Liebe Schwestern und Brüder!
Finstere Zeiten, beim Blick auf die Weltpolitik wird mancher diesen Eindruck haben. Die Situation ist unübersichtlich, ein Krieg in Europa, der nicht zu Ende geht, verlässliche Partner scheinen nicht mehr verlässlich, wirtschaftlichen Entwicklungen bereiten Sorge. Vieles wirkt dunkel, trüb und schwer. Wir leben in Finsteren Zeiten leben oder gehen ihnen entgegen, ein Eindruck, der sich aufdrängen kann. Für manche von uns vielleicht auch im persönlichen Leben. Vielleicht, weil die berufliche Zukunft zerbricht. Es kann sein, dass es in der Familie Konflikte gibt, Krankheit oder Streit, die das Leben verdunkeln. Finstere Zeiten des Lebens, in denen wir uns nach einem Lichtblick sehnen, nach einem Zeichen, dass es wieder heller wird.
Finstere Zeiten auch damals im Finsteren Wald. Damals vor mehr als 1150 Jahren. Der finstere Wald eine lebensfeindliche Wildnis. Mehr Todesschatten als Lebensraum. Im Finsteren Wald, wo wir jetzt sitzen. Mitten in einer lichtdurchfluteten Kirche. In einem oft sonnigen Hochtal, das viele aufsuchen, wenn das Leben dunkel geworden ist, durch den Nebel der sich darüber legt oder Sorgen. Der finstere Wald ist hell geworden. Hell geworden mit der Ankunft des heiligen Meinrads. Menschen, deren Leben von Sorgen beschwert war, kamen zu ihm, um Rat zu suchen. Sie suchten Licht und fanden es im finsteren Wald bei Meinrad. Sie suchten die freundliche Aufnahme, die er jedem schenkte — sogar seinen Mördern, die er bis mit Achtung behandelte.
Das Licht, das der heilige Meinrad hier entzündet hat — in Wort und Tat — war nicht sein eigenes Licht. Es war das Licht dessen, den uns das heutige Evangelium vor Augen stellt: Jesus Christus, das Licht, das die Schatten des Todes vertreibt. Er, der mit seinen Worten, die Menschen aufrichtet. In seinen Taten, die Wunden des Lebens heilt. Jesus Christus, der Sohn Gottes, er macht das Leben hell. Er ist das Licht in der Finsternis.
Das lernen auch die vier Jünger, die er ruft: Kommt her, mir nach. Sie folgen ihm, um das Licht später weiterzugeben — so wie Meinrad vor 1150 Jahren.
Und heute? Woher kommt das Licht in unseren finsteren Zeiten? Durch Menschen, die bei Jesus Christus gelernt haben. Wo sie sind und leben, wird es hell, wo wir bei anderen aushalten, deren Leben finster geworden ist. Wo wir Worte sagen, die aufrichten, die groß machen und nicht klein. Wo wir Worte sprechen, die verlässlich sind — gedeckt von unserem Tun. Wenn wir bei einem Mitmenschen aushalten in Krankheit oder Sorge, wenn wir eine Hand reichen in einem Streit, wird es hell in der Finsternis des Lebens.
Jeder Mensch, der Jesus Christus folgt — in Worten und in Taten — zerbricht die Finsternis dieser Welt, hält das Licht Jesu Christi in unserer Zeit lebendig. Das Licht, das Gott durch den heiligen Meinrad im Finstern Wald angezündet hat, können wir in der Welt lebendig halten durch unsere Worte und Taten. In der Nachfolge Jesu Christi einander Lichtblick sein, unser Auftrag Tag für Tag. Amen.
Unser Novize Carsten ist als Priester des Bistums Trier (D) in unsere Klostergemeinschaft eingetreten - darum predigt bei uns ein Novize... Wir Einsiedler Benediktiner freuen uns auch über Männer in reiferen Jahren, die Gott in unsere Mönchsgemeinschaft führt, um das Licht im Finsteren Wald lebendig zu erhalten.
