Gottes Wort
24.06.2022

Freitag der 12. Woche im Jahreskreis

Viele sind verunsichert. Manche reagieren, indem sie sich selber Sicherheiten konstruieren. In der ersten Lesung erweist sich die Selbstsicherheit Israels als trügerisch. Im Evangelium zeigt sich Jesus als Heiland, der einen Aussätzigen berührt und durch sein Wort heilt. – Auch in den Sakramenten handelt er an uns durch ein zeichenhaftes Handeln und sein wirkmächtiges Wort.

Kyrie

Christus, Heiland der Kranken. Herr, erbarme dich.
Kranke haben zu dir um Hilfe gerufen. Christus, erbarme dich.
Du mahnst die Geheilten zur Wachsamkeit. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Barmherziger Gott, deine Kirche kann nicht bestehen ohne dich, sie lebt allein von deiner Gnade. Reinige und festige sie und führe sie mit starker Hand. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

2 Kön 25,1–12
Die Empörung Zidkijas und das Ende des Reiches Juda

Zidkija hatte sich gegen den König von Babel empört. Im neunten Regierungsjahr, am zehnten Tag des zehnten Monats, rückte Nebukadnezzar, der König von Babel, mit seiner ganzen Streitmacht vor Jerusalem und belagerte es. Man errichtete ringsherum einen Belagerungswall.

Bis zum elften Jahr des Königs Zidkija wurde die Stadt belagert. Am neunten Tag des vierten Monats war in der Stadt die Hungersnot gross geworden, und die Bürger des Landes hatten kein Brot mehr.

Damals wurden Breschen in die Stadtmauer geschlagen. Der König und alle Krieger verliessen die Stadt bei Nacht auf dem Weg durch das Tor zwischen den beiden Mauern, das zum königlichen Garten hinausführt, obwohl die Chaldäer rings um die Stadt lagen. Sie schlugen die Richtung nach der Araba ein.

Aber die chaldäischen Truppen setzten dem König nach und holten ihn in den Niederungen von Jericho ein, nachdem alle seine Truppen ihn verlassen und sich zerstreut hatten.

Man ergriff den König und brachte ihn nach Ribla, zum König von Babel, und dieser sprach über ihn das Urteil. Die Söhne Zidkijas machte man vor dessen Augen nieder. Zidkija liess er blenden, in Fesseln legen und nach Babel bringen.

Am siebten Tag des fünften Monats - das ist im neunzehnten Jahr des Königs Nebukadnezzar, des Königs von Babel - rückte Nebusaradan, der Kommandant der Leibwache und Diener des Königs von Babel, in Jerusalem ein und steckte das Haus des Herrn, den königlichen Palast und alle Häuser Jerusalems in Brand. Jedes grosse Haus liess er in Flammen aufgehen. Auch die Umfassungsmauern Jerusalems rissen die chaldäischen Truppen, die dem Kommandanten der Leibwache unterstanden, nieder.

Den Rest der Bevölkerung, der noch in der Stadt geblieben war, sowie alle, die zum König von Babel übergelaufen waren, und den Rest der Handwerker schleppte Nebusaradan, der Kommandant der Leibwache, in die Verbannung. Nur von den armen Leuten im Land liess der Kommandant der Leibwache einen Teil als Wein- und Ackerbauern zurück.

Die Katastrophe
Im Jahr 587 v. Chr. kommt es zur Katastrophe in Jerusalem, wie zuvor im Nordreich. Trotz aller früheren Verheissungen werden Tempel, Königshaus und Stadt (Reihenfolge!) zerstört. Das Volk wird deportiert, bis auf arme Bauersleute im Land. Die mit grossem Aufwand geschrieben historischen Bücher des AT (Schlussredaktion in Babylon) ziehen den Schluss, dass alle Warnungen an Jerusalem und das Schicksal anderer Könige nicht zu einer Besserung geführt hatten und dass deswegen die Strafe Gottes eingetreten ist. - Auch die Verheissungen Jesu ersparen der Kirche nicht automatisch Not oder Tod, denn er selber ist durch den Tod ins Leben geschritten. Doch die Verheissung eines neuen Lebens bleibt gültig, denn der Herr bleibt mitten in Todesnot gegenwärtig. (vgl. Frisque)

Antwortpsalm

Psalm 137,1–6
R: Wie könnte ich dich je vergessen, Jerusalem?

An den Strömen von Babel,
da sassen wir und weinten,
wenn wir an Zion dachten.
Wir hängten unsere Harfen
an die Weiden in jenem Land.

Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder,
unsere Peiniger forderten Jubel:
«Singt uns Lieder vom Zion!»
Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn,
fern, auf fremder Erde?

Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem,
dann soll mir die rechte Hand verdorren.
Die Zunge soll mir am Gaumen kleben,
wenn ich an dich nicht mehr denke,
wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Christus hat unsere Leiden auf sich genommen, unsere Krankheiten hat er getragen. Halleluja.

Evangelium

Mt 8,1–4
Die Heilung eines Aussätzigen
Als Jesus von dem Berg herabstieg, folgten ihm viele Menschen. Da kam ein Aussätziger, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick wurde der Aussätzige rein.

Jesus aber sagte zu ihm: Nimm dich in Acht! Erzähl niemand davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Opfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis (deiner Heilung) sein.

Jesus und die menschliche Not
Nach der Predigt auf dem Berg steigt Jesus in die Niederung herab, wo er der menschlicher Not begegnet. Jesus ist ermächtigt (der Aussätzige nennt ihn „Kyrie - Herr“), die neue Welt Gottes nicht nur zu verkünden, sondern zum Heil der Menschen auch zu realisieren, speziell zum Heil der Ärmsten. – Jesus schreitet vom „Ich aber sage euch“ zum „Ich will“: Es folgt ein Verweis auf jüdische Gesetzesvorschriften, was auf Diskussionen in der judenchristlichen Gemeinde zurückgehen dürfte, während dann im anschliessenden Bericht über den heidnischen Hauptmann allein das heilende Wort Jesu zählt.

Fürbitten

Christus, du hast einen Kranken berührt und geheilt. Wir bitten:
Für das christliche Volk: Schenke ihm Vertrauen in dein heilendes Wort.
Für die Priester der Kirche: Stärke sie in ihrem Dienst.
Für die Kranken und Sterbenden: Erweise dich an ihnen als Heiland und Arzt.
Für uns und alle Sünder: Bewahre uns vor einer falschen Selbstsicherheit.

Barmherziger Gott, dein Sohn ist als Mensch unseren Weg gegangen bis in den Tod. Hilf uns, den Weg mit ihm zu gehen bis in deine Herrlichkeit. Im Heiligen Geist, durch Christus unsern Herrn.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, das heilige Mahl ist ein sichtbares Zeichen, dass deine Gläubigen in dir eins sind. Lass diese Feier wirksam werden für die Einheit der Kirche. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.