Die zweite Stufe der Demut: Der Mönch liebt nicht den eigenen Willen und hat deshalb keine Freude daran, sein Begehren zu erfüllen. Vielmehr folgt er in seinen Taten dem Wort des Herrn, der sagt: „Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ (Benediktsregel, 7,31-32).
Dieser Beitrag soll nochmals die Demut als grundlegende Tugend der benediktinischen Spiritualität aufgreifen. Während in der weltlichen Gesellschaftsordnung Selbstverwirklichung und Durchsetzung der eigenen Interessen oftmals ganz weit oben auf der Prioritätenliste stehen, bin ich als Christ dazu aufgerufen, die Erfüllung des Willens Gottes in den Mittelpunkt meines Handelns zu stellen.
Der heilige Benedikt zitiert in der erwähnten Passage Jesus selbst: „Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ (Joh 6,38) Wenn ich nun Jesus ernsthaft nachfolgen will, dann sollte ich nicht meinen eigenen Willen suchen, sondern stets die Frage nach dem Willen Gottes stellen – so wie es auch Jesus getan hat.
Für mich stellen sich daher im nächsten Schritt zwei Fragen: Was will Gott überhaupt von mir? Und wie erkenne ich Seinen Willen?
Bei meinem ersten Besuch im Kloster Einsiedeln durfte ich eine wertvolle Erfahrung machen, nämlich die sogenannte „Lectio Divina“. Kurz gesagt handelt es sich dabei um die intensive Beschäftigung mit der Hl. Schrift. Mir persönlich hat das sehr geholfen, um sich der Frage nach dem Willen Gottes anzunähern. Durch das Lesen und Nachdenken über das Wort Gottes kann ich schliesslich Gott selbst besser kennenlernen.
Wesentlich erscheint mir in der Frage nach dem Willen Gottes auch noch ein Zweites: Das Hinhören auf die Menschen in unserem Umfeld. Wir Christen sind eine Gemeinschaft, weshalb niemand den Weg der Nachfolge Christi allein gehen muss. Ich denke, dass die Begleitung und der Austausch über das Wort Gottes genauso dazugehören, wie darüber in der Stille und der Anbetung nachzusinnen.
Nicht den Eigenwillen zu suchen, sondern offen zu sein für die Botschaft Gottes und Seinen Willen konkret in meinem Leben umzusetzen – das möchte ich aus der Benediktsregel in meinen Alltag mitnehmen.
Matthias Gatt, 19 Jahre, Student
