Heiliger Meinrad

Der heilige Meinrad spielt für uns Einsiedler Benediktiner und unseren Wallfahrtsort eine ganz wichtige Rolle. Ohne ihn gäbe es weder unsere Klostergemeinschaft noch den heutigen Bezirk Einsiedeln. Unser Kloster wurde im Jahr 934 an der Stelle seiner Einsiedelei gegründet, nachdem schon zuvor Eremiten um den seligen Benno von Strassburg die Erinnerung an das vorbildiche Leben des heiligen Meinrad wachgehalten haben.

Von Sülchen auf die Reichenau

Meinrad (alemannische Form: Meginrat) wurde kurz vor 800 im Sülchgau (bei Rottenburg am Neckar) geboren. Seine Familie entstammt dem alemannischen Adel, doch erst im 11. Jahrhundert wurde aus Meinrad ein «Grafensohn». Seine Eltern sandten ihn früh (wohl mit fünf Jahren) zur Ausbildung in die damals berühmte Klosterschule auf der Insel Reichenau. Meinrad zeichnete sich im Studium der Heiligen Schrift aus, wurde mit 25 Jahren Diakon und dann Priester. 823 wählten die Reichenauer Mönche Erlebald zu ihrem Abt. Er war ein Onkel Meinrads und riet diesem wenig später, die Gelübde als Benediktinermönch abzulegen. In seiner «Vita» wird Meinrad mit allen Eigenschaften eines guten Benediktinermönchs geschildert: «Er gab sich alle erdenkliche Mühe, die Gelübde zu halten, im­mer zum Gehorsam bereit, streng im Fasten, unermüdlich im Gebet, grosszü­gig in Werken der Liebe, vor allem aber demütig den Brüdern untergeord­net.»

An den Zürichsee und in die Einsamkeit

Bald sandte Abt Erlebald den vorbildlichen Mönch als Lehrer in ein kleines Kloster am Zürichsee. Doch bald verspürte Meinrad eine grosse Sehnsucht nach einem Leben in Einsamkeit. Er zog als Einsiedler auf den «Etzel» am Südufer des Zürichsees.

Weil dort zu viele Ratsuchende den Einsiedler in Anspruch nahmen, zog Meinrad um 835 tiefer in den «Finstern Wald», damit ihm mehr Zeit für Gott, für das Gebet und die heilige Lesung blieb. Er errichtete seine Einsiedelei am Rand einer kleinen Ebene im Wald. Der Ort war schwer zugänglich und im Winter bitterkalt. Hier verbrachte Meinrad 26 Jahre. Anfechtungen blieben ihm auch im abgelegenen Hochtal nicht erspart. Er pflegte das Fasten, war gastfreundlich und beschenkte die Armen, die ihn in der Einsamkeit besuchten. Vor allem machte er auch hier seinem Namen alle Ehre: Meginrat bedeutet nämlich «grosser Ratgeber».

«Märtyrer der Gastfreundschaft»

Am 21. Januar 861 suchten zwei Räuber den Einsiedler auf. Meinrad bewirtete beide gastfreundlich, gab ihnen aber zu verstehen, dass er sie durchschaute. Darauf erschlugen sie ihn und ergriffen die Flucht, wurden aber von den beiden Raben Meinrads bis nach Zürich verfolgt. Dort wurden sie erkannt, verurteilt und hingerichtet. Der Leichnam Meinrads wurde auf die Reichenau gebracht und dort bestattet.

Für die Weihe der zweiten Klosterkirche im Jahr 1039 kehrten seine Reliquien nach Einsiedeln zurück. Seit 1984 ruht sein Haupt in einem silbernen Reliquiar im Hauptaltar der Klosterkirche.

Meinrad wird Mönch
Meinrad als Lehrer
Meinrad baut seine Zelle
Meinrad feiert Eucharistie
Meinrad wird ermordet
Die Gebeine Meinrads kommen nach Einsiedeln zurück

Ein Heiliger mit einem eigenen Fahrradweg

Seit Mai 2019 existiert ein Fahrradpilgerweg auf den Spuren des heiligen Meinrad: der MEINRADWEG. Der rund 275 Kilometer lange Radpilgerwegs beginnt bei der «Sülchenkirche» bei Rottenburg am Neckar, führt über die Erzabtei Beuron zum Weltkulturerbe Insel Reichenau und von dort über das Benediktinerkloster Fischingen nach Einsiedeln.