"Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?" Wenn du das hörst und antwortest: "Ich", dann sagt Gott zu dir: "Willst du wahres und unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach!" (Benediktsregel Prolog 15-17)
Der Prolog der Benediktsregel spricht mich immer wieder aufs Neue an. So ist es doch höchst bemerkenswert, welche Frage der heilige Benedikt seinem Leser hier stellt: "Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?" Jeder will ein gutes Leben haben – aber ob auch alle an Gott oder an eine 1500 Jahre alte Ordensregel denken?
Was heisst in diesem Zusammenhang, das Leben zu lieben? Eine Grundhaltung von Christen sollte stets die Freude sein, denn schliesslich haben wir allen Grund, uns zu freuen. Gott nämlich schenkt mir unverdienterweise das wahre und unvergängliche Leben. Wie könnte ich auf diese Liebe anders reagieren, wenn ich sie erst einmal erkannt und verstanden habe, als mich ehrlich zu bemühen, Gottes Willen zu suchen?
Dass auch in meinem Alltag als christgläubiger Katholik nicht immer die Sonne scheint, sondern im Leben von Christen manchmal Regenwolken oder vielleicht sogar heftige Gewitter aufziehen können, scheint ohne Zweifel auf der Hand zu liegen. Aber die feste Gewissheit, dass ich die Schwierigkeiten meines Lebens nicht alleine bestehen muss, gibt mir eine völlig neue Perspektive auf viele Dinge. Denn ich weiss mich geborgen in der Hoffnung, dass ich es nicht aus eigener Kraft schaffen muss, weil Jesus meine Erlösung bewirkt hat. Weil Gott treu an meiner Seite steht. Weil ich auf gute Tage zugehen darf.
Im kommenden Himmelreich erwartet mich die vollkommene Freude; aber auch wenn sich das Paradies erst zukünftig vollenden kann, so bin ich als Christ im Jetzt dazu aufgerufen, schon in dieser irdischen Welt am Aufbau des Reiches Gottes zu arbeiten und nach den Weisungen des Evangeliums Jesu Christi zu leben. Dann kann ich auch schon heute ein bisschen an der Freude der bevorstehenden Herrlichkeit teilhaben.
Die Benediktsregel ermutigt den, der beständig in dieser freudigen Herangehensweise Gott sucht, tatkräftig zu handeln, das Böse zu meiden und das Gute zu tun. Frieden zu suchen und Frieden zu bekommen. Denn der Herr stärkt und bestärkt mich, sodass selbst scheinbar unlösbare Herausforderungen lösbar werden.
Wer also das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht, darf sich Gott ganz anvertrauen, denn er zeigt mir den Pfad zu solch einem erfüllten Leben. Vor Gottes Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu seiner Rechten Wonne für alle Zeit (frei nach Ps 16,11).
Matthias Gatt, 20 Jahre, Student der katholischen Theologie an der Universität Innsbruck.
