Gottes Wort
29.06.2020

Hl. Petrus und hl. Paulus

Die Apostel sind vermutlich um 67 getötet worden, wenn auch nicht gleichzeitig. Petrus wurde am Hügel Vatikan, Paulus an der Strasse nach Ostia bestattet. Früher wurden am heutigen Tag Gottesdienste in St. Peter (Vatikan) und St. Paul (Via Ostiense) sowie bei den Katakomben von San Sebastiano gefeiert. An diesem dritten Ort haben sich Inschriften von Pilgern zu Ehren der Apostel erhalten. Vielleicht wurden in der Verfolgungszeit die Reliquien beider Apostel in die rechtlich geschützten Katakomben bei S. Sebastiano gebracht. Nachher wurden die Überreste wieder am Vatikan und an der Via Ostiense beigesetzt. Das gemeinsame Hochfest der Apostel wird am heutigen Tag gefeiert, wohl im Zusammenhang mit den erwähnten Übertragungen. Der Tag wird erstmals im römischen Staatskalender von 354 vermerkt. Die römische Kirche und ihre Liturgie beziehen sich gerne gleichzeitig auf beide Apostel, denn sie führten die Kirche aus dem Judentum und die Kirche aus dem Heidentum an.

Kyrie

Christus, du hast Petrus zum Felsen der Kirche gemacht. Herr, erbarme dich.
Du hast Paulus zum Völkerapostel erwählt. Christus, erbarme dich.
Du stehst deiner Kirche bei bis zum Ende der Zeiten. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Herr, unser Gott, am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus haben wir uns in Freude versammelt. Hilf deiner Kirche, in allem der Weisung deiner Boten zu folgen, durch die sie den Glauben und das Leben in Christus empfangen hat, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Apg 12,1–11
Hinrichtung des Jakobus – Befreiung des Paulus

Um jene Zeit liess der König Herodes einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln. Jakobus, den Bruder des Johannes, liess er mit dem Schwert hinrichten.
Als er sah, dass es den Juden gefiel, liess er auch Petrus festnehmen. Das geschah in den Tagen der Ungesäuerten Brote. Er nahm ihn also fest und warf ihn ins Gefängnis. Die Bewachung übertrug er vier Abteilungen von je vier Soldaten. Er beabsichtigte, ihn nach dem Paschafest dem Volk vorführen zu lassen. Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott.

In der Nacht, ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte, schlief Petrus, mit zwei Ketten gefesselt, zwischen zwei Soldaten; vor der Tür aber bewachten Posten den Kerker.

Plötzlich trat ein Engel des Herrn ein und ein helles Licht strahlte in den Raum. Er stiess Petrus in die Seite, weckte ihn und sagte: Schnell, steh auf! Da fielen die Ketten von seinen Händen. Der Engel aber sagte zu ihm: Gürte dich und zieh deine Sandalen an!

Er tat es. Und der Engel sagte zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!

Dann ging er hinaus und Petrus folgte ihm, ohne zu wissen, dass es Wirklichkeit war, was durch den Engel geschah; es kam ihm vor, als habe er eine Vision.

Sie gingen an der ersten und an der zweiten Wache vorbei und kamen an das eiserne Tor, das in die Stadt führt; es öffnete sich ihnen von selbst. Sie traten hinaus und gingen eine Gasse weit; und auf einmal verliess ihn der Engel.

Da kam Petrus zu sich und sagte: Nun weiss ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat und all dem, was das Volk der Juden erhofft hat.

Petrus wird aus der Gefangenschaft befreit
Herodes Agrippa hat im Volk und bei den Pharisäern Sympathie gewonnen durch die Hinrichtung des Jakobus, eines bekannten Christen. Nun will Agrippa auch Petrus beseitigen. Nach Lukas geschah dies in den österlichen Tagen. Im Kerkerdunkel erteilt nun ein Engel Anweisungen, wie sie ähnlich vor dem Ostermahl einzuhalten sind (vgl. „Gürte dich…“). So wird das Leiden des Apostels eng verknüpft mit der Passion Jesu (in die das „Volk“ ebenfalls einbezogen war). Die Befreiung aus dem Kerker führt zum Wegzug des treuen Juden Petrus aus Jerusalem und ermöglich sein Wirken ausserhalb des bisherigen „Ghettos“: eine österliche Befreiung.

