«Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.» (Benediktsregel Prolog, 50)
In diesen Tagen beginnt der Sommer – und ganz spontan verbinde ich diese Textstelle mit einem alten Kirchenlied von Paul Gerhardt: «Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit, an deines Gottes Gaben.»
Da ist die Rede vom Hinaustreten in die Schöpfung, in ihre Schönheit und Weite, von Abenteuer und von ganz viel Freude – wie Gott sich freute, als er am siebten Tag sein Werk betrachtete: Und es war sehr gut!
Wenn man sich hingegen als Aussenstehende einen Klostereintritt vorstellt, so könnte man schnell meinen, das Gegenteil wäre der Fall: Es wird eng und streng. Man muss gehorchen und verzichten lernen und hat nur noch wenig Freiheiten und auch wenig Freude. Der heilige Benedikt verspricht aber etwas anderes: Wenn man die ersten Widerstände überwunden hat, so kann man erleben, wie das Herz weiter und die Freude grösser wird.
Aber es gilt wohl für alles, das uns am Anfang schwer und mühsam erscheint: Wenn wir uns selbst, unsere Trägheit überwinden, uns mit ganzem Herz aufmachen und dranbleiben, so werden wir mit Freude belohnt. Das habe ich im Leben immer wieder erfahren dürfen.
Zur Autorin: Cäcilia, geboren 1959, ist pensioniert, Mutter dreier erwachsener Kinder und seit 2010 Oblatin des Klosters Einsiedeln.