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In der Kolumne «Meine Benediktsregel» teilen verschiedene Autorinnen und Autoren, die mit unserem Kloster verbunden sind, in kurzen Texten ihre Gedanken darüber, wie sie die Benediktsregel als Inspiration für ihr Leben ausserhalb von Klostermauern zu nutzen versuchen.

Mit wenig zufrieden sein (Benediktsregel 7,49)

Die sechste Stufe der Demut: "Der Mönch ist zufrieden mit dem Allergeringsten und Letzten und hält sich bei allem, was ihm aufgetragen wird, für einen schlechten und unwürdigen Arbeiter." (RB 7,49)

Auch heute habe ich mir für diesen Impuls die Tageslesung vorgenommen. Der 4. Juni ist heuer Fronleichnam. Protestantisch aufgewachsen, konnte ich nichts unter diesem Feiertag vorstellen, als ich an meinen jetzigen katholischen Wohnort zog. Vage brachte ich mit dem Feiertag Appenzeller Trachtenfrauen in Verbindung.

Es ergab sich bald die Gelegenheit, beim Ortspriester nachzufragen. Dieser meinte pragmatisch, wir ehren an diesem Tag besonders den Schöpfer und sein Werk. Da damals der Feiertag auf einen wunderschönen Donnerstag fiel und viele ansässige Kirchgänger in Trachtengewand an der Prozession im Dorf teilnahmen, konnte ich die Anweisung des Pfarrers sehr gut nachvollziehen. Die Ehrfurcht der (meiner Meinung nach mehr und auch weniger) Gläubigen war förmlich zu spüren. Die bunten und aufwändig blumengeschmückten Altäre, der Prozessionsmarsch der Dorfmusik, die einfachen, kleinen Altäre am Strassenrand und der blaue Himmelsbogen über den umgebenden Bergen machten auch mir Eindruck und liessen Demut aufkommen.

Wer sind wir, dass wir uns ein paar Jahrzehnte um diese Natur kümmern dürfen? Die Natur ist nicht unser Werk und wir sind ihrer auch kaum würdig. Vielleicht gerade mal ihrer Pflege. Was uns aufgetragen wird, gelingt mal mehr, mal weniger, auch wenn wir noch so fleissige Arbeiter sind. Vielen Generationen vor uns erging es genauso.

So ist nicht nur der Mönch mit dem Allergeringsten und Letzten zufrieden. Auch wir sollten es sein.

Zur Autorin: Marlies, Berglerin und Bloggerin, Jahrgang 1975, Mutter vier erwachsener Kinder und Oblatin des Klosters Einsiedeln.

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