Sonntagsgedanke – 13. Mai 2018

Pünktlich zu den Eisheiligen ist die Abkühlung eingetreten, glücklicherweise nicht mit einem scharfen Frost, aber doch rechtspürbar. Was haben denn die Eisheiligen mit dem Wetter zu tun? Eigentlich gar nichts. Zum Beispiel der Heilige Pankraz zum Beispiel war einfach ein römischer Märtyrer. Die Rede von den eisheiligen beruht auf der Erfahrung, dass nach ersten frühsommerlichen Tagen in der Mitte des Mai oft wieder kühle Tage drohen. Solche Wellenbewegung gibt es beim Wetter immer wieder. Das Martinisömmerchen ist ein Beispiel in der umgekehrten Richtung. Und so wenig der Heilige Martin zuständig dafür ist, dass noch einmal etwas Wärme erlebt werden kann, bevor der Winter endgültig das Zepter übernimmt, so wenig sind die Eisheiligen Patrone gegen Frostschäden und schon gar nicht Schaden stiftende Spielverderber. Die Alten haben einfach mit dem Heiligenkalender gelebt und ihn benutzt, um Daten festzulegen. Darum treten die Heiligen auch in den Bauernregeln auf. "An Augustin geh'n die warmen Tag dahin" tönt ja auch besser als "Am 28. August geh'n die warmen Tag dahin". Die Rede von den Eisheiligen ist also so etwas wie eine Bauernregel.

Die Eisheiligen sind keine Ersatz für eine Versicherung. Sie mahnen vielmehr zu Vorsicht. Frostempfindliche Pflanzen sollte man besser erst nach ihnen ins Freie setzen. Vielleicht gilt Ähnliches überhaupt bei der Heiligenverehrung. Bei Zahnweh rufen wir normalerweise nicht mehr die Heilige Apollonia an, der bei ihrem Martyrium die Zähne ausgeschlagen worden waren, sondern gehen zum Zahnarzt. Gefragt ist heute weniger die Wunder wirkende Kraft der Heiligen als ihr Leben aus dem Glauben als ein Vorbild und wohl auch als Mahnung.

PS Die Bezeichnung "Eisheilige" stammt noch aus der Zeit, als der julianische Kalender galt. Das heisst, sie wurden zehn Tage später gefeiert als heute unter dem gregorianischen Kalender. Tatsächlich sagen uns die Meteorologen, dass heute die Tage um Mitte Mai nicht besonders von Kälte bedroht sind, hingegen etwas später die sogenannte "Schafskälte" sich durchaus statistisch nachweisen lässt.


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