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In der Kolumne «Meine Benediktsregel» teilen verschiedene Autorinnen und Autoren, die mit unserem Kloster verbunden sind, in kurzen Texten ihre Gedanken darüber, wie sie die Benediktsregel als Inspiration für ihr Leben ausserhalb von Klostermauern zu nutzen versuchen.

Vom guten und bösen Eifer - und wie man die Unterscheidung macht (Benediktsregel, Kapitel 72)

«Wie es einen bitteren und bösen Eifer gibt, der von Gott trennt und zur Hölle führt, so gibt es den guten Eifer, der von den Sünden trennt, zu Gott und zum ewigen Leben führt. […].» (RB 72, 1.2)

In den frühen 1990er Jahren gab es im Schweizer Fernsehen eine Sendereihe mit geistlichen Konzerten aus verschiedenen Kirchen, die jeweils von verschiedenen Persönlichkeiten kommentiert wurden. Ich erinnere mich nicht mehr an die Konzerte, aber sehr wohl in Erinnerung blieb mir eine Rede von Peter Bichsel. Er sprach über den Fleiss. Es gibt im Schweizerdeutschen die Redensart «’mit Fliss’ etwas tun» - damit gemeint ist ‘mit Absicht’. Man kann mit übermässigem, falschem Fleiss auch vieles kaputt machen. Bichsels Rede endete damit, dass er in unserem vielgelobten Fleiss auch eine Gefahr sah, nämlich jene, dass wir die Natur und die Mitmenschen ausbeuten und zerstören könnten. Wie recht er damit doch hatte! Wir bewundern zwar immer noch jene Menschen, die um ihrer selbst willen fleissig sind und es zu etwas bringen, aber ich stelle fest, dass viele junge Menschen aussteigen aus diesem vom Ego betriebenen Hamsterrad.

Wie aber unterscheide ich den guten vom bösen Eifer (Fleiss)?

Ignatius spricht von der ‘Unterscheidung der Geister’, welche mir dabei helfen könnte, wenn ich den guten und den bösen Eifer auseinanderhalten möchte. Ein Jesuit hat das mal in einer Predigt so zusammengefasst: Alles, was dem Leben (der ganzen Schöpfung) dient, ist gut – alles, was Leben behindert oder zerstört, soll vermieden werden.

Ganz so einfach ist es dann wohl doch nicht, aber der Gedanke geht in die richtige Richtung. Rücksichtsloses Leben auf Kosten meiner Mitmenschen und meiner Mitwelt macht das Leben im Endeffekt für alle nur schwerer. Wenn ich aber Jesus nachfolge, und das durchaus mit gewissem Eifer, verspricht er mir, dass sein Joch sanft und seine Last leicht sei, und dass ich, wenn ich seinem Vorbild gemäss lebe, zur Ruhe komme. Das will ich gerne glauben und ihn bitten, mir zu helfen, die vielen Abergeister, die ihm widersprechen, einfach vorüberziehen zu lassen.

Für mein Gebetsleben heisst dies, dass ich mit mir zufrieden bin, wenn ich einfach da sein darf vor Gott, dass ich mein Leben vor ihn bringe und dass ich nichts leisten muss. Er weiss um mich und kennt alle meine Wünsche und Gedanken, ohne dass ich ihn zutexte. 

Zur Autorin: Cäcilia, JG 1959, ist pensioniert, Mutter dreier erwachsener Kinder, Grossmutter und Oblatin des Klosters Einsiedeln seit 2010.

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