1 salve 2/2025 Die Zeitschrift der Klöster Einsiedeln und Fahr 2/2025 Auf blühen 28 Wo Marias Blumen blühen Marianische Botanik auf einem Kleid für die Schwarze Madonna 24 Historische Höhepunkte Einblick in die bewegte Geschichte des Klosters Einsiedeln 6 Garten der Schöpfung Unterwegs mit Gartenschwester Beatrice Beerli aus dem Kloster Fahr 16 Im Klosterwald Bruder Anton Abegg und Pater Lorenz Moser über die Bedeutung des Waldes salveKloster Welt Begegnung
Titelbild: Im Sommer gibt es immer einiges zu tun; mit der Giesskanne in der Hand kümmert sich Schwester Beatrice Beerli um ihre Schützlinge im Propsteigarten des Klosters Fahr. INHALT EDITORIAL Abt Urban Federer Priorin Irene Gassmann 5 REPORTAGE Garten der Schöpfung Im Propstei- und Klostergarten des Klosters Fahr pflegt Schwester Beatrice Beerli alte Sorten und bewahrt die Vielfalt der Schöpfung. 6 PERSPEKTIVE Blütezeit des Lebens Fünf Menschen teilen ihre Gedanken zu Momenten des Wachsens und Aufblühens. 12 MOMENTUM Florale Formen 15 KONTEXT Im Klosterwald Zwischen Bäumen, Blüten und Brettern: Entdeckung des Klosterwalds als Ort des Lernens und der Lebendigkeit 16 AUSFLUG Summendes Aufblühen Propstei St. Gerold: Imker Daniel Berger und Pater Martin Werlen über Bienen, Natur und Spiritualität 19 HINTERGRUND Kräuterkunst und Klosterschmuck Im Garten des Klosters Einsiedeln wird mit Heilkräutern und Blumenschmuck Klostertradition bewahrt. 20 MOMENTUM Vögel in Seide 23 CHRONIK Historische Höhepunkte Ob mit vielen oder wenigen Mönchen – das Kloster Einsiedeln blickt auf Blütezeiten zurück, die Geschichte geschrieben haben. 24 EINBLICK Wo Marias Blumen blühen Ein lang gehegter Traum, ein Hochzeits- kleid – und ein neues Gewand für die Schwarze Madonna 28 REGULA «Das Herz weitet sich auf dem Weg der Gebote Gottes» Pater Christoph Müller über das Aufblühen in der Benediktsregel 31 GASTBEITRÄGE 32 TABULA 38 IMPRESSUM 50 salve 2/2025 Aufblühen Im Frühjahr bestäuben Honigbienen Apfelblüten beim Sammeln von Nektar und Pollen.
4 salve 2/2025 Aufblühen Aufblühen ist mehr als das Öffnen einer Knospe – es ist ein leises Wachsen im Verborgenen, ein behutsames Entfalten. Im benediktinischen Leben vollzieht sich das Aufblühen im Rhythmus von Gebet und Arbeit, im Lauschen auf das Wort und im Miteinander der Gemeinschaft. Durch Geduld, im Vertrauen auf den rechten Augenblick und im achtsamen Umgang mit dem Gestern und Heute öffnet sich ein Weg des Wachsens, der – getragen von Gemeinschaft und Glauben – zum Aufblühen führt.
