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Predigt von P. Mauritius Honegger am 22. Sonntag im Jahreskreis 2026

Liebe Mitchristen, vielleicht kennen Sie den Bibelvers: «Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken» (vgl. Jes 55,8). Er bringt zum Ausdruck, dass es einen Unterschied gibt zwischen den Gedanken Gottes und den Gedanken der Menschen. Diese Lektion musste auch Petrus lernen, wie wir im heutigen Evangelium gehört haben. Jesus kritisiert ihn mit den Worten: «Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen». 

Petrus meinte es ja eigentlich gut. Er wollte seinen Meister vor einer ungerechten Behandlung bewahren, die die Schriftgelehrten und Pharisäer gegen Jesus planten. Aber offensichtlich hat Petrus hier etwas gesagt, was nicht dem Willen Gottes entspricht. Und darauf hat Jesus heftig reagiert. Denn für Jesus war es das Wichtigste im Leben, den Willen Gottes zu erfüllen. 

Wir können das im Evangelium immer wieder feststellen: Einmal fragt Jesus: «Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?» Und er gibt gleich selbst die Antwort: «Wer den Willen meines Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter». (vgl. Mk 3,35). 

Oder als die Jünger ihn bitten: «Herr, lehre uns beten!», gibt er ihnen das Vater-Unser-Gebet: «So sollt ihr beten: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.» «Dein Wille geschehe» – diese Bitte gehört also zum wichtigsten Gebet, das Jesus seine Jünger lehrt. 

Und als sich die Situation für Jesus zuspitzt, kurz bevor er verhaftet wird, geht er in den Garten Getsemani und betet in grosser Anspannung: «Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern der deine!» 

Diese Bibelstellen unterstreichen, dass es für Jesus das Wichtigste im Leben war, den Willen Gottes zu erfüllen. Jesus hatte aber einen entscheidenden Vorteil: Weil er der Sohn Gottes war, weil er so innig mit dem Vater verbunden war, wusste er immer sehr genau, was der Wille Gottes ist. Deshalb reagierte er auch sofort, als Petrus seinen Vorschlag machte: «Du hast nicht im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen». 

Für uns ist das schwieriger. Wir sind ja nicht Jesus. Für uns ist es meistens nicht ohne weiteres klar, was der Wille Gottes ist. Wie schon der anfangs zitierte Bibelvers sagt: «Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken». Ja, wenn das so ist, wenn Gottes Gedanken nicht unsere Gedanken sind, wie sollen wir dann überhaupt herausfinden, was der Wille Gottes ist? 

Meistens wählen wir ja nicht einfach zwischen schwarz und weiss, sondern wir müssen uns zwischen verschiedenen Grautönen entscheiden. Und das ist gar nicht so einfach. Darum ruft uns der Apostel Paulus in der Lesung auf, nach dem Willen Gottes zu forschen: «Lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist!» Wir sollen also prüfen, was der Wille Gottes ist. Aber wie geht das? Was müssen wir tun, um den Willen Gottes zu erkennen? 
Auch um das herauszufinden, kann es helfen, auf die Worte Jesu in der Heiligen Schrift zu achten. Denn im Johannesevangelium äussert sich Jesus einmal ziemlich deutlich darüber, was er unter dem Willen Gottes versteht: «Der Wille meines Vaters ist es, dass ich keinen zugrunde gehen lasse, sondern dass jeder, der an mich glaubt, das ewige Leben hat und ich ihn auferwecke am letzten Tag» (vgl. Joh 6,39-40). Der Wille Gottes ist also ein Heilswille. Gott will, dass keiner zugrunde geht, dass alle gerettet werden. 

Jesus hatte einen entscheidenden Vorteil: Als Sohn Gottes wusste er, was der Wille Gottes ist. Aber er hat diesen Vorteil nicht für sich behalten, sondern er hat sein Wissen über den Willen Gottes mit den Menschen geteilt. Das ist für uns eine grosse Hilfe. Wir müssen nicht bei null beginnen. Denn ohne Hilfe wäre es sehr schwierig, den Willen Gottes zu erkennen: «Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken». 

Wir könnten die Gedanken Gottes nicht erkennen, wenn sie uns nicht mitgeteilt worden wären. Jesus hat sie uns mitgeteilt. Er hat uns erklärt, dass Gott es gut mit uns meint, dass sein Wille ein Heilswille ist, dass er uns das Leben in Fülle schenken möchte. 

Es ist aber nicht so, dass die Sache damit erledigt wäre und wir gar nichts mehr zu tun hätten. Zwar wissen wir nun – dank Jesus Christus –, dass der Wille Gottes grundsätzlich ein Heilswille ist. Aber was heisst das jetzt konkret? Was heisst das für unser Leben, für jede und jeden von uns persönlich? 

Hier beginnt unsere Aufgabe, von der der Apostel Paulus gesprochen hat: Wir sollen prüfen, was der Wille Gottes ist. Immer wieder stehen wir im Leben vor wichtigen Entscheidungen: Soll ich diese Ausbildung beginnen oder jenes Studium machen? Soll ich heiraten oder doch lieber ins Kloster eintreten? Soll ich an meiner Arbeitsstelle bleiben oder eine neue Herausforderung annehmen? 

Immer wieder gibt es in unserem Leben Entscheidungssituationen, bei denen die Alternative nicht einfach schwarz oder weiss ist. Es ist gut zu heiraten und es ist gut ins Kloster einzutreten. Es ist gut eine Bäckerlehre zu machen und es ist gut Physik zu studieren.  

Dank Jesus Christus wissen wir, dass Gott unser Heil will, dass er uns zu einem Leben in Fülle verhelfen will. Aber was dieses Leben in Fülle für uns konkret bedeutet, das ist nicht leicht zu beantworten. Es braucht Zeit zum Nachdenken und zum Beten. Es braucht Gespräche mit wichtigen Vertrauenspersonen. Die Suche nach dem Willen Gottes bleibt eine Lebensaufgabe. 

Für Jesus Christus war es das Wichtigste, den Willen Gottes zu erfüllen. Wenn wir ihm nachfolgen wollen, wenn wir seine Brüder und Schwestern sein wollen, dann geht der Wille Gottes auch uns etwas an. Lassen wir uns auf das Abenteuer ein, in unserem Leben nach dem Willen Gottes zu suchen! 

Gottes Gedanken sind viel besser als unsere Gedanken. Sie übertreffen alles, was wir uns jemals vorstellen könnten. Darum werden wir auch heute wieder beten: «Dein Wille geschehe!» Es ist das Beste, was uns passieren kann. Amen. 
 

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