Alltag im Kloster

Wie sieht denn ein Tag im Leben eines Mönchs aus? Diese Frage wird uns immer wieder gestellt, wenn Gruppen uns besuchen. Die äussere Struktur, der Tagesablauf, ist dabei schnell erzählt. Um seinem tieferen Sinn auf die Spur zu kommen, muss man ihn leben. Dann entdeckt man: Es geht um nichts weniger als um die Begegnung mit Gott.

05.30 Uhr

Vigil

“Bleibt hier und wacht”, fordert Jesus seine Jünger auf. Dieser Aufforderung wollen wir Mönche Folge leisten, wenn wir uns früh – wenn andere vielleicht noch schlafen – erheben für die Vigil, was übersetzt “Wache” bedeutet. Gegen Ende der Nacht soll auf diese Weise durch unsern Mund das Wort Gottes ertönen – das Wort, durch das die Welt wurde und das alles nun erwachende Leben trägt.

Nach der Vigil

Frühstück und Betrachtung

Nach der Vigil dürfen die Mönche für die leibliche Notdurft hinausgehen, schreibt der hl. Benedikt in seiner Regel. Nebst der morgendlichen Toilette gehört dazu auch die leibliche Stärkung für den nun angebrochenen Tag.

Weil aber der Mensch nicht nur Leib, sondern auch Seele und Geist, ja alles dieses zusammen ist, brauchen auch Letztere eine ihnen gemässe Nahrung. Der Mensch lebt eben nicht nur vom (Frühstücks-)Brot allein. In der morgendlichen Betrachtung stellt sich der einzelne Mönch ganz persönlich dem Worte Gottes in der Bibel. Er bleibt und wacht, auch wenn Gott scheinbar nicht spricht.

07.15 Uhr

Laudes

Etwas später am Morgen versammeln sich die Mönche wiederum zum gemeinsamen Gebet im Chor der Kirche. Laudes – Gott loben im Gedenken an die Auferstehung, an das Aufbrechen des Lichtes aus der Finsternis des Todes, der kein Anrecht mehr auf uns hat.

Nach den Laudes

Arbeitszeit

Gestärkt an Leib und Seele steht der Mönch bereit für sein Tagewerk, je nach Verantwortlichkeit und Aufgabe des Einzelnen. Je mehr sein Innerstes durchdrungen ist von Gottes Wort, desto mehr wird es auch das Tun seiner Hände und das Sprechen seines Mundes sein.

11.15 Uhr

Konventamt und Mittagsgebet

Wenn das Zeichen zum Gottesdienst gegeben wird, lasse der Mönch alles stehen und liegen und eile zu dieser Versammlung – so mahnt Benedikt in seiner Regel. In der täglichen Feier der Eucharistie vollzieht der Konvent der Mönche sein zentralstes Amt und wird so erst eigentlich zu Kirche, die sich von Christus selbst rufen lässt. Das anschliessende Mittagsgebet lädt ein, dieses Geheimnis zu betrachten und sich selbst dankbar als Teil davon zu verstehen.

12.15 Uhr

Mittagessen und Rekreation

Das gemeinsame Mahl der Getauften ist immer mehr als blosse Nahrungsaufnahme. Oft wird in der Heiligen Schrift das Leben im Himmel mit einem Festmahl verglichen. Das gemeinsame Mahl ist Bild und Vorgeschmack auf dieses Festmahl. Es macht uns bewusst, wo unsere eigentliche Heimat ist. Eine geeignete Lektüre soll uns dafür sensibilisieren. Sie wird während des Mahls von einem Lektor vorgetragen, während die Mönche schweigend essen und sich für die Wiederaufnahme der täglichen Arbeit am Nachmittag stärken.

16.30 Uhr

Vesper und Salve Regina

Die Vesper – das Abendgebet der Kirche – wird in der Regel um 18 Uhr herum gebetet. Damit aber die Menschen, die nach Einsiedeln pilgern, sich diesem Gebet anschliessen können, beten wir die Vesper etwas früher. Die Betenden dürfen so erfahren: Christus ist das Licht, das bleibt, auch wenn es Abend und damit wieder dunkel wird. Trägst du dieses Licht in dir, brauchst du dich nicht zu fürchten vor dem Dunkel der Nacht.

Nach der Vesper

Geistliche Lesung

Gott zu begegnen ist Befreiung und Herausforderung zugleich. Man muss gehen, ohne das Ziel genau berechnen zu können. Ein GPS hilft uns da auch nicht weiter. Dennoch greifen wir auf ein «Navigationssystem» zurück: Nebst des Wortes Gottes ist es die Erfahrung all jener, die den Weg des Glaubens vor uns gegangen sind, und von denen wir wissen: Sie haben ihr Ziel erreicht.

18.30 Uhr

Abendessen und Rekreation

Nach dem Abendessen bleibt Zeit für eine Rekreation – eine Zeit der Erholung und Entspannung: Im mitbrüderlichen Austausch, bei der Zeitungslektüre im Lesezimmer, bei persönlicher Lektüre im Garten oder in der Mönchszelle oder mit einem Besuch bei den Mitbrüdern in der Pflegeabteilung.

19.55 Uhr

Totengedenken, geistliche Lesung und Komplet

Beim Läuten der Glocken versammeln sich die Mönche ein letztes Mal. Treffpunkt ist diesmal der Kapitelssaal – ein Gemeinschaftsraum innerhalb des Klosters. Nachdem wir aller verstorbenen Mönche, die an diesem Ort ihren Weg gegangen sind, gedacht und für sie gebetet haben und gestärkt mit einem kurzen geistlichen Impuls, ziehen wir gemeinsam in die Kirche für das Nachtgebet: Wir legen unser Leben und das, was es am Tag hervorgebracht hat in die Hand dessen, aus dem alles Leben hervorgeht und bitten um eine ruhige Nacht und ein gutes Ende, sollte es denn so weit sein, dass wir unsere Augen in dieser Welt nicht mehr öffnen.