Am Sonntag, 20. Juli legt in einem festlichen Gottesdienst um 9.30 Uhr Frater Benno Maria Bonder seine Feierliche Profess ab und verspricht damit, sein weiteres Leben als Gottsuchender im Kloster Einsiedeln zu leben. Mit Blick auf diesen grossen Tag haben wir ihm drei Fragen gestellt:
1. Wie würdest Du Menschen erklären, was ein Mönch ist?
Mönche sind Männer, welche sich entschieden haben, ihr Leben ganz Gott zu weihen. Heutzutage wird das benediktinische Mönchstum gerne in folgende drei Worte zusammengefasst: ora et labora et lege, zu Deutsch: Bete, arbeite und lies. Das trifft es ganz gut. Ergänzend dazu könnte man noch sagen, dass all dies in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten geschieht. Das heisst der Mönch ist ein Mann, an den der Ruf Gottes gegangen ist. Dieser Ruf wird erwidert. Die Hauptaufgabe im Kloster besteht darin, ein Gott gefälliges Leben zu führen und das Stundengebet der Kirche stellvertretend für die ganze Welt zu beten. Dies tun die Mönche immer in Gemeinschaft. Man nennt dies Chorgebet. Zwischen den Gebetszeiten wird die Zeit zur Arbeit und zur Lesung (Bibelstudium oder Weiterbildung) genutzt. Je nach Lage und Grösse des Klosters gibt es die unterschiedlichsten Arbeiten, welche die Mönche zwischen den Gebetszeiten verrichten. Zum einen gibt es da die priesterlichen Dienste wie Seelsorge, Beichte hören und Messe feiern, aber auch Arbeit im Garten, Küche, Schule, Bibliothek usw. Der heilige Benedikt, unser Mönchsvater, hat in seiner Regel geschrieben «Ut in omnibus glorificetur Deus - Damit in allem Gott verherrlicht werde», und dies sollte eine Grundeinstellung jedes Mönchs sein bei jeder Tätigkeit, die er verrichtet, ob im Gebet, in der Arbeit oder im Studium.
2. Was macht für Dich das Kloster Einsiedeln aus?
Da fallen mir spontan drei Stichworte ein: Tradition, Wallfahrt, gelebter Glaube.
Das Kloster Einsiedeln, welches im Jahr 934 gegründet wurde, ist bis heute sehr von seiner Geschichte geprägt. Klöster waren schon immer Oasen des Glaubens, in denen eine lebhafte Auseinandersetzung mit dem Glauben stattgefunden hat. Dieser Glaube wird dann von Generation zu Generation weitergegeben. Bis heute legen wir wert auf eine würdige Liturgie, anregende Predigten sowie auf Vermittlung des Glaubens.
Die Wallfahrt, welche viele als erstes mit Einsiedeln verbinden, ist sicherlich ein grosses Geschenk für unser Kloster. Dadurch, dass wir der grösste Marienwallfahrtort der Schweiz sind mit fast einer Millionen Pilgerinnen und Besucher im Jahr, dürfen wir Gastgeber sein für viele Menschen, die hierherkommen und ihre Anliegen der Mutter Gottes vorbringen, Kraft tanken oder einfach mal ein paar Minuten Stille brauchen. Faszinierend sind für mich all die verschiedenen Wallfahrten aus der ganzen Welt. Gerade in diesem Jahr, dem Heiligen Jahr, haben wir viele Pilger aus dem Ausland. Diese bereichern den Wallfahrtsort enorm.
2034, also in 9 Jahren, feiern wird das 1100-jährige Bestehen unseres Klosters. Das heisst dass an diesem Ort seit 1100 Jahren Mönche leben, welche sich täglich zum Gebet treffen, um Gott zu loben sowie ihm die Anliegen der Welt und der Pilger vorzubringen. Hier darf jeder sein, so wie Gott ihn geschaffen hat. Das ist für mich wahrhaft ein Ort des gelebten Glaubens.
3. Weshalb hast Du Dich konkret für diese Gemeinschaft als Deine neue Heimat entschieden?
Ich habe mich nicht für diese Gemeinschaft entschieden, sondern Gott hat mich in diese Gemeinschaft gerufen. Ich habe lediglich diesem Ruf geantwortet. Es gab jedoch verschiedene Gründe, warum ich mir sicher war, dass Gott mich in diese Gemeinschaft gerufen hat. Als erstes war es die herzliche Gemeinschaft, welche mich schon als Gast sehr liebenswürdig aufgenommen hat. Dann hatte ich bei meinem ersten Besuch dieses Gefühl des «Angekommen Sein». Ein Wort des heiligen Augustinus kam mir in den Sinn: «Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir». Durch meinen Namenspatron, den hl. Benno von Einsiedeln, war ich schon als Kind und Jugendlicher auf diesen Ort aufmerksam gemacht worden, habe ihn dann aber mit 28 Jahren zum ersten Mal besucht. Des Weiteren hat mich die Mutter Gottes sehr angezogen. Ich bin seit meiner Kindheit ein grosser Marienverehrer. Diese Hingabe ist in den elf Jahren, in denen ich in Portugal gelebt habe, nochmals stärker geworden.
Ich habe also durch das Gebet und die äusseren Umstände sowie durch die Gemeinschaft der Mönche für mich die Gewissheit erlangt, dass Gott mich an diesem Ort haben will als treuen Diener im Heiligtum seiner Mutter Maria.
