Liebe Schwestern und Brüder!
Durch die Tür eines Wandschrankes gelangen vier Jugendliche in eine ganz andere Welt. Die Tür dieses Schrankes wird Ihnen zum Übergang, zum Übertritt aus dem vom Zweiten Weltkrieg geprägten London hinaus in eine Fantasiewelt. Die Tür, die sie durchschreiten, führt nach Narnia. So beschreibt es C. S. Lewis. Eine Tür als Übergang in ein anderes Leben. Die Tür des Wandschranks als Schwelle zwischen zwei Welten. Wie Türen es stets sind. Sie sind Übergang: Übergang von draußen nach drinnen: Bei Ihnen zu Hause die Haustür/ Wohnungstür, die sie jetzt hoffentlich abgeschlossen haben, Schwelle zwischen Öffentlichkeit hin ins Private.
Eine geschlossene Tür verwehrt den Zugang. Eine offene Tür ist eine Einladung. Die Einladung, hindurchzugehen. Hindurchgehen mit der Bereitschaft, etwas zu entdecken, das jenseits der Schwelle liegt. Hindurchstreiten braucht meine Entscheidung. Ich muss es wollen.
Als dies schwingt im Begriff „Tür“ mit. Das greift Johannes der Evangelist im eben gehörten Abschnitt auf. Er bezieht dies alles auf Jesus Christus. Die Tür ist Jesus Christus.
Und hinter dieser Tür? Nicht eine Fantasiewelt, ein anderer Ort. Hinter dieser Tür: Leben. Leben in Fülle, wie der Evangelist sagt. Volles Leben.
Vielleicht genau das, wonach ich mich im Alltag so sehr sehne: ein Leben, in dem meine Sehnsucht nicht leerläuft, ein Leben, in dem nichts Entscheidendes offen bleibt, ein Leben, in dem meine tiefsten Fragen nicht überhört werden, ein Leben, das ich nicht mehr verlassen muss. Ein Leben jenseits von Einschränkungen.
Die Tür dazu ist Jesus Christus. Jesus Christus, in dem sich Gott zeigt. Gott stellt sich uns in Jesus Christus vor als offenstehende Tür. Als jemand, der einlädt, hindurchzugehen. Als jemand, der einlädt, sich einzulassen.
Sich einzulassen auf den, der mich kennt. Denn so sagt es Johannes: Er ruft mich beim Namen. Unvorstellbar. Unter mehr als acht Milliarden Menschen kennt Gott meinen Namen. Für mich ist das wirklich faszinierend. Schon den Namen eines Menschen zu behalten, der eben mit mir gesprochen hat, fällt mir oft schwer. Und Gott kennt meinen Namen.
Gott kennt mich. Und er ruft mich – in Jesus Christus. Er ruft mich, in dem, worin ich im immer wieder begegne: im Wort der Heiligen Schrift, das wir gerade gehört haben, und gleich als Gastgeber am Tisch des Lebens. Als Gastgeber, der sich mir schenkt. Als Brot, das mich nährt. Nährt zu einem Leben, das keinen Hunger mehr kennt. Zu einem Leben, das erfüllt.
Gott kennt mich und ruft mich, ruft mich, die offene Tür zu durchschreiten. Zu durchschreiten durch mein Vertrauen zu Jesus Christus. Immer dann, wenn ich mich einlasse auf ihn. Wenn ich mit ihm mein Leben teile. Mit ihm bespreche, was mich bewegt. Immer dann durchschreite ich die Tür zum Leben: Jesus Christus.
„Hier ist nichts anderes als die Pforte des Himmels“ (Gen 28,17) ruft Jakob erstaunt aus im Traum der Jakobsleiter. Hier ist sie, diese Tür zum Himmel. Im Wort und Brot der Eucharistie: Jesus Christus, die weit offenstehende Tür zum Leben.
Amen.
