Kloster Einsiedeln, zur Startseite
Kloster Einsiedeln, zur Startseite

"Wollen wir in seinem Zelt wohnen, dann müssen wir durch gute Taten dorthin eilen" (RB Prol 22)

"Wollen wir in seinem Reich und in seinem Zelt wohnen, dann müssen wir durch gute Taten dorthin eilen. Anders kommen wir nicht ans Ziel." (Benediktsregel Vorwort 22)

In wessen Reich wohnen denn wir und in welchem Zelt haben wir zuletzt geschlafen?

Unsere moderne Gesellschaft wohnt hauptsächlich in Wohnungen oder in einem Haus. Ein Zelt gönnt man sich mehr als Abenteuerurlaub. Die meisten von uns haben als Kind das erste Mal in einem Zelt geschlafen, das dazugehörende Reich war die Pfadi oder eine ähnliche Gemeinschaft. Ganz ohne elterliche Anweisung ging es dann darum, in einem anderen Umfeld zurechtzukommen. Keine Ahnnehmlichkeiten wie Heizung oder Lichtschalter, stattdessen Schlafsack und Taschenlampe. Dafür ein herrliches Reich.

Freilich müssen auch hier ein paar Regeln beachtet werden, ob diese gefallen oder nicht. Kommt dazu, dass Sonnenschein ohne Sonnenschutz Sonnenbrand verursacht und Regen ohne entsprechende Bekleidung nasse Haut. Rauch brennt in den Augen, wenn das Holz nicht trocken ist, und das Essen bleibt kalt, wenn kein Feuer brennt.

Gute Taten sind unter solchen Voraussetzungen die Highlights des Zusammenlebens. Was fehlt, kann ausgeliehen werden, was gerade nicht gebraucht wird, wird dafür ausgeliehen in diesem Reich der Zelte, in dem miteinander gewohnt und gelebt wird. Und sei dies auch nur für ein paar Tage. Wir sind schliesslich nicht alleine hier, sondern gemeinsam, mit Fehlern und guten Taten.

Anders kommen wir nicht ans Ziel.

Zur Autorin: Marlies, Berglerin und Bloggerin, Jahrgang 1975, Mutter vier erwachsener Kinder und Oblatin des Klosters Einsiedeln.

Servicenavigation