Liebe Schwestern und Brüder!
„Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ – diese Redewendung kennen viele. Sie fordert dazu auf nicht zu verstecken, worin wir gut sind, sondern es sichtbar werden zu lassen. Was sichtbar ist, lenkt den Blick auf sich. Licht strahlt an, was gesehen werden soll.
„Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ geht zurück auf das Wort Jesu, das wir gerade gehört haben. Er ruft uns auf, unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.
Aber welches ist dieses Licht, das wir als Christinnen und Christen leuchten lassen sollen?
Manch einer denkt vielleicht spontan an die schön beleuchtete Fassade des Klosters Einsiedeln, die abends schon von weitem strahlt. Oder an die vielen Kirchen in Städten und Dörfern, deren Architektur im Dunkel der Nacht die Blicke auf sich zieht. Kirchenbauten Zeugnisse des christlichen Glaubens, die gemeinsame Leistung vieler Generationen, die bis heute sichtbar ist und staunen lässt.
Wieder andere werden an das denken, was das Christentum kulturell hervorgebracht hat: die Bewirtschaftung unwirtschaftlicher Gegenden – gerade die Benediktiner stehen dafür –, die großen Bibliotheken, die gelehrten Bücher. Und sicher denken einige an die großen musikalischen Werke, die aus dem christlichen Glauben erwachsen sind.
All dies leuchte in der Öffentlichkeit, lässt staunen. Ist es das Licht, von dem Jesus spricht?
Brich dem Hungrigen dein Brot.
Nimm Obdachlose auf.
Entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft.
Rede niemandem schlecht nach.
Richte den Gebeugten auf.
Dann geht dein Licht auf.
Der Prophet Jesaja bringt uns auf eine tiefere Spur, welches Licht leuchten soll. Welches Licht Jesus Christus meint.
Das Licht, das er selbst ist: die Liebe Gottes zum Menschen. Die Sorge Gottes für uns. Dieses Licht soll durch uns sichtbar werden. Indem wir den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Indem wir da sind für den Menschen, der uns braucht.
Den Menschen in den Mittelpunkt stellen und ihn aufrichten – besonders jene, die leicht übersehen werden. Das ist das Licht des Christentums. Das ist das Besondere an uns, die wir an Jesus Christus glauben. Wir stellen ihn in unsere Mitte. In jedem Menschen, der mir begegnet, Gott achten. Das ist das Licht, das leuchten soll in dieser Welt. Dieses Licht zieht den Blick auf sich, wird in der Welt benötigt und gesehen werden. Dieses Licht wird neugierige Blicke auf sich ziehen.
Zusammenfassen kann dies gut, was der Dichter Paul Claudel geschrieben hat: „Rede über Christus nur dann, wenn du gefragt wirst. Aber lebe so, dass man dich nach Christus fragt.“
Amen.
