Am 20. Juli 2025 begingen wir Einsiedler Benediktiner zusammen mit vielen Pilgern aus nah und fern die äussere Feier des Hochfests Unserer Lieben Frau von Einsiedeln. Im Rahmen des feierlichen Pontifikalamtes legte Br. Benno Maria Bonder seine feierliche Mönchsprofess ab. Dabei hielt P. Gerhard Stoll folgende Predigt:
Lieber Mitbruder Benno Maria, liebe Angehörige, liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Ja, was ist ein Mönch? Mönche sind, sollen sein, eifrige Gottsucher; und diese Tätigkeit, diese Lebenshaltung erfordert bekanntlich von uns grössere Anstrengungen. Stellen Sie sich mal bitte folgende Situation vor – davon berichtet eine Erzählung bei den Altvätern, das waren Mönche des 4./5. Jh.: 2 Mönche/Einsiedler hatten sich bei der Beerensuche im Wald verirrt. Da hilft keine lange Diskussion, da hilft nur: sofort einen möglichen Ausweg zu wagen und ihn dann gemeinsam zu gehen. Im Neuen Testament schon werden die Christen als Anhänger des Weges, des Neuen Weges, bezeichnet. Sie warten nicht lange, sondern sie machen sich auf den Weg, um das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden. Sie spürten: es kommt in unserem Leben unbedingt darauf an, dass der bei den Menschen ankommt, auf den es im Leben wirklich ankommt. Und wenn wir Christen an Weg denken, denken wir fast automatisch an den Kreuzweg Jesu. Und so trat alsbald das Kreuz in’s Zentrum der Verkündigung.
Das Kreuz wird auch in Deinem weiteren Leben, lieber Benno Maria, eine prägende Rolle spielen. Du hast Dir als Professspruch ein Wort gewählt aus den Hochgebeten der Heiligen Messe: «Mache mich zu einer Opfergabe, die Dir wohlgefällt». Bei einer Priesterweihe werden dem Kandidaten Kelch und Brotschale überreicht und dabei die Worte gesprochen: «.… stelle Dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes». Beide Worte sind ein hoher Anspruch, wir empfehlen Dir dabei in Zukunft immer wieder mit Teresia von Avila, einer Ordensfrau des 16. Jh. zu beten: «Herr, nicht um ein leichteres Kreuz bitte ich Dich, sondern um stärkere Schultern, damit ich mein Kreuz besser tragen kann». Der hl. Johannes Bosco kann Dir da auch zum Vorbild werden, ein Heiliger des vorletzten Jahrhunderts. Von ihm wird folgende Begebenheit berichtet; er führte bekanntlich eine Art Waisenhaus für die Strassenjungen von Turin, seine Mutter führte ihm den Haushalt und pflegte ihm den Pfarrgarten. (Und) Wieder einmal hatten die Jungs ihm beim Fussballspielen sämtliche Gemüsebeete zertrampelt – jetzt wollte seine Mutter ihm kündigen und stand schon mit 2 gepackten Koffern im Pfarrbüro. Don Bosco schaute seine Mutter nur fragend an und deutete dabei auf das grosse Wandkreuz: «Aber, Mama, Sieh doch nur auf Ihn» …. Seine Mutter überlegte nur ganz kurz, packte ihre Koffer wieder aus und ging nach ein paar Minuten wieder an die gewohnte Arbeit.
Lieber Benno Maria, liebe Schwestern und Brüder, die Regel unseres Hl. Ordensvaters Benedikt mahnt uns, jeden Neu-eintreten-Wollenden zu prüfen, wes Geistes Kind er ist – oder im Falle eines priesterlichen Bewerbers: «Freund, wozu bist Du gekommen»? Nun, ich könnte mir durchaus vorstellen, unser künftiger Mitbruder würde heute antworten: Ich will Gottsucher werden, ich will das Kreuz verstehen lernen. Für mich soll fortan gelten: Nicht ich trage das Kreuz, Christus das Joch des Herrn, sein Kreuz trägt mich. Auch das häufige Beten soll mir nie zur Last werden, sondern das tägliche Gebet trägt mich!
Nachher wird Dir, lieber Benno, Deine Kukulle überreicht, das eigentliche Gewand unserer Gemeinschaft. In den 3 Jahren Deiner Zeitlichen Profess hast Du Dir die Fähigkeiten eines Schneiders angeeignet und Du weisst selbst, Schneiderei ist mehr als nur abgerissene Knöpfe wieder anzunähen. Diese Kukulle ist Dein Gesellenstück, von Dir angefertigt! Der Heilige Benedikt legt in seiner Klosterregel grössten Wert darauf, dass die mönchische Kleidung immer passend ist. So eine Kukulle zu schneidern ist ein Dienst an der Gemeinschaft – ein geistliches und handwerkliches Kunstwerk. Als Mitarbeiter in der Sakristei und bei der Sakristanenausbildung oder als Krankenbruder bist Du ein wichtiger Mann für unser Kloster geworden oder sagen wir besser, Du bist zu einem echten Benediktiner herangereift. In der Taufe hat Gott dich einst als geliebten Sohn angenommen und Dir Anteil am allgemeinen Priestertum gegeben. Heute spricht er wohl wieder zu Dir: Du stehst immer noch in meinem Wohlgefallen – wage es zu wagen, weiterhin in meinem Wohlgefallen zu bleiben: Sei eine wohlgefällige Opfergabe!
Und nun, lieber Benno Maria, tritt ein in die Klostergemeinschaft Unserer Lieben Frau zu Einsiedeln. Unsere Liebe Frau sollst Du fortan Meine Liebe Frau nennen, meine Mutter, meine Lebensbegleiterin, meine Fürsprecherin. Und ganz zum Schluss meiner Predigt, lieber Benno Maria ein frommer Wunsch: Dass Du am Tag Deiner Goldenen Profess 2072 sagen kannst: Ich habe bis heute noch keinen einzigen Tag meines Entschlusses bereut, Gottsucher zu werden.
