In der Coronakrise ist sichtbar geworden, was sonst von allen Seiten gerne unter Verschluss gehalten wird: die Armut in der Schweiz. Da berichteten auch die Medien von den Schlangen, die sich vor den Ausgabestellen von Mahlzeiten bildeten. Es gibt auch bei uns Menschen, die zu wenig zu essen haben. Heute sieht man solche Schlangen nicht mehr, aber die Caritas-Läden, die Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs verbilligt abgeben, verzeichnen Rekordumsätze. Viele Haushalte leben am Limit, und wenn dann etwas Unerwartetes kommt, eine grosse Zahnarztrechnung etwa oder eine Mitpreiserhöhung, so geraten sie aus dem Gleichgewicht.
Was sagt Jesus zu den Jüngern, als die Menge, die ihm zuhörte, ihre Vorräte aufgebraucht hatte? «Gebt ihr ihnen zu essen!» Diese Aufforderung geht auch an uns. Wir sollen die Maschen der staatlichen Auffangnetze so dicht knüpfen, dass niemand mehr unverschuldet hindurchfällt. Aber wir sollen auch persönlich «zu essen geben». Ich weiss, das ist eine dornenvolle Geschichte, denn es gibt dabei viel Betrug. Sie haben aber hier und jetzt die Möglichkeit, die sozialen Aktivitäten unserer Klostergemeinschaft zu unterstützen, bar durch einen Beitrag bei der Kollekte oder in der Antoniuskasse vorne links in unserer Kirche oder elektronisch nach den Informationen auf unserer Webseite.
Aber das ist nur die eine Hälfte der Botschaft des heutigen Evangelienabschnitts. Bei Johannes sagt Jesus zur Menge: «Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.» Die Brotvermehrung ist ein Zeichen, sie weist über sich hinaus. Jesus zitiert einmal das Buch Deuteronomium: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund hervorgeht.» Auch bei Matthäus ist die Erzählung über die Brotvermehrung so angelegt, dass sie den Einsetzungsbericht zur Eucharistie anklingen lässt. Jesus selber ist das Brot des Lebens. «Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit.» Und auch die Eucharistie weist über sich hinaus, sie nimmt die Vollendung beim Hochzeitsmahle in der neuen Zeit voraus.
Die Brotvermehrung ist also ein Zeichen dafür, dass das Reich Gottes schon angebrochen ist, ein Zeichen der Hoffnung, ein Hinweis auf die verschwenderische Liebe Gottes, die selbst den Sohn für uns dahingibt, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben.
