«Aus dieser Liebe wird er alles, was er bisher nicht ohne Angst beobachtet hat, von nun an ganz mühelos, gleichsam natürlich und aus Gewöhnung einhalten, nicht mehr aus Furcht vor der Hölle, sondern aus Liebe zu Christus, aus guter Gewohnheit und aus Freude an der Tugend […].» (RB 7, 67-69)
Wir nähern uns dem Pfingstfest, und ich glaube, diese Stelle in der Benediktsregel hat viel mit der Heiligen Geistkraft zu tun. Durch die Taufe sind wir alle geistbegabt. Was hier über den Mönch gesagt wird, hat sich wohl auch so ähnlich abgespielt unter den ersten Christen. Mutig, mühelos und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit konnten sie losziehen und die frohe Botschaft zu den Menschen bringen. Dabei war der Gegenwind sehr stark und die Widerstände teilweise so gross, dass sie dabei ihr Leben riskierten. Aber es war nicht Ehrgeiz, nicht Gewinnsucht, nicht Berechnung und auch nicht Pflichtgefühl, dass sie antrieb, sondern die Liebe. Es ist wohl schon so, dass die bedingungslose Liebe die stärkste und mächtigste Kraft überhaupt ist.
Wer diese Liebe Gottes in seinem Leben erfahren hat, der kann gar nicht mehr anders, als ihn zurücklieben. Er kann gar nicht mehr anders, als sich auf Gottsuche zu begeben und dies in allen Lebenslagen. Er folgt den Spuren Jesu nicht mehr aus Angst, sondern von Freude und Vernunft geleitet, weil er seine Lehre als klug und lebensfreundlich erkannt hat. Er fragt nicht mehr, was Jesus jetzt an seiner Stelle tun würde, sondern er betet: «Du in mir und ich in dir – führe mich und leite mich.»
Zugegeben, diesen Idealzustand erreichen wir vielleicht in wenigen Momenten unseres Lebens. Wir fallen immer wieder zurück in unsere menschliche Begrenztheit. Aber wir können daran arbeiten, in der Liebe und in der Freude zu wachsen. Auch hier gilt: Übung macht den Meister.»
Zur Autorin: Cäcilia, Jg. 1959, ist pensioniert, Mutter, Grossmutter und Oblatin des Klosters Einsiedeln seit 2010.
