«Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen. Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben.» (Benediktsregel, 4, 46-47)
«Der Mensch muss sich mit Ewigem beschäftigen, um aktuell zu sein.» Dieser Satz der französischen Philosophin Simone Weil hat mir sofort eingeleuchtet. Nicht nur meine Gedanken, sondern auch mein Herz ist ins Schwingen geraten, weil da wieder mal jemand etwas in Worte gefasst hat, mit dem ich völlig übereinstimme, was ich aber so nie hätte ausdrücken können.
Wir nähern uns dem 1. November, dem Fest Allerheiligen. Dieses Fest öffnet uns einen Spalt breit die Tür zum Himmel, damit wir von ferne die wunderbare Musik aus dem himmlischen Festsaal hören können. Hier erleben wir wieder mal die Gleichzeitigkeit des «Schon» und «Noch nicht» des Reiches Gottes. Es ist mit Jesus angebrochen, aber seine Vollendung steht noch aus. In dieser Spannung leben wir und das gilt es ein Leben lang auszuhalten. Uns Menschen ist das oftmals zu viel, und wir konzentrieren uns ganz auf das Diesseits. Es gibt schliesslich mehr als genug zu tun, wenn man erfolgreich, geliebt und glücklich sein möchte. Wir kümmern uns um unsere Work-Life-Balance und vergessen die dritte Dimension. Jesus sagt, wir sind zwar «in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt». Es gibt viele Gelegenheiten, die uns immer wieder an diese tiefe Wahrheit erinnern – seien es die Feste im Kirchenjahr, die Messfeier oder auch die Regel des heiligen Benedikt.
Vom Theologen Lothar Zenetti stammt folgender, vielleicht etwas provokativer Text: «Frag 100 Katholiken: Was ist das Wichtigste an der Kirche? Und sie werden dir sagen: Die Messe. Frag 100 Katholiken: Was ist das Wichtigste an der Messe? Und sie werden dir sagen: Die Wandlung. Sag 100 Katholiken: Das Wichtigste an der Kirche ist die Wandlung. Und sie werden sich empört abwenden.» Dies gilt wohl auch für unser Leben. Wir sollen uns durch unsere Erfahrungen und Erkenntnisse stets wandeln lassen.
Und am Ende unseres Lebens erwarten wir dann nochmals eine grosse Transformation. Wir wünschen uns, hineinverwandelt zu werden in den Leib Christi. Dazu müssen wir bereit sein. Warum fangen wir denn nicht schon heute damit an, anstatt uns immer empört abzuwenden, wenn uns das Leben herausfordert und uns damit eine Wandlung ermöglichen möchte?
Zur Autorin: Cäcilia, Jg. 1959, ist pensioniert, Mutter dreier erwachsener Kinder und Oblatin des Klosters Einsiedeln seit 2010.
