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Die um 1920 entstandene paradiesische Krippendarstellung stammt aus der Einsiedler Werkstatt Payer-Wipplinger.

Blick in die Kunstsammlung - Eine paradiesische Weihnachtsszene

Die Krippenszene, also Maria, Josef und das neugeborene Jesuskind, unter einem blühenden Baum? Diese ungewöhnliche Darstellung in Form einer Gipsskulptur stammt aus dem Einsiedler Bildhaueratelier Payer-Wipplinger. Sie überrascht insofern, als die Geburtsszene Jesu zwar meist in einem einfachen Stall dargestellt ist und die biblischen Quellen auch Hinweise dazu geben, die Szene jedoch meist in einer kargen Landschaft eingebettet ist. Was kommt nun also zum Ausdruck, wenn über dem Stall die Triebe spriessen und die Blüten sich öffnen? Es ist wohl eine heilsgeschichtliche Anspielung auf das Paradies: Die Genesis beschreibt noch die Vertreibung aus dem Paradies, mit der Geburt Christi wird nun aber die Erlösung aus dem Schuldzusammenhang bereits angedeutet: Maria ist die neue Eva und das neugeborene Kind wird den Menschen durch seinen Tod die Auferstehung und die Erlösung bringen.

Das Kind liegt dabei nicht in einer Futterkrippe, sondern an die Darstellung einer Kleinfamilie angelehnt, auf dem Schoss der Mutter. Ist es eine Analogie auf die Pietà? Noch ist es das kleine Kind, das Maria vertrauensvoll anblickt, später wird es der Leichnam auf dem Schoss der Mutter sein.

Die Gipsskulptur entstand um 1920, die intime Szene ist wohl eher für den Gebrauch in einem privaten Haushalt gedacht. Die Grösse der Skulptur und der Fokus auf die (bürgerliche) Kleinfamilie deuten darauf hin.

Was kann man mitnehmen aus dieser weihnachtlichen Szene? Christus wurde Mensch und war selbst Teil einer Familie. Trotz der bitteren Not seiner Eltern und der materiellen Armut blüht die Natur auf und kündet von dem Heil, das dieses Kind der Welt bringen wird.

Maria Egartner

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