Kloster Einsiedeln, zur Startseite
Kloster Einsiedeln, zur Startseite

Predigt von P. Markus Steiner am 4. Sonntag im Jahreskreis 2026

Von der «Umwertung aller Werte» spricht der Philosoph Friedrich Nietzsche gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst meint er damit die Entwertung der Ideale der Antike durch die jüdische Religion und durch das Christentum. Exemplarisch finden sich die neuen Werte in den heutigen Lesungen dargestellt. 

Schon bei Zephanja muss das Volk arm und demütig werden, um zu überleben. Und Jesus preist die Armen selig, nicht die Reichen, die Sanftmütigen, nicht jene, die sich wehren, die Hungrigen und Durstigen, nicht die Satten, die Barmherzigen, nicht jene, die sich rächen, jene die rein sind im Herzen, nicht jene, die sich ins gute Licht stellen, die Friedensstifter, nicht die Sieger, die Verfolgten, nicht die Verfolger.

Nietzsche unterzieht diese Werte einer radikalen Kritik. Nach seiner Meinung führen sie zur Unterdrückung jeder Lebensfreude, zu einer «Sklaven-Moral», zur Bevorzugung der Schwachen und Kranken gegenüber den Starken und Gesunden, zur Einschränkung der Freiheit des Geistes. Er fordert darum eine erneute «Umwertung aller Werte». Zentral wäre für ihn dabei «der Wille zur Macht». Damit diese Umwertung sich durchsetzen kann, braucht es Führergestalten, die sie selber verwirklichen und den andern vorangehen.

Was Nietzsche schreibt, liest sich wie eine Interpretation dessen, was wir heute in den verschiedensten Teilen der Welt erleben. Eine Weltordnung geht zu Ende, so hat es der kanadische Ministerpräsident ausgedrückt. Weitherum zeigt sich ganz offen «der Wille zur Macht». Die Folgen sind verheerend. Besonders schlimm ist es, wenn auch noch Vertreter der Religion dieses Machtstreben unterstützen. Immerhin: Die amerikanischen Bischöfe haben ein offenes Wort gegen gewisse Praktiken ihrer Regierung gewagt.

Was können in dieser Situation wir tun?  Wir sollten versuchen, in unserem persönlichen Bereich die Werte der Bergpredigt zu leben, so gut wir es können, besonders den Verzicht auf Macht zu unserem eigenen Vorteil. Und wir sollten versuchen, Einfluss zu nehmen auf die Politik in unserem Land. Denn Ansätze zu einer «Umwertung der Werte» gibt es auch bei uns.
 

Servicenavigation