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Im Laufe seiner bald 1100jährigen Geschichte hat unser Kloster immer wieder Heilige hervorgebracht: von den ersten drei Äbten, die im 10. Jahrhundert lebten und wirkten, bis hin zu Bruder Meinrad Eugster (1848-1925), dessen Seligsprechungsprozess aktuell läuft. Ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert zeigt den Stammbaum der heiligen Mönche von Einsiedeln, die jedes Jahr am 3. August am «Gedenktag aller heiligen Mönche von Einsiedeln» gemeinsam gefeiert werden. Die bekannten und unbekannten Heiligen unseres Klosters werden unter der Rubrik «Einsiedler Heilige» am Tag ihres Heimgangs jeweils vorgestellt und sollen uns so motivieren, unseren eigenen Weg in der Nachfolge Jesu zu gehen.

3. August – Seliger Benno von Einsiedeln (+940)

Jedes Jahr am 3. August begehen wir den Gedenktag aller heiligen Mönche von Einsiedeln. Dabei gedenken wir all jener als Selige verehrten Gottesmänner, die kein eigenständiges liturgisches Fest haben. Auch alle unbekannten und unerkannten Heiligen unseres Klosters sind in diesem Fest eingeschlossen. Es ist eine kleine, einsiedlerische Version des Hochfestes Allerheiligen, welches die Gesamtkirche jeweils am 1. November begeht. Dieser Gedenktag aller heiligen Mönche von Einsiedeln fällt jeweils mit dem Todestag des seligen Bischofs Benno zusammen – und dies aus gutem Grund.

Benno, Sohn einer schwäbischen Adelsfamilie, wurde Domherr an der Kathedrale in Strassburg. Er liess sich 906 zusammen mit Gefährten bei der seit 861 verwaisten Zelle des heiligen Meinrad im Finsteren Wald als Einsiedler nieder. Von König Heinrich I. wurde er 927 zum Bischof von Metz (Lothringen, heute Frankreich) berufen, aber schon bald von Gegnern des Königs überfallen, geblendet und vertrieben. Auf der Synode in Duisburg wurden die Attentäter 929 geächtet. Bischof Benno kehrte 934 als gebrochener Mann zusammen mit Eberhard in seine geliebte Einsiedelei zurück und gründete mit ihm die Abtei Einsiedeln, deren erster Abt sein Verwandter Eberhard wurde. Bischof Benno starb am 3. August 940 und wird in Einsiedeln seit alter Zeit als Seliger verehrt.

Der selige Bischof Benno lebte zu einer Zeit, als weltliche und geistliche Macht eng miteinander verbunden waren. Zwar verliess der schwäbische Adelige die Strassburger Domkirche und damit sein standesgemässes Leben als Kleriker, um in der Nachfolge des von ihm verehrten Meinrad ein Leben der Kontemplation in der Stille und Einsamkeit des Finsteren Waldes zu führen. Doch der König brauchte auf den Bischofsstühlen seines Reiches Männer seines Vertrauens. So wurde Benno als Bischof von Metz hineingezogen in die hohe Reichspolitik – und wurde ihr Opfer. Doch Gott schreibt auch auf krummen – allzu menschlichen – Zeilen gerade. Denn vermutlich wurde erst der seines Augenlichtes beraubte Bischof zum Anlass, an der Stelle der Meinradszelle ein Kloster zu gründen. So wurde aus der um Benno gescharten Gruppe der Einsiedler eine benediktinische Mönchsgemeinschaft. Die Erinnerung an den eremitischen Ursprung unseres Klosters lebt im Ortsnamen «Einsiedeln» weiter – und im liturgischen Gedenktag aller heiligen Mönche von Einsiedeln jedes Jahr am 3. August, dem Tag des Heimgangs des seligen Bischofs Benno. An jenem Tag ging der erblindete Bischof in das Licht Gottes ein, wo er diesen von Angesicht zu Angesicht schauen darf.

Der selige Benno ermutigt uns, unserer Sehnsucht immer zu folgen, für Herausforderungen bereit zu sein und darauf zu vertrauen, dass Gottes Vorsehung unsere Wege lenkt – auch angesichts menschlicher Schuld. Denn: «denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten» (Römerbrief, 8,28).

Seliger Benno, bitte für uns!

Zum Autor: P. Philipp Steiner OSB ist Mönch des Klosters Einsiedeln und hier für den Wallfahrtsbetrieb und die Klosterkirche verantwortlich. Seit seiner Kindheit üben die Heiligen eine grosse Faszination auf ihn aus. 
 

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