«Sooft etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze Gemeinschaft zusammenrufen und selbst darlegen, worum es geht. Er soll den Rat der Brüder anhören […] Dass aber alle zur Beratung gerufen seien, haben wir deshalb gesagt, weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist. Die Brüder sollen jedoch in aller Demut und Unterordnung ihren Rat geben. Sie sollen nicht anmassend und hartnäckig ihre eigenen Ansichten verteidigen.» (RB 3, 1-4)
Unser verstorbener Papst Franziskus hat dem Thema «Synodalität» in der Kirche zum Durchbruch verholfen, und auch der neue Papst Leo XIV. versprach gleich in seiner Antrittsrede, dass er auf diesem Weg weitergehen möchte. Ich bin darüber sehr froh.
Beim heiligen Benedikt finden wir im dritten Kapitel gute Argumente, warum Synodalität im Zusammenleben wichtig ist. Wir sollen aufeinander hören und auch der Meinung von Minderheiten ein Gewicht geben, um anschliessend eine gute Entscheidung treffen zu können.
Dieser Praxis liegt wohl der feste Glaube zugrunde, dass der Mensch, der sein Herz befragt und mit seinem Gewissen verbunden ist, das Gute und Richtige erkennen kann. Das traute der Papst im synodalen Prozess auch den Frauen zu!
Wer an die hierarchische Grundstruktur der Kirche denkt, braucht wenig Fantasie, um sich vorzustellen, dass die neuen Ideen der Synodalität einiges durcheinanderwirbeln. Für jene, die glauben, die Kirche sei eine unveränderliche Grösse, ist das wohl eine riesige Katastrophe. Wenn sie jedoch bedenken würden, dass die Benediktsregel beinahe schon 1500 Jahre alt ist, dürften alle ganz gelassen bleiben. Die Idee der Synodalität ist keineswegs neu, wie obiger Text eindrücklich beweist. Sogar schon von den ersten Christen, in der Apostelgeschichte, wird berichtet, dass die Apostel keineswegs immer einer Meinung waren und dass sie sich unter der Führung des Heiligen Geistes zusammenfinden mussten, um zu beraten. Diese Überzeugung greift auch das Zweite Vaticanum (1962-1965) auf, indem es unterstreicht, wie wir durch die Taufe zu königlichen, priesterlichen und prophetischen Menschen werden, und dass wir in Entscheidungen in letzter Instanz unser eigenes Gewissen befragen sollen. Dieses ist wie ein innerer Kompass, der in jeden Menschen von Gott eingelegt ist, auch zum Wohle anderer.
Wie gesagt: Das sind keine neuen Ideen, sondern sie sind schon sehr alt und müssen einfach wieder neu kultiviert werden. Die Regel des heiligen Benedikt könnte helfen.
Zur Autorin: Cäcilia, Jg. 1959, ist pensioniert, Mutter, Grossmutter und Oblatin des Klosters Einsiedeln seit 2010.
