Vor 500 Jahren ist unser Kloster beinahe ausgestorben: Gerade mal noch ein einziger Mönch lebte hier, der 86-jährige Abt Konrad von Hohenrechberg. Dann aber traten die Schwyzer auf den Plan, erbaten sich vom Kloster St. Gallen einen Mönch als Abt für Einsiedeln und setzten diesen hier als Vorsteher der neu zu bildenden Gemeinschaft ein. Diesen entscheidenden Wendepunkt feiern wir dieses Jahr und erinnern uns an die Ereignisse auch mit einer Ausstellung in der Barockbibliothek, die heute Sonntag eröffnet wurde.
Die dabei gezeigten Exponate sind von einzigartiger Bedeutung und zum Teil zum ersten Mal überhaupt für die Öffentlichkeit zugänglich – darunter mehrere prachtvolle Urkunden von Päpsten und Kaiser.
Ein Teil der Ausstellungsstücke illustriert die Vorgeschichte der Ereignisse von 1526, in der sich das Kloster Einsiedeln als Adelskloster präsentiert. Auch der spätere Reformator Huldrych Zwingli kommt dabei in den Blick, der in Ermangelung von Seelsorgern aus den eigenen Reihen des Konvents als „Leutpriester“ für die Bevölkerung im Dorf sowie die Pilgerinnen und Pilger angestellt wurde. Dass er sich dabei auch ausgiebig der Lektüre von Büchern aus der Klosterbibliothek widmete, zeigen seine handschriftlichen Bemerkungen in zwei Büchern, die in der Ausstellung zu sehen sind.
Weitere Objekte stehen in Zusammenhang mit Ludwig Blarer, dem 1526 von den Schwyzern eingesetzten neuen Abt, sowie der weiteren Entwicklung des Klosters unter den nachfolgenden Äbten. Herzstücke bilden hier die originale Einsetzungsurkunde der Schwyzer vom 14. August 1526 sowie die – freilich erst Jahre später erfolgte – Bestätigungen dieses Aktes durch Papst und Kaiser.
Entstanden ist eine äusserst vielfältige und abwechslungsreiche Ausstellung, die viele staunenswerte Einblicke in eine spannende Zeit gewährt, aber auch viel für das Auge bietet – von übergrossen Büchern zum Gebrauch im Gottesdienst über eine farbenprächtige Wappenscheibe bis hin zu eindrücklichen Siegeln und dem Eindruck davon, wie schwer lesbar ein Rechnungsbuch eines Abtes aus dem 16. Jahrhundert sein kann. Die Vergangenheit wird so lebendig. Ein Besuch lohnt sich also.
Die Ausstellung ist ein Jahr lang im Rahmen von Führungen zu sehen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier – und weitere Programmpunkte des Jubiläumsjahres hier.
