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In der Kolumne «Meine Benediktsregel» teilen verschiedene Autorinnen und Autoren, die mit unserem Kloster verbunden sind, in kurzen Texten ihre Gedanken darüber, wie sie die Benediktsregel als Inspiration für ihr Leben ausserhalb von Klostermauern zu nutzen versuchen.

Von den richtigen Worten beim Gebet (Benediktsregel 20,3)

«Wir sollen wissen, dass wir nicht erhört werden, wenn wir viele Worte machen, sondern wenn wir in Lauterkeit des Herzens und mit Tränen der Reue beten.» (RB 20, 3)

Der Mönchsvater Benedikt geht davon aus, dass nicht die Anzahl der Worte die Wirksamkeit eines Gebetes bestimmt, sondern die innere Haltung. Dieser Vers folgt auf die elf Kapitel über die Gebetsordnung (RB 8 – 18). Das ist etwas verwirrend. Zunächst macht nämlich der heilige Benedikt viele Worte über das Psalmengebet, in denen er aufzeigt, wie man jede Woche alle 150 Psalmen beten soll – und dann schreibt er hier, dass viele Worte gar kein Qualitätsmerkmal für das Gebet seien. Allerdings zeigt sich, dass er zwischen dem Rezitieren von Psalmen im gemeinsamen Chorgebet und dem persönlichen Gebet unterscheidet. Im Kapitel 19 beschreibt er die notwendige innere Haltung beim Gottesdienst und erinnert, dass man Psalmen «in Weisheit singen» muss. Im Kapitel 20 jedoch geht er auf das persönliche Gebet ein und betont, dass nicht die Anzahl der Worte, sondern die innere Haltung, die Vertrauen und Demut verbindet, das Gebet besonders wirkungsvoll werden lässt.

Teresa von Avila scheint diese Erfahrung mit dem Mönchsvater zu teilen, denn sie schreibt in ihrem Werk «Weg der Vollkommenheit»: «Er will nicht, dass wir uns mit vielem Reden allzusehr anstrengen» (Weg, Kapitel 29, Abschnitt 6) und weiter: «Wenn er [der Betende] redet, denke er an den, mit dem er in seinem Innern reden kann! Wenn er sprechen hört, erinnere er sich daran, dass er auf den hören muss, der viel näher zu ihm spricht! Kurz, er trage Sorge, sich niemals von einer so guten Gesellschaft zu trennen!» (Weg, Kapitel 29, Abschnitt 7). Diese innere Haltung übertrifft die Bedeutung der Worte offenbar bei Weitem, denn irgendwann fallen Worte für die heilige Teresa sogar ganz weg. Auch ihr Mitbruder Johannes vom Kreuz beschreibt diese Erfahrung in seinem Werk «Aufstieg zum Berg Karmel»: «..der Menschenseele gefällt [es], in liebender Achtsamkeit allein bei Gott zu sein.» (Aufstieg, Buch II, Kapitel 13.).

Der heilige Benedikt schreibt nicht so viele Worte über das persönliche Gebet wie die beiden karmelitischen Heiligen, ganz im Gegenteil: Man könnte in der Benediktsregel leicht darüber hinweglesen. Aber auch er macht in diesem Vers deutlich, dass es im persönlichen Gebet viel mehr um die Beziehung zu Gott geht als darum, mit wortreichen Gebeten grossartige Leistungen zu erbringen. Und wer weniger redet, kann ohnehin auch besser hören. In diesem Sinn passt dieser Vers wunderbar zu den ersten Worten der Regel: «Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters» (Prolog, 1).

Zur Autorin: Verena, Jg. 1967, ist selbständigerwerbend, Mutter dreier erwachsener Kinder und Oblatin des Klosters.

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