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Predigt von Nov. Carsten Rupp am 18. Sonntag im Jahreskreis 2025

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Traum eines sorgenfreien Lebens – wer kennt ihn nicht? Ein Leben ohne jegliche Sorge. Oder mindestens ohne die Sorge, um das Materielle. Ohne Sorge darum, arbeiten zu müssen oder Arbeit zu behalten. Ohne die Sorge, ob die Arbeit bleibt, ob das Geld reicht, ob wir bestehen können. Ein Leben, in dem wir uns ganz dem Leben selbst hingeben können.

Auch der Reiche im Evangelium träumt davon. Seine Felder haben überreich getragen – mehr, als er für den Moment braucht. Und nun, da das sorgenfreie Leben zum Greifen nah scheint, beginnt er sich zu sorgen. Nicht um das Leben, sondern um den Reichtum. Er baut größere Scheunen, um alles zu lagern. Er sorgt sich um das Mittel zum Zweck – und verliert dabei das Ziel aus dem Blick: das Leben selbst.

Ein sorgenfreies Leben – gibt es das überhaupt? 

Die meisten von uns kennen Sorgen. Große und Kleine. Und doch: Es gab eine Zeit, in der wir wirklich sorgenfrei leben konnten. Eine Zeit, in der wir einfach da sein durften, ohne Fragen wie: Woher kommt das Essen? Was soll ich anziehen? Wovon leben? Diese Zeit war unsere Kindheit. Als Kleinkinder – hoffentlich für die meisten von uns – waren wir umsorgt von unseren Eltern. Wir konnten leben, wachsen, spielen. Einfach Kind sein, Dasein. Ohne Gedanken an Arbeit, Geld oder Zukunft. Weil jemand anderes für uns gesorgt hat.

Ein sorgenfreies Leben braucht Sicherheit. Es braucht jemanden, der das Leben trägt und hält. Aber als Erwachsene? Es gibt Dinge, um die wir uns kümmern müssen. Wir müssen arbeiten. Es braucht eine Altersvorsorge. Es braucht bei Verantwortung für die Familie sich um diese zu kümmern. Und doch bei alldem gilt, es eines nicht aus dem Blick zu verlieren. Das Leben selbst. Das eigene Leben auf Zukunft hin. „Ihr seid mit Christus auferweckt“, ruft uns der Apostel Paulus in der Lesung zu. Das Leben ist uns schon geschenkt. Ein Leben, das Zukunft hat. Es gibt einen, der für uns sorgt: Gott. Er sorgt für unser Leben, wie damals unsere Eltern. In seinem Sohn Jesus Christus. In dem, der für uns gestorben und auferstanden ist. Der uns Leben schenkt – Leben, das Zukunft hat.

Wer sich an Christus hält, lebt aus der Gewissheit: Gott sorgt für mich. Und das ist der tiefste Grund für ein zutiefst sorgenfreies Leben. Nicht, weil es keine Herausforderungen gäbe. Sondern weil wir wissen: Nichts kann uns das Leben nehmen, das Gott uns schenkt.

So können wir unsere Sorge auf das richten, was wirklich zählt: auf Gott. Auf unsere Verbindung zu ihm. Wir dürfen uns an ihm festhalten, das Leben Jesu zum Vorbild nehmen – und selbst Sorge tragen: für andere, um die Beziehung zu Gott. Nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen. Nicht aus Mangel, sondern aus Fülle. Denn: Für mich ist gesorgt. Diese Haltung prägt auch das Leben im Kloster. Der heilige Benedikt schreibt in seiner Regel, dass die Mönche keinen eigenen Besitz haben sollen – nicht, weil Besitz schlecht wäre, sondern weil sie darauf vertrauen dürfen, dass ihnen alles Notwendige vom Abt gegeben wird. Damit sie frei werden für das Wesentliche: für Gott. Ein Leben in dieser Freiheit, in der ich weiß: Für mich ist gesorgt, macht mich frei, für andere zu sorgen.

Amen.
 

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