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In der Kolumne «Meine Benediktsregel» teilen verschiedene Autorinnen und Autoren, die mit unserem Kloster verbunden sind, in kurzen Texten ihre Gedanken darüber, wie sie die Benediktsregel als Inspiration für ihr Leben ausserhalb von Klostermauern zu nutzen versuchen.

Fehler als Möglichkeit zum Wachsen (Benediktsregel Prolog 36)

«Deshalb sind uns die Tage des Lebens als Frist gewährt, damit wir uns von unseren Fehlern bessern» (Benediktsregel, Prolog, 36)

Als ich diesen Vers kürzlich las, fiel mir auf, wie dicht er ist. Mit der wichtigsten Aussage, nämlich dass uns das Leben als Frist gegeben wurde, erhält jeder Tag ein besonderes Gewicht. Da niemand von uns weiss, wie lange diese Frist dauert, birgt dieser Vers eine gewisse Dringlichkeit. Zur Frage, wozu diese Frist denn genutzt werden soll, macht der der heilige Benedikt eine klare Aussage: «damit wir uns von unseren Fehlern bessern». Typisch für den Mönchsvater ist, dass er nicht davon ausgeht, dass wir Menschen je fehlerlos werden können. Er fordert hier nicht, dass wir bis zum Ende des Lebens ohne Makel sind, er spricht nur von Besserung. Entscheidend ist also nicht, ob wir Fehler machen, sondern wie wir mit ihnen umgehen, das heisst, ob wir sie künftig vermeiden wollen.

Die lange Mönchstradition, in der auch der heilige Benedikt steht, geht nicht davon aus, dass wir Menschen von uns aus jemals perfekt werden könnten. Abba Sisoes soll zum Beispiel einmal gefragt worden sein: «Was soll ich tun, Abba, denn ich bin gefallen?» Der Weise riet: «Steh wieder auf.» Als der Bruder wieder zurück zu Abba Sisoes kam und erklärte: «Ich bin wieder aufgestanden und wieder gefallen», meinte der Wüstenvater: «Steh wieder und wieder auf.» «Wie lange?» «Bis du aufgenommen bist, entweder im Guten oder im Falle. Denn in dem, worin der Mensch sich befindet, geht er hinüber» (Apophthegmata Patrum, Siseos 38).

Der heilige Benedikt sieht also das Leben als Aufgabe zum inneren Wachstum. Jeder Fehler bietet uns die Möglichkeit, zu wachsen. Diese Chance bietet sich täglich und wir sollten sie wahrnehmen. Aber wir müssen das nicht alleine bewerkstelligen. Weiter unten, im Vers 41 des Prologs steht geschrieben: «Für alles, was uns von Natur aus kaum möglich ist, sollen wir die Gnade und Hilfe des Herrn erbitten.»

Zur Autorin: Verena, Jg. 1967, ist selbständigerwerbend, Mutter dreier erwachsener Kinder und Oblatin des Klosters.

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