5 salve 2/2025 Wer sieht bei Wörtern wie Blühen und Aufblühen nicht Blumen, Gärten oder Felder im Frühling vor sich? In dieser Ausgabe von salve werden wir das Erwachen der Natur in unseren Gärten und Wäldern, ja selbst in Blumen am Grab eines Verstorbenen nachempfinden können. Zum Aufblühen gehört auch das Verblühen, Verwelken, Vergehen. Eine Blüte, die verblüht, verschenkt sich, und im Samen keimt bereits neues Leben. Aufblühen ist ein Teil des pflanzlichen Prozesses von Werden und Vergehen: Was blüht, ist vergänglich. Das macht Blüten so kostbar, sie können schlecht konserviert werden, sie verlieren Farbe, Duft und Schönheit. Blüten sind zart und empfindlich. Auch wir Menschen können aufblühen: wenn uns das Herz aufgeht, wenn wir von Freude erfüllt sind. Das kann die Freude über eine Idee, ein Werk, eine Arbeit sein, aber auch die Freude über Begegnungen. Der heilige Benedikt geht in seiner Regel davon aus, dass auch etwas im Herbst des Lebens – also im Alter – aufblühen kann, wenn er sagt: «Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes. Darum wollen wir im Kloster ausharren bis zum Tod.» (Benediktsregel, Prolog, Vers 49–50) Diese Ausgabe setzt sich mit dem Thema Aufblühen auseinander. In der farbenprächtigen Titelgeschichte erzählt Schwester Beatrice Beerli vom öffentlich zugänglichen Laudato si’ Garten im Kloster Fahr. Neben vielen Pflanzen, Blumen und Kräutern laden Tafeln mit Zitaten aus der Enzyklika «Laudato si’» von Papst Franziskus zum Meditieren ein. Sie korrespondieren mit lyrischen Texten von Silja Walter. Diese starken Worte regen an, die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung zu entdecken und Sorge für das «gemeinsame Haus» zu tragen. Benediktinische Klöster pflegen seit jeher Gärten, denn für Benedikt gehört ein Garten zur Grundausstattung eines Klosters: «Das Kloster soll so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet» (Benediktsregel, Kapitel 66). Wann ist eigentlich die Blütezeit des Lebens? Fünf Personen teilen dazu ihre Gedanken und eröffnen vielfältige Perspektiven. Auf einem Spaziergang mit Pater Lorenz Moser und Bruder Anton Abegg tauchen wir gemeinsam in den Einsiedler Klosterwald ein. Vom Wald geht es weiter zu den Bienen in St. Gerold: Die dortige Imkerei ist Teil des Engagements für ein ausgewogenes Ökosystem. Ein weiterer Ausflug führt in die Klostergärtnerei Einsiedeln: Was gehört zur Arbeit der Mitarbeitenden und welche liturgische Symbolik hat Blumenschmuck? Historische Blütezeiten stehen im Mittelpunkt in einem Artikel zur Geschichte des Klosters Einsiedeln. Eine besondere Form des Aufblühens zeigt Verena Zwimpfer, die der Schwarzen Madonna ein Marienkleid geschneidert hat. In den Gastbeiträgen zeigen drei externe Autorinnen weitere Facetten von Aufblühen auf. Dem heiligen Benedikt geht es um einen lebenslangen Weg der Erneuerung. Das Aufblühen ist ein Zeichen des Lebens, der Hoffnung und der Erneuerung. In unseren Gemeinschaften in Einsiedeln und im Fahr erleben wir, wie das Aufblühen in den unterschiedlichsten Formen geschieht. Sei es durch die Rückkehr eines Bruders oder einer Schwester nach einer Zeit der Prüfung oder die Entfaltung neuer Talente nach einer Weiterbildung – dies sind Zeichen des Lebens, die uns ermutigen, weiterzugehen und zu wachsen. Aufblühen erfordert auch Mut. Es bedeutet, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, Gewohnheiten abzulegen und sich zu öffnen. In Zeiten der Unsicherheit und des Wandels kann es leicht sein, sich zurückzuziehen und in der Komfortzone zu verharren. Doch gerade in diesen Momenten sind wir eingeladen, unser Herz zu öffnen und die Möglichkeiten zu erkennen, die uns das Leben bietet. Abt Urban Federer Kloster Einsiedeln Priorin Irene Gassmann Kloster Fahr Liebe Leserinnen, liebe Leser EDITORIAL
salve 2/2025 REPORTAGE «Jeder Tag draussen ist für mich ein frohes Lobpreisen der Schöpfung und ihrer Vielfalt» Unterwegs mit Gartenschwester Beatrice Beerli vom Kloster Fahr – vom ersten Sonnenstrahl bis in die duftende Klosterküche. 6