Antwortpsalm

Psalm 34,2–9
R: All meinen Ängsten hat der Herr mich entrissen.

Ich will den Herrn allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn;
die Armen sollen es hören und sich freuen.

Verherrlicht mit mir den Herrn,
lasst uns gemeinsam seinen Namen rühmen.
Ich suchte den Herrn und er hat mich erhört,
er hat mich all meinen Ängsten entrissen.

Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten
und ihr braucht nicht zu erröten.
Da ist ein Armer; er rief und der Herr erhörte ihn.
Er half ihm aus all seinen Nöten.

Der Engel des Herrn umschirmt alle,
die ihn fürchten und ehren,
und er befreit sie.
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist;
wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!

2. Lesung

2 Tim 4,6–8.17–18
Paulus, gefangen und verlassen, legt Rechenschaft ab.

Ich werde nunmehr geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.

Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten.

Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem Bösen entreissen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Der Tod des Paulus als Aufbruch zu Christus.
Der alte Paulus ist ein Gefangener. Nach diesem Text sieht er seinem nahenden Tod als einem Aufbruch entgegen, der zu Christus führt. Paulus hat sein Leben als einen Gottesdienst und ein Opfer für Christus verstanden, der ihm beistand. Wenn Paulus in dieser Haltung stirbt, darf er das Erscheinen Christi als Befreiung und Erfüllung erwarten; Christus ist ihm einst dem Saulus in der österlichen Verklärung erschienen, um ihn aus dem Gesetzesdienst zu befreien und zum Apostel zu machen. Nun kommt Paulus an das Ziel.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Halleluja.

Evangelium

Mt 16,13–19
„Messias“ und „Petrus“
Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?

Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.

Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!

Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Der Messias und Petrus, sein Bevollmächtigter
Petrus bekennt Jesus als Messias und zwar nicht als einen von Menschen aufgebauten, sondern von Gott kommenden Messias. Bei Matthäus ist das Bekenntnis „nachösterlich aufgefüllt“ (Zenger). Um dieses Glaubensbekenntnisses willen erkennt Jesus dem Simon den Titel Petrus zu und macht ihn zu seinem Bevollmächtigten, speziell für die verbindliche Erschliessung der Lehre Jesu und für den Zugang zum Reich Gottes. Wie im Glauben soll Petrus in der Liebe zu Christus und zu den andern treu bleiben. (vgl. Stuttgarter NT)

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast die Kirche auf Petrus und sein Bekenntnis gegründet:
Erneuere den Glauben aller, die auf deinen Namen getauft sind.
Du hast Paulus zum Völkerapostel berufen: Schenken allen Völker das Licht des Evangeliums.
Deine Apostel haben für die Gaben des Geistes gedankt: Lass diese Gnadengaben Früchte tragen.
Du hast Petrus, der dich verleugnete, zum Hirten erwählt: Segne alle Hirten der Kirche.
Du hast Paulus, der dich verfolgt hat, bekehrt: Erneuere und festige uns im Glauben.
In schwachen Menschen vollendet sich deine Kraft: Stärke uns in Glaube, Hoffnung und Liebe.

Heiliger Gott, du hast die Kirche auf das Glaubensbekenntnis des Petrus gegründet, und du hast Paulus als Zeugen der Auferstehung zu den Völkern gesandt. Festige die Kirche im Glauben der Apostel. Darum bitten wir, im Heiligen Geist, durch Jesus Christus, unsern Herrn.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, du hast uns durch das heilige Sakrament gestärkt. Gib, dass wir im Brotbrechen und in der Lehre der Apostel verharren und in deiner Liebe ein Herz und eine Seele werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.