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Predigt von P. Gerhard Stoll am Fest Taufe des Herrn 2026

Es ist heutzutage keine besondere Sache mehr, wenn grosse Schiffe mit Sekt auf einen bestimmten Namen getauft werden. Auch wenn in einem Zoo ein Panda-Baby mit Rotwein auf irgendeinen Namen getauft wird, beeindruckt das niemanden besonders. Sogar Fastnachtspuppen werden in manchen Gegenden in aller Öffentlichkeit am Schmutzigen Donnerstag getauft und am Aschermittwoch dann unter Anteilnahme einer schwarzgekleideten Trauergemeinde offiziell begraben. Es hätte nun wenig Wert, sich darüber aufzuregen, dass bei solch albernem Getue schon wieder ein eindeutig religiöser Begriff für völlig weltliche Dinge missbraucht wird – es ist eben eine Sache des religiösen Fingerspitzengefühls, ob man religiöse Rituale, die jahrhundertelang Menschen vorbehalten waren, ob man die so einfach auf Tiere oder Gegenstände übertragen kann.                       

Im heutigen Evangelium ist zunächst einmal auffällig, dass sich Jesus erst im Alter von ca. 29 Jahren taufen liess. Gewiss, es war nicht eine Taufe im heutigen Sinne. Es war die Busstaufe Joh des Täufers, und Jesus hatte eine Busse bestimmt nicht nötig. Aber immerhin unterzog er sich einer öffentlichen Handlung, die unserer Taufe ähnlich war. Nun hat man zu allen Zeiten sich in der Kirche schon Gedanken darüber gemacht, warum liess sich Jesus überhaupt taufen? Fromme Seelen meinen ja, Jesus habe schon in der Krippe gewusst, dass er der Sohn Gottes sei. Und schon als Kind in Nazareth habe er alle Stationen seines Lebens bis hin zu seinem Tod vorausgewusst. Es gibt da Bilder, die zeigen Jesus in der Krippe liegend mit einem Kreuz in der Hand. So etwas wäre allerdings ein furchtbarer Gedanke, das hiesse ja, sein Vater sei ein unmenschlicher Gott und habe ihm keinen freien Willen mehr gelassen.

Also, ich glaube, Jesus war schon von Anfang an der Sohn Gottes – er war ganz Gott und ganz Mensch, wie es das kirchliche Dogma lehrt – aber in Jesus ist erst im Laufe der Jahre das Bewusstsein herangereift, wer er ist und was sein Auftrag ist. Im verborgenen Leben in Nazareth ist ihm wohl bewusst geworden, dass es mit seinem Leben etwas Besonderes auf sich hat. Aber er wartete auf ein Zeichen, dass es an der Zeit sei, mit seiner Sendung zu beginnen und an die Öffentlichkeit zu treten. Und da trat Johannes der Täufer am Jordan auf, eine religiöse Erneuerungsbewegung ging durchs ganze Land. Und was lag da näher für Jesus, als an den Jordan zu gehen?   Er, der Menschensohn, wollte sich mit den umkehrwilligen Menschen am Jordan solidarisieren.

Vielleicht ist die Frage, warum Jesus sich taufen liess, gar nicht so wichtig. Der Kernsatz des heutigen Evangeliums ist doch wohl die Stimme vom Himmel: Du bist mein geliebter Sohn – an dir habe ich Gefallen gefunden. Für Jesus waren die Würfel über sein weiteres Leben hier gefallen!

Der Nachsatz: Du bist mein geliebter Sohn – an Dir habe ich Gefallen gefunden – ist für den schriftkundigen Jesus ein unüberhörbarer Hinweis auf den Propheten Jesaja, von dem wir einen Abschnitt in der Lesung hörten: er spricht dort vom Gottesknecht, auf dem der Geist Gottes ruht – der aber viel leiden muss und von den Menschen verworfen wird.  Nun war es für Jesus sicher: Ich bin dieser verheissene Gottesknecht und der Geliebte Sohn Gottes.

Auch zu uns hat Gott in der Taufe gesagt: Du bist mein Geliebter Sohn – Du bist meine Geliebte Tochter. Da bräuchte es nun unbedingt Menschen und Ereignisse, die uns wachrütteln und Mut machen zum Aufbruch.  Das heutige Fest der Taufe Jesu ruft uns jedenfalls auf, dass wir uns auf unsere eigene Taufe besinnen. Papst Leo der Grosse hat uns dazu schon zu Beginn des 5. Christlichen Jahrhunderts in seiner Weihnachtspredigt gesagt: Christ, erkenne Deine Würde – Durch die Taufe wurdest du ein Tempel des Heiligen Geistes – Lebe nicht mehr unter Deiner Würde. AMEN.
 

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