Gottes Wort
Sonntag
11
August 2019

Gottes Wort
11.08.2019

19. Sonntag im Jahreskreis

Sollen wir abwarten und zuschauen, wie alles weiter geht, wenn die Glaubenden eine „kleine Herde“ geworden sind? Soll sich die Religion ganz in die Privatsphäre zurückziehen oder in Kirchen–„Träume“? Heute, am „Tag des Herrn“ eröffnen die Lesungen die Perspektiven des Glaubens.

Kyrie

Christus, du lädst uns heute zu deinem Tisch. Herr, erbarme dich.
Du lädst zum himmlischen Hochzeitsmahl. Christus, erbarme dich.
Du hast die Macht, uns zum Leben zu erwecken. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Allmächtiger Gott, wir dürfen dich Vater nennen, denn du hast uns an Kindes statt angenommen und uns den Geist deines Sohnes gesandt. Gib, dass wir in diesem Geist wachsen und einst das verheissene Erbe empfangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Weish 18,6–9
Die Nacht des Pascha

Jene Nacht wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten zuversichtlich sein und sicher wissen, welchen eidlichen Zusagen sie vertrauen konnten. So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde. Während du die Gegner straftest, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht.

Denn im Verborgenen feierten die frommen Söhne der Guten ihr Opferfest; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und sangen schon im Voraus die Loblieder der Väter.

Das Paschafest im Exil
Der Autor dieses Buches schreibt etwa 100 Jahre vor Christus. Er lebt in Ägypten. Er schildert das erste Pascha mit der durchwachten Nacht des Auszugs aus Ägypten, als eine Befreiung, gemäss der Verheissung an die Erzväter und das Volk. Er erwähnt aber auch das Pascha, wie es zu seiner Zeit in Ägypten, mit den alten Liedern, gefeiert wurde. Immer wieder kommt die Stunde des Pascha.

Antwortpsalm

Psalm 33,1.12.18–20.22
R: Glücklich das Volk, das Gott sich zum Erbteil erwählte.

Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn;
für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.

Doch das Auge des Herrn ruht auf allen,
die ihn fürchten und ehren,
die nach seiner Güte ausschaun;
denn er will sie dem Tod entreissen
und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.

Unsre Seele hofft auf den Herrn;
er ist für uns Schild und Hilfe.
Lass deine Güte über uns walten, o Herr,
denn wir schauen aus nach dir.

2. Lesung

Hebr 11,1–2.8–19
Der Glaube der Patriarchen

Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht. Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten.

Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Aufgrund des Glaubens hielt er sich als Fremder im verheissenen Land wie in einem fremden Land auf und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheissung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat.

Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheissung gegeben hatte. So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.

Voll Glauben sind diese alle gestorben, ohne das Verheissene erlangt zu haben; nur von fern haben sie es geschaut und gegrüsst und haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind. Mit diesen Worten geben sie zu erkennen, dass sie eine Heimat suchen. Hätten sie dabei an die Heimat gedacht, aus der sie weggezogen waren, so wäre ihnen Zeit geblieben zurückzukehren; nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nämlich der himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, er schämt sich nicht, ihr Gott genannt zu werden; denn er hat für sie eine Stadt vorbereitet.

Aufgrund des Glaubens brachte Abraham den Isaak dar, als er auf die Probe gestellt wurde, und gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheissungen empfangen hatte und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben. Er verliess sich darauf, dass Gott sogar die Macht hat, Tote zum Leben zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.

Die Haltung des wachen Glaubens
Der Hebräerbrief erklärt am Beispiel Abrahams, dass sich echter Glaube auf keine menschlichen Sicherheiten verlässt. Echter Glaube baut auf Gott und seine Verheissungen, ist also Hoffnung auf den Gott des Lebens und seine Treue. Auch der leibliche Tod (den die Väter des Glaubens erlitten) verhindert das Kommen des verheissenen Lebens nicht. In dieser Haltung ist der Christ nicht passiv; er geht wach den Weg in die Zukunft Gottes.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Seid also wachsam und haltet auch ihr euch bereit! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Halleluja.

Evangelium

Lk 12,32–48
Vom wahren Schatz und von Wachsamkeit und Treue
Jesus sprach zu den Jüngern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.

Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreissen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.

Legt euren Gürtel nicht ab und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie.

Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.

Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen?

Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.

Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen.

Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen.

Wachsam in die Zukunft gehen
Ein Trostwort fasst vorausgehende Bildworte gegen falsche Sorgen (vgl. Lilien des Feldes) zusammen: Die kleine Herde soll furchtlos sein, denn in Christus ist ihr das Reich schon gegeben, wenn auch anfangweise. Entsprechend gilt es, nicht von vergänglichen Gütern abhängig zu werden, sondern sie grosszügig zu nutzen für die Armen (vgl. Gütergemeinschaft der Urkirche). Die „Knechte“ sind wohl besonders die Verantwortlichen in der Gemeinde. Gerade von ihnen werden die wache Bereitschaft im Dienst ihres Herrn (der selber als Diener Vorbild ist!) erwartet, ebenso das geduldige Ausharren (bei der Verzögerung seines Kommens) und die treue Pflichterfüllung in ihrem Dienst, ohne jede strafwürdige Leichtfertigkeit.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, Du bist der Menschensohn, den wir erwarten: Wir bitten dich:
Für die Verantwortlichen der Seelsorge: Mache sie zu guten Ratgebern.
Für die „kleine Herde“, die treu ist: Ermutige sie, im Glauben voranzuschreiten.
Für Getaufte, die dich vergessen: Stärke sie mit der Lebenskraft des Glaubens.
Für Menschen, die hart arbeiten müssen: Schenke ihnen Tage der Erholung.
Für uns selber: Gib, dass wir voll Glauben und Hoffnung zu deinem Tisch hinzutreten.
Für unsere Verstorbenen: Öffne ihnen die Türe zum himmlischen Hochzeitsmahl.

Barmherziger Gott, gib, dass wir treu in deinem Dienst verharren und begleite uns mit deiner Gnade, denn ohne dich vermögen wir nichts zu tun. So bitten wir, im Heiligen Geist, durch Christus, unsern Herrn.

Schlussgebet

Barmherziger Gott, wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen. Das heilige Sakrament bringe uns Heil, es erhalte uns in der Wahrheit und sei unser Licht in der Finsternis. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.