Klosterkirche
Abt Urban Federer OSB
Vokalensemble Zürich West
Marco Amherd Leitung
Eran Dinur (*1966)
Nei’la
Amy Beach (1867–1944)
Peace I leave with you
Johannes Brahms (1833–1897)
Warum ist das Licht gegeben
Max Reger (1873–1916)
Morgengesang
Nachtlied
Veljo Tormis (1930-2017)
Sügismaastikud
William Byrd (ca. 1540–1623)
Ave verum Corpus
Roderick Williams (*1965)
Ave verum corpus re-imagined
Unendliche Endlichkeit
Das Programm spannt einen grossen zeitlichen Bogen und kreist um das Spannungsfeld von Endlichkeit und Unendlichkeit, von menschlicher Begrenztheit und der Sehnsucht nach Transzendenz.
Am Beginn steht Eran Dinurs Nei’la, benannt nach dem abschliessenden Gebet des jüdischen Versöhnungstages Jom Kippur. Es ist der Moment, in dem sich die „Tore“ zwischen Mensch und Gott noch ein letztes Mal öffnen – ein Schwellenzustand zwischen Zeit und Ewigkeit. Endlichkeit wird hier existenziell erfahrbar, zugleich richtet sich der
Blick über sie hinaus.
Mit Amy Beachs Peace I leave with you folgt ein stilles und tröstendes Innehalten. Johannes Brahms’ Motette Warum ist das Licht gegeben konfrontiert die Hörer*innen unmittelbar mit der existenziellen Frage nach Leid, Tod und Sinn. Der Mensch erlebt seine Begrenzung schmerzhaft, ringt um Antwort und Halt. In der Verbindung von Klage, Trost und Glaubensgewissheit wird das Bewusstsein der Endlichkeit in einen grösseren Zusammenhang gestellt.
Der Übergang von Max Regers Morgengesang zu Nachtlied spiegelt den Kreislauf des Tages – Sinnbild für den Lebensweg zwischen Anfang und Ende. Mit Veljo Tormis’ Sügismaastikud (Herbstlandschaften) wird schliesslich auch die Vergänglichkeit der Natur erfahrbar. Der Herbst als Symbol des Vergehens erinnert an das unausweichliche Ende, zugleich aber an zyklische Wiederkehr.
William Byrds Ave verum corpus richtet den Blick schliesslich auf das Mysterium von Tod und Erlösung. Der sterbliche Leib wird zum Ort der Verwandlung, das Endliche öffnet sich dem Unendlichen. Die schlichte, kontemplative Musik lässt die Zeit stillzustehen scheinen.
Den Abschluss bildet Roderick Williams’ Ave verum corpus re-imagined, eine zeitgenössische Reflexion über denselben Text. So wird deutlich: Die Auseinandersetzung mit Endlichkeit und Unendlichkeit ist zeitlos – sie verbindet Menschen über Jahrhunderte hinweg.
Vokalensemble Zürich West und Marco Amherd
Das Vokalensemble Zürich West wird oft für seinen frischen, schlanken und beweglichen Klang gelobt. Unkonventionelle Programme mit anspruchsvoller Chorliteratur haben den Chor innert kürzester Zeit zu einem angesehenen Ensemble der Schweizer Chorlandschaft werden lassen. Ihr Dirigent Marco Amherd ist Intendant des Davos Festival und dirigiert mehrere Ensembles in der Region Zürich. Zudem ist er Professor für Chorleitung an der Hochschule Luzern.
14.00 Uhr: Konzerteinführung im Musiksaal mit Prof. Manuel Bärtsch,
künstlerischer Leiter des Festivals Musiksommer am Zürichsee
Treffpunkt: Eingang «Gymnasium» um 13.50 Uhr
Eintritt frei - Kollekte
Konzert in Zusammenarbeit mit dem Musiksommer am Zürichsee.

