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In der Kolumne «Meine Benediktsregel» teilen verschiedene Autorinnen und Autoren, die mit unserem Kloster verbunden sind, in kurzen Texten ihre Gedanken darüber, wie sie die Benediktsregel als Inspiration für ihr Leben ausserhalb von Klostermauern zu nutzen versuchen.

"Damit in allem Gott verherrlicht werde" (Benediktsregel 57,9)

Benediktsregel 57,9: Damit in allem Gott verherrlicht werde.

Eine der wichtigsten Tätigkeiten eines Benediktiners ist ohne Zweifel der tägliche Gottesdienst – bestehend aus dem Rezitieren der Psalmen, der Eucharistiefeier und dem persönlichen Gebet. Allerdings kann man die Spiritualität der Benediktsregel nicht auf das Beten reduzieren. Ein bekannter Spruch, welcher oft als das Motto des benediktinischen Mönchtums bezeichnet wird, lautet: «Ora et labora et lege – bete, arbeite und lies.»

Nicht nur vom Gebet, sondern auch von der Arbeit soll also der monastische Tagesablauf gemäss der Regel durchdrungen sein. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass man die zitierte Stelle («Damit in allem Gott verherrlicht werde»), von der dieser Text handelt, auf den ersten Blick eher mit dem Beten in Verbindung bringen würde. Denn wo, wenn nicht im lobpreisenden Chorgesang der Mönche wird Gott am meisten verherrlicht?

Der Kontext ist jedoch das Kapitel über die Handwerker des Klosters; es geht also um die Arbeit. Ich denke, letztlich ist es vor allem eine innere Haltung, welche den Unterschied macht, ob ich meine Arbeit zur Verherrlichung Gottes verrichte oder nicht. Egal ob es sich um ein Handwerk oder um eine geistige Tätigkeit handelt – jede Arbeit soll so getan werden, dass es nicht nur um meiner selbst willen geschieht, um mich erhalten zu können, sondern zugleich auch immer aus Liebe zu Gott und meinem Nächsten!

Beten, arbeiten, lesen: Der dritte Aspekt der benediktinischen Spiritualität darf nicht vergessen werden. Im Lesen und Betrachten der Heiligen Schrift bzw. anderer geistlicher Texte findet nicht nur Begegnung mit dem göttlichen Wort statt. Es dient vielmehr auch zur Weiterbildung im Glauben. Denn was das Herz vielleicht schon längst erkannt hat, muss sich der Verstand in einem lebenslangen Lernprozess erst mühsam aneignen.

All das – Gebet, Arbeit und Lesung – ist untrennbar miteinander verbunden und steht in gegenseitiger Wechselwirkung. Idealerweise kann ich so im Glauben wachsen und mein ganzes Leben zu einem Lob Gottes werden lassen. Das Christ-Sein in der Tradition des heiligen Benedikt besteht also weniger aus einer «Work-Life-Balance», sondern vielmehr aus einer «Pray-Work-Study-Balance». Dann wird erfüllt, wie es in der Regel geschrieben steht: Damit in allem Gott verherrlicht werde.

Matthias Gatt, 20 Jahre, Student der katholischen Theologie an der Universität Innsbruck.

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