Sonntagsgedanke – 14. Januar 2018

Der Jahreskreis, der kirchliche Alltag hat uns wieder. Inmitten dieses Alltags soll aber das Weihnachtsfest nachklingen, uns ermahnen und ermutigen: Gott wurde Mensch und ER wird für uns bis zum Äussersten gehen, bis ans Kreuz. Ein solcher Gott wird uns Menschen nie fallen lassen, auch nicht in der Stunde unseres Todes.

Wenn im Evangelium des 2. Sonntages im Jahreskreis die Berufung der Jünger Jesu erzählt wird, dann sind WIR HEUTE angesprochen. Jesus beruft uns in seine Nachfolge. Diese Nachfolge wird uns herausfordern, den Weg des Friedens, der Barmherzigkeit, der Versöhnung und der Liebe zu gehen. Ja, das wird da und dort eine grosse Herausforderung sein, denn, wer möchte sich schon verwundbar machen? Gerade darum geht es in der Nachfolge Jesu, nämlich verletzbar zu sein und nicht aus lauter Schmerz Gewalt zu gebären, die viele Gesichter haben kann.

Erinnern wir uns nochmals an Weihnachten: In einer Krippe liegt ein kleines Kind, Sohn Gottes genannt, ausgeliefert, ohnmächtig und verwundbar. Und erinnern wir uns weiter: Am Kreuz hängt dieser Sohn Gottes später, ausgeliefert, ohnmächtig und verwundbar. Krippe und Kreuz - eine lebendige Predigt zu uns. Verstehen werden wir diese Predigt nur, wenn wir sie ein Leben lang betrachten, immer und immer wieder neu. Der Alltag wird uns hierzu genug Möglichkeiten bieten, in welchen auch wir da und dort genau das erfahren werden: Auslieferung, Ohnmacht und Verwundbarkeit. Und hier fängt sie an, die Nachfolge Christi, die Umkehr aller Dinge. «Kommt und seht!»

P. Benedict


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