Gottes Wort
14.02.2020

Freitag der 5. Woche im Jahreskreis

In unserer Zeit führt ein „Individualismus–Schub“ zum Auseinanderdriften der Meinungen und zu vielen Spannungen. Im Menschen steckt aber die Sehnsucht nach persönlicher Ganzheit und nach sozialer Einheit. Die Sorge um beides gehört zur Sendung der Kirche. – Die erste Lesung handelt vom Auseinanderbrechen der Einheit des Volkes, das Evangelium von einer ganzheitlichen Heilung durch Jesus.

Kyrie

Christus, du öffnest die Ohren von Leib und Seele. Herr, erbarme dich.
Du hilfst uns, vor dir und mit andern richtig zu reden. Christus, erbarme dich.
Du hast alles gut gemacht. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Herr. Du kennst unser Elend: Wir reden miteinander und verstehen uns nicht. Wir schliessen Verträge und vertragen uns nicht. Wir sprechen vom Frieden und rüsten zum Krieg. Zeig uns einen Ausweg. Sende deinen Geist, damit er den Kreis des Bösen durchbricht und das Angesicht der Erde erneuert. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

1 Kön 11,29–32; 12,19
Das Auseinanderbrechen des Reiches

Als in jener Zeit Jerobeam einmal aus Jerusalem herauskam, begegnete ihm auf dem Weg der Prophet Ahija aus Schilo. Dieser war mit einem neuen Mantel bekleidet.

Während nun beide allein auf freiem Feld waren, fasste Ahija den neuen Mantel, den er anhatte, zerriss ihn in zwölf Stücke und sagte zu Jerobeam: Nimm dir zehn Stücke; denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Ich nehme Salomo das Königtum weg und gebe dir zehn Stämme. Nur ein Stamm soll ihm verbleiben wegen meines Knechtes David und wegen Jerusalem, der Stadt, die ich aus allen Stämmen Israels erwählt habe.

So fiel Israel vom Haus David ab und ist abtrünnig bis zum heutigen Tag.

Die Einheit des Reiches zerbricht.
Am Ende der Regierung Salomos, die gut begonnen hatte, fallen die Nordstämme ab. Nur der unmittelbar nördlich von Juda siedelnde Stamm Benjamin bleibt mit Juda und damit mit dem Königshaus David verbunden. So zeigt sich doch ein Hoffnungsschimmer. Das Volk wird nicht vergessen, was der ursprüngliche Plan Gottes war, nicht zuletzt wegen Benjamins Entschluss. (vgl. Frisque)

Antwortpsalm

Psalm 81,10–15
R: Ich bin der Herr, dein Gott; höre auf meine Stimme!

Für dich gibt es keinen andern Gott.
Du sollst keinen fremden Gott anbeten.
Ich bin der Herr, dein Gott,
der dich heraufgeführt hat aus Ägypten.

Doch mein Volk
hat nicht auf meine Stimme gehört;
Israel hat mich nicht gewollt.
Da überliess ich sie ihrem verstockten Herzen
und sie handelten nach ihren eigenen Plänen.

Ach dass doch mein Volk auf mich hörte,
dass Israel gehen wollte auf meinen Wegen!
Wie bald würde ich seine Feinde beugen,
meine Hand gegen seine Bedränger wenden.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Herr, öffne uns das Herz, dass wir auf die Worte deines Sohnes hören. Halleluja.

Evangelium

Mk 7,31–37
Die Heilung eines Taubstummen
Jesus verliess das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heisst: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.

Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Ausser sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Einführung in den Glauben
Dieser Bericht findet sich nur bei Markus. Er lokalisiert die Heilung auf heidnischem Boden und abseits der Menge. Der Taubstumme versinnbildet Menschen, denen die Kommunikation mit Gott fehlt. Vorbereitet durch die „Patenschaft“ anderer, die den Tauben zu Jesus bringen, kommt es zur persönlichen Begegnung mit Jesus. Die Handauflegung und der „Effata“–Ritus für die Sinnesorgane sind uns von der christlichen Taufe her bekannt. Diese Heilungspraxis war schon vor Jesus üblich. Er macht selbst die Schöpfung gut, will aber anders verstanden werden als die „Heiler“ (darum das Schweigegebot!). Wie beim Heilen Jesu verbinden sich bei Christwerden und Taufe das persönliche und das kirchliche Moment.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast alles gut gemacht:
Wecke den Glaubenssinn in den Herzen der Menschen.
Bewahre die Regierenden vor dem Missbrauch der Macht.
Schenke in der Gemeinschaft der Kirche allen, die sich einsam fühlen, deine Freude.
Öffne uns selber Ohren und Mund, damit wir dich hören und dich loben.

Barmherziger Gott, du hast deinen Sohn gesandt als Heiland aller Völker. Wir preisen dich und danken dir, jetzt und in Ewigkeit.

Schlussgebet

Barmherziger Gott, du hast uns teilhaben lassen an dem einen Brot und dem einen Kelch. Lass uns eins werden in Christus und Diener der Freude sein für die Welt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.