Nach einer Abtwahl werden Aufgaben im Kloster gewöhnlich neu verteilt. So legt Abt Urban in seiner zweiten Amtszeit ab Sommer auch die Sorge um den klösterlichen Nachwuchs in neue Hände: Während Pater Philipp Steiner das Amt des Novizenmeisters übernimmt, der sich um die Ausbildung der Neulinge im Kloster kümmert, gestaltet Pater Thomas Fässler die neu geschaffene Berufungspastoral, die jungen – und junggebliebenen – Männern helfen möchte, ihre Berufung zu entdecken.
Wir haben beiden je drei Fragen zu ihren neuen Aufgaben gestellt:
Der heilige Benedikt schreibt in seiner Regel, dass einem Klosterinteressenten der Eintritt ins Kloster nicht leicht gewährt werden soll. Weshalb braucht es heute eine Berufungspastoral, die den Weg ins Kloster begleitet, Pater Thomas?
P. Thomas: Herauszufinden, wozu man im Leben berufen ist, ist die Aufgabe von jedem Menschen. Als Verantwortlicher für die Berufungspastoral möchte ich Menschen auf diesem spannenden, aber auch herausfordernden Weg begleiten. Dabei zeige ich auch die Möglichkeit eines Lebens im Kloster auf. Für manche kann das ein Weg sein, ihre oft noch unklare Sehnsucht nach „mehr“ im Leben zu erfüllen. Ich bin überzeugt: Auch heute ruft Gott viele Menschen zu diesem Leben – aber viele kennen diese Möglichkeit gar nicht. Das möchte ich ändern.
Welche Möglichkeiten hat ein Interessent, das Kloster Einsiedeln – oder das Ordensleben ganz allgemein – kennenzulernen?
P. Thomas: Wir möchten verschiedene Angebote schaffen, damit für möglichst viele etwas dabei ist – je nach Typ und auch je nachdem, wo jemand gerade auf seinem Weg steht: Vor einiger Zeit schon haben Pater Philipp und ich ein Buch namens „Himmelsstürmer – Berufungsguide zum Ordensleben“ (Herder 2021) geschrieben; das ist etwas für Leute, die gerne für sich alleine der Frage nach einem Leben im Kloster nachgehen möchten. Wenn man lieber den Austausch mit anderen sucht, kann man als Gast ein paar Tage mit uns mitleben. Und dann gibt es auch Angebote, die „Gleichgesinnte“ miteinander in Kontakt bringen möchten, etwa in Einkehrtagen oder im „Sommerkloster“. Wer es intensiv haben möchte, kann auch eine „Klosterzeit“ machen, in der man mehrere Monate in einem Kloster mitlebt und mitarbeitet.
Hast Du bereits Ideen, die du in deiner neuen Aufgabe als „Vocation Director“ umsetzen möchtest? Gibt es einen Bereich, in welchem Du Dich über Unterstützung freuen würdest?
P. Thomas: Berufungspastoral ist nicht die Sache einer einzigen Person. Es braucht verschiedene Menschen, die helfend zur Seite stehen, wenn jemand nach seiner Berufung sucht – da braucht es Familie und Freunde, aber auch Lehrpersonen beispielsweise. Und es braucht auch Leute im Hintergrund, die den Prozess mit ihrem stillen Gebet begleiten. Für das, was wir als Kloster anbieten könnten, habe ich tatsächlich bereits ein paar Ideen für konkrete Anlässe und Veranstaltungen, die Männer mit Interesse am Klosterleben miteinander und mit uns in Kontakt bringen sollen. Eine solche Idee wäre ein Wochenende, bei dem auch viel Sport im Mittelpunkt stehen soll; dafür aber bin ich bestimmt der Falsche. Wenn also jemand Interesse hätte, den sportlichen Part zu übernehmen, darf er sich gerne bei mir melden: klosterzeit[at]kloster-einsiedeln.ch.
Und Du Pater Philipp, worauf freust Du Dich hinsichtlich Deiner neuen Aufgabe als Novizenmeister am meisten?
P. Philipp: Nachdem ich 12 Jahre Verantwortung für unseren Wallfahrtsort übernehmen durfte und zusammen mit meinen Mitbrüdern und Mitarbeitenden einen lebendigen Ort des Glaubens und der Gastfreundschaft gestalten durfte, freue ich mich auf eine neue Aufgabe. Das Amt des Novizenmeisters ist für mich eine Chance, nach einer Arbeit mit viel Aussenwirkung wieder bewusster einen Weg nach Innen zu gehen. Die Auseinandersetzung mit der Regel des heiligen Benedikt, den Quellen monastischer Spiritualität und der Tradition unseres Klosters hier in Einsiedeln liegen mir sehr am Herzen. Ich freue mich, ab dem 15. August 2026 das, was ich in meiner Berufung als Benediktiner Tag für Tag empfangen darf und als Bereicherung erfahre, an andere weiterzugeben. Und natürlich freue ich mich ganz besonders auf die vielen tollen Menschen, die Gott in Zukunft in unsere Gemeinschaft rufen wird.
Über welche Eigenschaften sollte ein guter Novizenmeister verfügen?
P. Philipp: Der heilige Benedikt schreibt dazu in seiner Mönchsregel: „Ein erfahrener Bruder werde für [die Novizen] bestimmt, der geeignet ist, Menschen zu gewinnen, und der sich mit aller Sorgfalt ihrer annimmt“ (RB 58,6). Offenbar hat Abt Urban den Eindruck, dass ich diesem Jobprofil entspreche. Ich bin 2007 ins Kloster Einsiedeln gekommen, verfüge also schon etwas an Erfahrung im benediktinischen Leben. Ich bin sehr dankbar, Mönch in einer guten Gemeinschaft sein zu dürfen und hoffe, diese Begeisterung neuen Mitbrüdern weitergeben zu können. Und dann möchte ich jene Männer, die Gott in unsere Gemeinschaft ruft, möglichst gut begleiten, so wie es jeder einzelne braucht.
Woran erkennt ein junger – oder auch schon etwas erfahrener – Mann, dass er zu einem Leben im Kloster berufen ist?
P. Philipp: Ich denke, die Sehnsucht ist ein wichtiger Indikator. Wenn man Gott stärker ins Zentrum seines Lebens stellen will, wenn man den Glauben mit Gleichgesinnten teilen möchte und wenn man bereit ist, dafür ein gewisses Wagnis einzugehen, dann sind das gute Hinweise, dass man dem Leben als Mönch zumindest eine Chance geben und eine Berufung ernsthaft prüfen soll. Eine gute Möglichkeit dafür ist ein Gastaufenthalt bei uns im Kloster, der einen realistischen Eindruck vom Leben hinter den Klostermauern bietet – jenseits von Klischees und Vorurteilen. Auch sind Gespräche mit uns Mönchen hilfreich, zum Beispiel mit uns, die wir in der Berufungspastoral tätig sind. Wir Einsiedler Benediktiner sind offen für Menschen, die ihrer Sehnsucht nach einem Leben mit Gott in einer brüderlichen Gemeinschaft nachgehen wollen.
