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Predigt von P. Gerhard Stoll am Vierzehnten Sonntag im Jahreskreis 2026

In der kommenden Woche beginnen die Sommerferien, eine Zeit der Ruhe, der Erholung und der Entspannung bricht da an für hoffentlich viele von uns. Ruhe wird immer dann begehrt, wenn man im Stress steht, wenn man immer nur die Wünsche anderer erfüllen muss. Ruhe wird auch dann begehrt, wenn anlaufend Änderungen, Neuerungen und Reformen uns aus dem gewohnten Alltagstrott herausreissen.

Das Verlangen nach Ruhe und Sicherheit – das ist wohl einer der stärksten Wünsche, der – oft unbemerkt – in uns Menschen steckt. Und es hat auch in der Geschichte immer wieder Menschen gegeben, die uns versprochen haben, wir können für Ruhe und Ordnung sorgen. Auch in der Kirche gibt es in den letzten Jahrzehnten Bewegungen und Gruppen, die uns endlich Ruhe versprechen, sie sagen: wir müssen uns nicht laufend ändern und neu besinnen, wir wollen lieber am Alten und Uralten festhalten – nur so kann die Kirche wieder ein Ort der Ruhe und Neubesinnung werden.

Meine Lieben, das heutige Evangelium ist ein sehr wohltuendes Evangelium, denn ausnahmsweise wird da mal nicht berichtet, was Jesus an Wundern geleistet hat, die wir nachahmen sollen. Da stehen heute auch keine Gebote. Da klagt Jesus auch nicht über so manche schlechten Zeitgenossen, sondern: da betet Jesus; er bedankt sich bei seinem Vater, dass er seine Frohbotschaft gerade zu den geringen und Leidgeplagten gesprochen hat. Und nach seinem Gebet, da lädt Jesus die Leute ein: Kommt alle zu mir, ich will Euch erquicken und Ruhe verschaffen, denn mein Joch und meine Last sind leicht. Jesus hätte auch sagen können: Bemüht Ihr Euch nicht mit aller Gewalt, die Welt ändern zu wollen. Sorgt Euch nicht sosehr darum, wie Ihr Euren Wohlstand absichern könnt. Nehmt doch einfach meine Gebote ernster und überlasst auch mir ein bisschen Arbeit. Ich werde schon für Euch sorgen – dann zieht auch wieder Ruhe in Eure Herzen und in die Kirche ein.

Dieses Evangelium - es will für uns sein eine echte Hilfe zur Lebensbewältigung, kein Aufruf, dass wir unsere Hände in den Schoss legen und leben wie im Schlaraffenland. Jesus will uns vielmehr Mut machen, dass wir die Lasten unseres Lebens besser tragen können, weil sie nun mal getragen werden müssen.

Liebe Schwestern und Brüder, Ruhe und Geborgenheit in Gott wünsche ich uns allen für die kommende Zeit der Ferien und danach – und die Erfahrung, wie sie ein frommer Mann in der folgenden Geschichte gemacht hat: Er war gerade gestorben und träumte sein Leben nochmals als eine Wüstenwanderung mit Jesus. Von einem höheren Berg aus betrachtete er dabei seine Fussspuren im Wüstensand und ihm fiel auf, fast immer liefen zwei Fussspuren nebeneinander her – seine und die von Jesus. Aber da, wo er Lebenskrisen durchmachte, wo er aufgeben wollte – da sah er nur eine Spur im Sand.  Da sagte er zu Jesus, der neben ihm stand: Sonderbar, gerade in den schweren Stunden meines Lebens hast Du mich alleine gelassen. Aber Jesus lächelte nur gütig und sagte: Du hast recht: an den gefährlichen Stellen Deines Lebens sieht man nur eine Spur – die von mir – da habe ich Dich auf meinen Armen getragen.

Meine Lieben, Jesus sagt uns: ich bin die tragende Kraft auf Eurem oft schweren Lebensweg – und jetzt lädt er uns ein: Tut dies zu meinem Gedächtnis, lasst Euch von mir erquicken und erneuern – hier bin ich ganz für euch da!
 

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