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Predigt von P. Mauritius Honegger am Zweiten Fastensonntag 2026

Liebe Mitchristen, 

Im heutigen Evangelium haben wir von der sogenannten Verklärung gehört. Jesus steigt mit seinen drei engsten Vertrauten auf einen Berg. Und dort plötzlich wird er zum Staunen der drei Jünger verwandelt. Es ist wie ein Aufleuchten Jesu, das sie erleben. Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne und seine Kleider werden so weiss, dass es die Jünger richtiggehend blendet. 

Was da beschrieben wird, ist Jesus im Licht der göttlichen Herrlichkeit. Mose und der Prophet Elija sind zwei Personen aus dem Alten Testament, die ganz nah bei Gott sind. Beide sind sozusagen Sprachrohre Gottes: Mose verkündete den Israeliten auf dem Berg Sinai die Gebote Gottes; Elija wirkte Wunder in der Kraft Gottes und redete prophetisch. Und auch die Wolke ist nochmals ein Zeichen für die Gegenwart Gottes. 

Wir sehen also: das Licht, die Wolke, die Anwesenheit der zwei Gottesmänner Mose und Elija deuten klar darauf hin, dass die Verwandlung Jesu etwas mit Gott zu tun hat. 

Für einen kurzen Moment erscheint Jesus im Licht der göttlichen Herrlichkeit. Wir heute wissen natürlich, dass dies der Zustand Jesu nach seiner Auferstehung sein wird. Der Tod ist nicht das Ende, sondern Gott wird Jesus auferwecken zu einem neuen, unzerstörbaren Leben in Herrlichkeit. 

Wenn wir uns in die Situation der Jünger versetzen, die Ostern noch nicht erlebt haben, die noch nichts wissen von der Auferstehung Jesu, dann wären wir wahrscheinlich auch ziemlich verwirrt gewesen, wenn wir diese merkwürdige Verwandlung des Meisters gesehen hätten. 

Was bedeutet das Ereignis für die Jünger, die mit Jesus unterwegs sind? Kurz bevor Jesus mit ihnen auf den Berg der Verklärung steigt, fragt er sie, wer er sei, beziehungsweise was die Leute sagen, wer er sei, und anschliessend, was die Jünger selber denken, wer er sei. Wir sehen also: Es geht um die Frage nach der Identität Jesu. 

Petrus gab damals intuitiv die richtige Antwort: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Heute bei der Verklärung erfahren die drei ausgewählten Jünger, inklusive Petrus, dass es tatsächlich so ist. Die Stimme aus der Wolke gibt die göttliche Bestätigung: Ja, Jesus ist der geliebte Sohn des lebendigen Gottes. Und so wie ihr ihn jetzt leuchten seht, so wird er eines Tages sein, so voll Glanz und Herrlichkeit. 

Die Jünger bekamen bei der Verklärung einen Ausblick auf die Zukunft, auf das Ende ihres Weges mit Jesus. Sie wissen jetzt: Der Weg führt an ein Ziel. Und dieses Ziel ist etwas Grossartiges. Natürlich werden sie auch Zweifel haben. Natürlich wird es ihnen nicht leicht fallen, bis zum Schluss durchzuhalten. Wir wissen ja, dass alle davonlaufen, sobald es brenzlig wird, und dass Petrus Jesus sogar verleugnet. Aber die Verklärung, das Aufleuchten dieses grossartigen Zieles, gibt ihnen Zuversicht, dass ihr Weg sich lohnen wird. 

Liebe Mitchristen, vielleicht fragen Sie sich: Warum kommt dieses Evangelium von der Verklärung ausgerechnet heute, am zweiten Sonntag der Fastenzeit? 

Es will uns zeigen, dass es wichtig ist, ein Ziel vor Augen zu haben. So wie die Jünger von diesem Moment an wussten, dass sich ihr Weg mit Jesus lohnen wird, dass sie am Ende etwas Grossartiges erwartet, so ist es auch für uns wichtig zu wissen, dass sich der Weg mit Jesus und insbesondere der Weg der Fastenzeit lohnt. Jetzt ist der Zustand der Herrlichkeit noch nicht erreicht. Jetzt sind wir noch auf dem Weg dorthin. 

Die Fastenzeit ist eine Chance dazu, dass wir selber einen Schritt vorwärts kommen auf unserem Weg, dass wir uns dem Bild annähern, das Gott von uns entworfen hat. Es ist ein grossartiges Bild, ein strahlendes Bild. Jede und jeder von uns ist ein Abbild Gottes, ist ein geliebtes Kind, ist zu einem Leben in Herrlichkeit berufen. 

Aber wir wissen auch, dass die Wirklichkeit meistens anders aussieht, dass wir weit weg sind vom ursprünglichen Bild, vom Idealzustand, von diesem strahlenden Leben. Die Fastenzeit ist eine Chance, dass wir uns wieder zurückbesinnen auf das, was wir nach dem Willen Gottes eigentlich sein sollten. Die Fastenzeit lädt uns ein, dass wir uns von all dem trennen, was unsere wahre Identität als Abbild Gottes in Frage stellt und seine Strahlkraft verdunkelt. 

Trennen wir uns von unseren schlechten Gewohnheiten, vom Rauchen, vom übermässigen Alkoholkonsum, vom ungesunden Essen, vom Lügen, vom schlechten Reden, von allem, was uns im Grunde doch nicht gut tut, was unserer Gesundheit schadet, was unsere Lebensqualität vermindert, von allem, was das göttliche Licht in uns auslöscht und verdunkelt. 

Ergreifen wir die Chance, die die Fastenzeit uns bietet. Wagen wir einen Neuanfang auf unserem Weg zu Gott. Folgen wir dem Gebot der Kirche, dass wir wenigstens einmal im Jahr zur Beichte gehen, unser Gewissen erforschen und das Sakrament der Versöhnung empfangen. Gott beruft uns zu einem Leben in Herrlichkeit. Er hat uns als sein Abbild erschaffen. Wir sind seine geliebten Kinder. Er will seinen Heilsplan mit uns und an uns verwirklichen, wenn wir dazu bereit sind. Amen. 

 

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