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In der Kolumne «Meine Benediktsregel» teilen verschiedene Autorinnen und Autoren, die mit unserem Kloster verbunden sind, in kurzen Texten ihre Gedanken darüber, wie sie die Benediktsregel als Inspiration für ihr Leben ausserhalb von Klostermauern zu nutzen versuchen.

"Die Brüder sollen zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein." (RB 48,1)

„Müssiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein.“ (RB 48,1)

Sich mit der heiligen Lesung beschäftigen

Meine Bibliothek ist für mich ein Rückzugsort, eine persönliche Klosterzelle, in der ich die Stille suche und finde. Die Benediktsregel mahnt: "Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein" (RB 48,1). Inmitten meiner über zweihundert Bücher, von der Heiligen Schrift bis zu den Werken grosser Denker, spüre ich, wie diese Worte lebendig werden.

Jedes Buch ist ein Fenster zu einer anderen Welt, eine Einladung, innezuhalten und über das Wesentliche nachzudenken. Hier, umgeben von den Zeugnissen des Glaubens, der Weisheit und der menschlichen Erfahrung, finde ich die Ruhe, die in der Hektik des Alltags oft verloren geht.

"Suche den Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,15). In meiner Büchersammlung suche ich diesen Frieden, indem ich mich dem Wort Gottes und den Gedanken kluger Menschen öffne. Die Benediktsregel lehrt uns die "lectio divina", das meditative Lesen, als einen Weg, Gott näherzukommen. Ich nehme mir Zeit, die Worte langsam und aufmerksam zu lesen, sie zu meditieren und sie in mein Herz aufzunehmen.

Die Bücher in meinen Regalen sind wie Weggefährten, die mich auf meinem Lebensweg begleiten. Sie spiegeln meine Fragen und Zweifel wider, geben mir Orientierung und eröffnen mir neue Perspektiven. Manchmal finde ich in einem Roman eine tiefere Wahrheit als in einem theologischen Werk, manchmal spricht ein Ratgeber genau zu meiner aktuellen Lebenssituation.

"Dein Wort ist meinem Fuss eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade" (Psalm 119,105). In meiner Bibliothek finde ich dieses Licht, das mir den Weg weist. Ich lasse mich von den Worten inspirieren, von den Geschichten berühren und von den Gedanken herausfordern.

Meine Bücherschatz ist ein Ort der Begegnung mit mir selbst, mit Gott und mit den grossen Fragen des Lebens. Hier finde ich die Stille, die ich brauche, um meine Gedanken zu ordnen, meine Gefühle zu reflektieren und meine Seele zu nähren. Hier finde ich die Inspiration, die ich brauche, um meinen Glauben zu vertiefen und meinen Lebensweg zu gestalten. Hier, in meiner persönlichen Klosterzelle, finde ich den Frieden, den die Welt nicht geben kann.

Joel, Jg. 1993, ist verheiratet, Lokführer und Oblate des Klosters Einsiedeln.

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