Liebe Brüder und Schwestern im Glauben!
Die Netze sind leer! Welch ernüchternde Erfahrung, wenn die Fischer eine ganze Nacht lang ihre Netze unermüdlich ausgeworfen und wieder eingezogen haben, um bloss festzustellen, dass sich alle Anstrengung und Mühe nicht gelohnt haben.
Diese Erfahrung der Fischer, der Jünger Jesu ist uns nicht fremd. Wo und wie wir auch leben, was wir auch arbeiten, wir kennen das: da mühen wir uns ab, wir setzen uns ein, wir bereiten uns gründlich vor, wir ziehen etwas diszipliniert durch, wir geben unser Bestes, wir versuchen es wieder, wie wollen es doch – aber es schaut nichts dabei heraus; unsere Erwartungen und Hoffnungen werden nicht erfüllt – um es mit der Sprache des heutigen Evangeliums zu sagen: unsere Netze bleiben leer. Wir fühlen uns erschöpft. Und wir fragen uns frustriert: Wofür das alles? Enttäuschung kann sich in Wut verwandeln, Wut in Traurigkeit, Traurigkeit in Resignation – Leere.
Und dann kommt so ein Typ daher – wohlverstanden, die Jünger erkennen Jesus anfänglich nicht – der am Ufer steht und zuruft: «Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden» (Joh 21,6). Haben sie richtig gehört? Was glaubt der eigentlich, wer er ist? Jetzt, in den frühen Morgenstunden, da sie todmüde sind, sollten sie nochmals ihr Netz auswerfen? Nach all der vergeblichen Mühe? Solche Fragen könnten die Jünger in sich gehört haben. Wir hätten vollstes Verständnis!
Jesus, besser, der auferstandene CHRISTUS, begegnet uns heute nicht mehr so wie damals seinen Jüngern am Ufer des Sees. Aber er begegnet uns! Auf vielfältige Weise. Es braucht unsere Offenheit und Demut, um ihm begegnen zu können. Nicht selten begegnet er uns tief in uns selbst. Eine ruhige, klare Stimme, die aus dem Seelengrund aufsteigt, Frieden verströmt und uns liebevoll aufrichtet, weise anleitet und stärkend ermutigt: Wir nennen diese Stimme auch Intuition. Es ist eine Stimme, die uns zuruft: lass das ständige «machen wollen» und «tun müssen» hinter dir und wende dich dem «hören können» zu.
153 Fische fangen die Jünger schliesslich, da sie Jesus ihr Vertrauen schenken. So viele Fischarten waren damals dort bekannt. Die Zahl bedeutet somit «Fülle des Lebens». Aber vor lauter «machen», «wollen» und «tun» verlieren wir uns in Dingen, die uns nicht erfüllen! Kein Wunder, wenn wir uns mit der Zeit leer fühlen. Deshalb: wir müssen wieder anfangen zu hören! Auf Gottes Stimme, die uns auf vielfältige Weise zuruft. Und dann hinhören, wie es unsere Herzen berührt, wie unsere Seelen in Bewegung versetzt werden, damit wir einen Richtungswechsel vornehmen. Gott will nicht, dass wir andere kopieren oder eine Rolle spielen, die uns auslaugt und erschöpft. Die Fülle der 153 Fische wartet auf uns, wo wir den Mut haben, so zu sein, wie Gott uns gedacht hat – als Originale mit Ecken, Kanten und grosser Leidenschaft für das Leben.
Und es geht weiter. Am Ufer brennt ein Feuer, darauf Brote und Fische liegend. Jesus lädt die Jünger ein: «Kommt her und esst» (Joh 21, 12). Jesus, besser, der auferstandene CHRISTUS, begegnet uns dort, wo Menschen miteinander und füreinander das Leben teilen, von ihrem Hunger und von ihrem Durst, von ihrer Sehnsucht und von ihrer Hoffnung erzählen. Jesus lädt die Jünger zum Picknick am See ein. Sie sollen bei ihm verweilen, sprich, ruhen und sein dürfen.
Was passiert wohl, wenn Menschen zueinander finden, einander auf Augenhöhe begegnen, miteinander essen und trinken: das Leben kommt zur Sprache. Das Mahl und das Leben werden geteilt. Das hat Jesus immer wieder getan, wie kein anderer! Und alles darf zur Sprache kommen, in einem Raum des Vertrauens wagen sich die Seelen zu öffnen, jeder hört dem anderen zu, ohne etwas zu bewerten oder gar zu verurteilen; da erwacht die Lebendigkeit, Visionen werden ausgesprochen, Pläne geschmiedet und konkrete Schritte vereinbart. Das weckt die Hoffnung auf und zuversichtliche Freude macht sich breit, Mut zum Weitergehen, für den Richtungswechsel, für den Neubeginn, wo vorher Frustration und Resignation den Platz beanspruchten. Die Jünger werden aufgetaut sein. Und Jesus wird das getan haben, was er immer getan hat: aufrichten, ermutigen, seine Treue bekräftigen: «Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende» (Mt 28, 20).
Verlieren wir keine kostbare Lebenszeit, da wir fixiert in leere Netze starren! Verlieren wir keine kostbare Lebenszeit, da wir uns zu oft der Nachrichtenflut der Medien zuwenden, dann über die schlechte Welt klagen, die Schuldigen suchen und dabei destruktive Gedanken und Emotionen anhäufen. Wir ändern damit kein einziges Krisengebiet dieser Welt. Wie lange wollen wir weiterhin auf die Stimmen der Menschen hören, die nichts anderes tun, als die Wahrheit zu verdrehen und zu manipulieren, um ihre Macht zu festigen? Wollen wir nicht vielmehr auf die Stimmen hören, die uns aufrichten, ermutigen und das Vertrauen festigen? Wollen wir uns nicht vielmehr all dem zuwenden, all dem Schönen, dem Guten und dem Wahren, die in uns spürbar den Frieden und die Liebe wachküssen? Das hat nichts mit dem Verdrängen der elenden Realität zu tun! Das ist ein Richtungswechsel! Wir fokussieren uns auf das, was dem Leben dient!
Und welche Stimme könnte vertrauenswürdiger sein als die Stimme unseres auferstandenen Herrn Jesus CHRISTUS?
Liebe Mitchristen! Liebe Mitmenschen! An welchem «Ufer» eures Lebens steht ihr gerade mit einem leeren Netz? Seid ihr bereit, die Seiten zu wechseln, weil eine leise, aber klare Stimme in eurem Herzen es euch zuflüstert? Schon lange? Vielleicht wartet das Frühstück mit dem Auferstandenen schon längst auf euch. Er steht am Ufer eures Alltags, hat das Feuer schon entfacht und sagt ganz einfach: Kommt her und esst. Er sagt es uns heute, jedem von uns: Komm zu dir. Komme zu mir – und verweile.
Amen.
