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Predigt von P. Gerhard Stoll am 33. Sonntag im Jahreskreis 2025

Liebe Schwestern und Brüder in Christus – ein Mann wird von Freunden in’s Spital gebracht. Ihm ist ganz übel und er krümmt sich vor Bauchschmerzen. Da fragen die Ärzte seine Begleiter: Was hat der gute Mann denn heute gegessen? Nun ja, antworten die Freunde, er hat bestimmt ein bisschen zu viel getrunken und gegessen bei unserer Feier heute. Er konnte den vielen Leckerbissen und Getränken einfach nicht widerstehen. Da wurde der Arzt nachdenklich und sagte mit fachmännischem Gesicht zur Krankenschwester: Bringen Sie mir doch bitte mal die Flasche mit den Augentropfen! – Da fragte der Kranke erstaunt: Ich quäle mich hier mit meinen Bauchschmerzen und Sie wollen mir Medizin für meine Augen geben? Wo haben Sie denn Medizin studiert – was haben denn Bauchschmerzen mit Augentropfen zu tun?  Da erwiderte der behandelnde Arzt: Ich wollte nur dafür Sorge tragen, dass Sie in Zukunft besser sehen und nicht mehr zu viel essen und trinken. Es scheint mir in Ihrem Fall wichtiger, die Augen zu heilen, anstatt den Magen. – Vorbeugen ist eben besser als heilen!

Umweltverschmutzung, Überschwemmungen, Hungersnöte, Seuchen, Kriege, Terroranschläge – das sind alles Ereignisse, die uns beschäftigen, von denen wir in Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen und Internet informiert werden. – Unsere Welt scheint krank zu sein, augenkrank – oder vielleicht auch schon herzkrank?  Eine noch grössere Bedrohung für die gesamte Menschheit können die Kernenergie werden und der Rüstungswettlauf oder die durch unser Fehlverhalten verursachten Klimaveränderungen – all diese Dinge lassen die Zukunft der Welt und der Menschheit in einem düsteren Licht erscheinen. Zu erwähnen wäre wohl auch noch eine wachsende Rücksichtslosigkeit und das Abschieben der persönlichen Verantwortung auf andere, auf die Einrichtungen des Staates und der Kirche. Der Patient Erde leidet – da muss etwas geschehen – wer kann ihm helfen? Sie spüren, in vielem unterscheidet sich die Situation heute gar nicht so sehr von der, wie sie im heutigen Evangelium geschildert wird. Nicht Wenige fragen sich ja heute zurecht: Sind die derzeitigen Missstände und Katastrophen nicht alles Anzeichen für eine nahende Endzeit? Wofür sollen wir uns da überhaupt noch anstrengen? Wir können die kommenden Katastrophen ja doch nicht verhindern – und wenn wir weiterhin so weiterleben, werden wir bald nicht mehr weiterleben!

Genau in dieser Phase der Zeitkrankheit, die da heisst Resignation und Niedergeschlagenheit, will uns Jesus im heutigen Evangelium Trost und Hoffnung zusprechen, wenn er sagt: Wenn Ihr standhaft bleibt, werdet Ihr das Leben gewinnen.  Seid standhaft, das könnte heissen: steht das Leben durch, ohne zu verzweifeln, lebt in der Gegenwart und für die Zukunft; seid nicht untätig, sondern versucht, die anstehenden Probleme im Glauben anzugehen – dann werdet Ihr das Leben gewinnen.

Ich meine, ein gläubiger Christ kann im Blick auf Jesu Leben, im Blick auf sein Sterben und seine Auferstehung wirklich hoffen und er darf und muss in dieser scheinbar kaputten Welt Liebe, Geborgenheit und Hoffnung verbreiten und ausstrahlen. Dieser Tage habe ich in einer kirchlichen Wochenzeitschrift den Satz gelesen: die modernen Christen leben nur noch für die nahe Zukunft, aber nicht mehr für die Ewigkeit. Sind sie hierbei augenkrank – oder vielleicht schon herzkrank?

Schauen Sie, das wäre die Lösung: wir lernen weiter zu blicken, nicht von der Hand in den Mund zu leben. Bei all unseren Handlungen gilt es, auf Jesus zu vertrauen – er hat uns kein Schlaraffenland verheissen, sondern Ewiges Leben im Reich Gottes – und wir dürfen daran heute schon mitbauen.   Für uns gilt dabei: Wir brauchen neue Augen, eine neue Sichtweise für die Welt – wir brauchen die Augen Jesu. Selbst der kleinste und unscheinbarste Dienst kann zu einem Einsatz für die Ewigkeit werden – jede gute Tat kann zu einem Baustein für unsere himmlischen Wohnungen werden!

Feiern wir jetzt Eucharistie, feiern wir das Geheimnis unseres Glaubens – bis Er kommt in Herrlichkeit.  Feiern wir seine Gegenwart mitten unter uns – feiern wir die Verheissung des Ewigen Lebens! Amen.

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