige “Salve Regina” in einem Chorsatz aus dem späten 18. Jahrhundert.

Die Tradition geht auf eine Stiftung aus dem Jahre 1547 zurück. Damals kam der in den Reformationswirren aus seinem Kloster Maulbronn (D) vertriebene Zisterzienserabt Johannes von Lenzingen nach Einsiedeln, wo er die Stiftung machte und noch im gleichen Jahr starb. Er wurde neben der Gnadenkapelle begraben.

Auch wenn die Frage nach dem Verfasser des “Salve Regina” wohl nie mit letzter Sicherheit beantwortet werden kann, sprechen einige Indizien für den seligen Hermann von Reichenau (1013-1054). Dieser hochgebildete Benediktinermönch und zugleich schwerstbehinderte Mann (darum sein Beiname «der Lahme») war durchdrungen von einer grossen Liebe zur Gottesmutter Maria, der die Kirche seines Klosters geweiht war. Dem gleichen Kloster gehörte ja auch der heilige Meinrad an, der rund 200 Jahre früher gelebt hatte. Wenn wir das leidgeprüfte Leben des seligen Hermann etwas kennen, dann wird auch die Gebetssprache des «Salve Regina» besser verständlich.

Alle öffentlichen Gottesdienste bis auf weiteres ausgesetzt!

Zeitpunkt

Täglich (ausser Hoher Donnerstag, Karfreitag und Karsamstag) um ca. 17 Uhr (im Anschluss an die Vesper von 16.30 Uhr)

Gedanken zum “Salve Regina”

Die marianische Antiphon beginnt mit dem Gruss an die Gottesmutter: «Sei gegrüsst». Dieser erinnert an den Gruss des Engels bei der Verkündigung. Maria wird hier nicht mit ihrem Namen, sondern als «Königin» angesprochen. Dies ist ein indirekter Hinweis auf Jesus Christus, den König des Universums. Erst die Majestät ihres Sohnes verleiht Maria ihre herausragende Würde. Diese besteht in ihrer Berufung, Mutter des Erlösers zu sein. Maria ist Mutter des Auferstandenen, der ihr bereits Anteil an seiner himmlischen Herrlichkeit geschenkt hat. So ist sie für uns zur «Mutter der Barmherzigkeit» geworden, denn in Jesus Christus ist für uns die Barmherzigkeit Gottes konkret erfahrbar geworden. Auch die nachfolgenden Bezeichnungen Mariens als «unser Leben», «unsere Wonne» und «unsere Hoffnung» lassen sich erst im Blick auf Jesus Christus richtig verstehen und einordnen. Jesus Christus selbst ist ja «der Weg, die Wahrheit und das Leben». Indem Maria uns Jesus schenkt, wird auch sie zum Quell des Lebens, zum Grund zur Freude und zum Zeichen der Hoffnung.

Der zweite Teil des «Salve Regina» ist der Ort der Klage. Hier befindet sich der Beter auf der Pilgerschaft vom Ort der Verbannung (Exil) hin zum himmlischen Vaterhaus. Jesus Christus hat diesen Heimweg durch die Erlösung eröffnet. Auch wenn das Ziel hoffnungsvoll ist, der Weg ist mit vielerlei Schwierigkeiten verbunden. Diese können unser Leben manchmal wirklich zum «Tränental» werden lassen. Der selige Hermann der Lahme wird dies oft selber erfahren haben. Und doch bleibt immer Grund zur Hoffnung: Wir sind nicht allein! Wenn einem Kind ein Leid zustösst, geht es zur Mutter. Durch ihre innige Beziehung zu ihrem Sohn wird Maria zur Begleiterin aller, die den «Pilgerweg des Glaubens» gehen. Als «Kind Evas» ist der Mensch in seinem Leben konfrontiert mit Leid und Tod. Maria hat als «neue Eva» das wahre Leben geboren. Sie ist somit Mutter des erlösten Menschen und führt diesen aus der Verbannung zurück nach Hause.

Im dritten Teil werden zwei Bitten an Maria gerichtet: Es ist ihr liebevoller, mütterlicher Blick im Hier und Jetzt und das Schauen des Herrn in der Ewigkeit. «Zeige uns Jesus!» dürfen wir aber auch umfassender verstehen. Schon jetzt soll uns Maria die Augen öffnen für die Gegenwart des Herrn in unserem Leben, besonders in den Bedürftigen und Notleidenden.

Das «Salve Regina» beginnt mit dem Lob der «Mutter der Barmherzigkeit» und es endet mit einem Lobpreis der gütigen, milden und süssen Jungfrau Maria. Dieser vierte Teil ist ein späterer Zusatz, welcher in der Tradition dem heiligen Bernhard von Clairvaux (1090-1153) zugeschrieben wurde. Pater Sebastian Haas-Sigel OSB (Erzabtei Beuron) schreibt dazu: «Es ist die Freude, die hier singt; die Freude darüber, dass dem suchenden Menschen von Gott her Hilfe geschenkt ist. Maria ist Zeugin dafür und steht dafür ein.»

Durch die Aspekte des Lobes, der Klage und der Bitte nimmt das «Salve Regina» alle Stimmungslagen des Menschen auf. Es ist somit vergleichbar mit den Psalmen der Bibel, welche durch ihren Bildreichtum und die kraftvolle Sprache zu einer Schule des Gebets werden – wenn man sich darauf einlässt.

Auch das «Salve Regina» nimmt den Beter, die Beterin ganz hinein. Es lohnt sich, dieses Gebet immer wieder zu meditieren und auf sich wirken zu lassen. Doch am meisten ehren wir Maria, wenn wir sie nicht nur im Gebet anrufen, sondern auch ihren Glauben, ihre Hingabe und ihre Liebe nachahmen. Werden wir selber zu einem Lied, das mit Maria denjenigen preist, der auch an uns «Grosses getan hat»!

Einsiedler Gebetsgemeinschaft

Einen starken Bezug zum “Salve Regina” haben die Mitglieder der “Einsiedler Gebetsgemeinschaft”. Mit ihrem Gebet leisten die Mitglieder der Gebetsgemeinschaft einen wichtigen Beitrag, dass der Wallfahrtsort Einsiedeln auch in Zukunft ein Ort des gelebten Glaubens bleibt. Die Gottesmutter Maria und Bruder Meinrad Eugster sind den Mitgliedern Begleiter auf ihrem Glaubensweg.