Leben als Benediktiner

Wie sieht das Leben von uns Benediktinern aus? Auf diese Antwort gibt es keine einfache Antwort. Es sind ja nicht nur die Klöster und die sie bewohnenden Gemeinschaften, welche sich stark unterscheiden. Es sind auch die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Tätigkeiten der einzelnen Mönche, welche einen grossen Einfluss auf den jeweiligen Alltag im Kloster haben.

Bei aller Unterschiedlichkeit von uns Mönchen sind der Entscheid für ein Leben im Kloster Einsiedeln und die Berufung, als Benediktiner die Nachfolge Jesu konkret werden zu lassen, das Verbindende. Wir alle versuchen, die Benediktsregel nach unseren je eigenen Möglichkeiten im 21. Jahrhundert mit Leben zu erfüllen. Dabei sind einige Zitate von grosser Bedeutung, denn sie geben Einblick in unsere Spiritualität als Benediktiner im Kloster Einsiedeln:

Hören und Tun

„Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!“

Benediktsregel, Prolog 1

Schweigen

„Immer müssen sich die Mönche mit Eifer um das Schweigen bemühen, ganz besonders aber während der Stunden der Nacht.“ Benediktsregel, Kapitel 42,1

Christus im Nächsten lieben

„Sie sollen einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen; ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher Geduld ertragen; im gegenseitigen Gehorsam sollen sie miteinander wetteifern; keiner achte auf das eigene Wohl, sondern mehr auf das des anderen; die Bruderliebe sollen sie einander selbstlos erweisen; in Liebe sollen sie Gott fürchten; ihrem Abt seien sie in aufrichtiger und demütiger Liebe zugetan. Christus sollen sie überhaupt nichts vorziehen.“

Benediktsregel, Kapitel 72,4-11

Einander ehren und lieben

„Die Jüngeren sollen also die Älteren ehren, die Älteren die Jüngeren lieben.“

Benediktsregel, Kapitel 63,10

Die Regel als Anfang

„Wenn du also zum himmlischen Vaterland eilst, wer immer du bist, nimm diese einfache Regel als Anfang und erfülle sie mit der Hilfe Christi.“

Benediktsregel, Kapitel 73,8

Dem Gottesdienst nichts vorziehen

„Hört man das Zeichen zum Gottesdienst, lege man sofort alles aus der Hand und komme in grösster Eile herbei, allerdings mit Ernst, um nicht Anlass zu Albernheiten zu geben. Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden.“

Benediktsregel, Kapitel 43,1-3

Jedem das Seine

„Wer weniger braucht, danke Gott und sei nicht traurig. Wer mehr braucht, werde demütig wegen seiner Schwäche und nicht überheblich wegen der ihm erwiesenen Barmherzigkeit. So werden alle Glieder der Gemeinschaft im Frieden sein. Vor allem darf niemals das Laster des Murrens aufkommen, in keinem Wort und keiner Andeutung, was auch immer als Anlass vorliegen mag.“

Benediktsregel, Kapitel 34,3-6

Christus im Fremden begegnen

„Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: ‚Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen‘. Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern.“

Benediktsregel, Kapitel 53,1-2

Schule für den Dienst des Herrn

„Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten. Bei dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres festzulegen. Sollte es jedoch aus wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler zu bessern und die Liebe zu bewahren, dann lass dich nicht sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng. Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.“

Benediktsregel, Prolog 45-49

Masshalten

„Es muss vor allem Unmässigkeit vermieden werden; und nie darf sich bei den Mönchen Übersättigung einschleichen. Denn nichts steht so im Gegensatz zu einem Christen wie Unmässigkeit.“

Benediktsregel, Kapitel 39,7-8

Arbeit als Segen

„Müssiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein.“

Benediktsregel, Kapitel 48,1

Wertschätzung

„Alle Geräte und den ganzen Besitz des Klosters betrachte man als heiliges Altargerät.“

Benediktsregel, Kapitel 31,10