7 salve 2/2025 Die Erde ist noch feucht und kühl, während die Sonnenstrahlen zusehends Kraft gewinnen. Im Propsteigarten des Klosters Fahr tanzen erste Insekten summend von Blüte zu Blüte: Zwischen Fenchel, Kohlrabi, Kapuziner- erbsen und Rosmarin steht Schwester Beatrice Beerli. Sie hebt behutsam ein Blatt an, prüft den Boden, lächelt. Mit dem Herzschlag der Natur Schwester Beatrice macht ihren ersten Rundgang durch den Propsteigarten und den Klostergarten jeweils schon früh am Morgen: «Mein Tagesablauf richtet sich nach dem Rhythmus der Natur. Morgens früh, oft schon vor dem Frühstück, gehe ich durch den Garten, sammle zum Beispiel die Schnecken ein, prüfe den Zustand der Erde und sehe nach meinen Schützlingen.» Auch ihre Aufgaben richten sich nach den Gärten und ihren Bewohnern: «Es steht immer etwas an – sei es ernten, aussähen oder pflegen: Die Pflanzen geben den Takt vor, nach dem ich meine Tage und Wochen gestalte.» Schwester Beatrice aus dem Kloster Fahr wird auch Gartenschwester Beatrice genannt – was ihre tiefe Verbundenheit mit der Natur und ihrer Berufung widerspiegelt: Seit fast drei Jahrzehnten pflegt sie mit Hingabe den Propsteigarten und den Klostergarten. Dabei tut sie weit mehr, als Beete zu bestellen und die Natur zu hegen und zu pflegen. Für Schwester Beatrice ist der Garten ein Ort des Glaubens, des Wissens und der Gemeinschaft – und nicht zuletzt eine spirituelle Aufgabe. So bewahrt sie altes Wissen, kultiviert alte Gemüsesorten und arbeitet im Einklang mit der Natur. Auch teilt sie ihr Wissen gern mit Besuchern und Besucherinnen, Praktikantinnen und Gästen des Klosters Fahr: Sie erklärt Pflanzen, erzählt Geschichten alter Sorten und öffnet die Augen für die Wunder der Schöpfung. Gute Nachbarn im Garten der Schöpfung Die Mischkultur auf den rund 500 Quadratmetern des Propsteigartens sowie die reich bepflanzten Beete des grossen Klostergartens sind ihr ganzer Stolz. Nicht ohne Grund: Im öffentlich zugänglichen Propsteigarten wachsen und gedeihen Gemüse, Kräuter, Blumen und Beeren nebeneinander – sozusagen in guter Nachbarschaft: «Manche Pflanzen helfen einander zu wachsen, andere passen weniger gut zusammen. In der Mischkultur schaue ich, wer sich mag – so gedeiht alles besser», sagt Schwester Beatrice. Biodiversität ist hier nicht nur ein Begriff; sie ist gelebte Praxis. Schon bevor Papst Franziskus die Enzyklika «Laudato si’» veröffentlichte, lebte und arbeitete die Gartenschwester nach deren Grundsätzen – wie sie es bereits als Kind auf dem Hof ihrer Eltern gelernt hat. «Besonders am Herzen liegen mir alte Sorten wie Haferwurz, Spargelerbsen, und Kapuzinererbsen. Wenn irgend möglich ziehe ich samenfeste Sorten selbst weiter», sagt Schwester Beatrice. «Ich will zeigen, was es lange in unseren Gärten gab – und was heutzutage zu verschwinden droht.» Vielfalt als göttliche Gabe Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, beschreibt die grosse Variabilität des Lebens auf der Erde. Sie umfasst nicht nur die Artenvielfalt – also die Anzahl der verschiedenen Pflanzen und Tiere –, sondern auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Lebensräume. «Mit jeder alten Sorte, die ich pflanze, bewahre ich ein Stück dieser göttlichen Vielfalt», so Schwester Beatrice. «Diese Pflanzen sind nicht nur nützlich für uns, sie bieten auch Nahrung und Lebensraum für viele wertvolle Insektenarten. Wenn etwa die Blüten der Karde aufgehen, saust und braust es im Propsteigarten: Das ist Leben pur!» Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war diese Vielfalt in Bauerngärten selbstverständlich. Mischkulturen dominierten: Gemüse, Heilkräuter, Blumen und Obstbäume wuchsen nebeneinander. Jede Familie nutzte alte, an die lokalen Bedingungen angepasste Sorten. Diese Gärten waren wahre Paradiese für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Heute hingegen setzen viele Gärten auf wenige, hochgezüchtete Pflanzenarten. Monokulturen und pflegeleichte Rasenflächen haben die Biodiversität vielerorts stark reduziert. «Dabei haben alte Sorten auch Eigenschaften, die sie widerstandsfähig gegen Klimaeinflüsse, Schädlinge und Krankheiten machen. Sie benötigen weniger Dünger und sind sehr robust.» Ort des Gebets und der Begegnung «Die Arbeit im Garten ist für mich auch Ausdruck meines Glaubens und meiner Verbindung zu Gott. Jeder Tag draussen ist für mich ein Gebet, ein frohes Lobpreisen der Schöpfung und ihrer Vielfalt», sagt Schwester Beatrice. Und das Lobpreisen bleibt nicht im Verborgenen: Wer durch die Beete des Propsteigartens spaziert, entdeckt entlang der Klostermauer Tafeln mit Zitaten aus der Enzyklika «Laudato si’». Diese sind auf Anregung einer ehemaligen Novizin entstanden, die häufig im Kloster Fahr zu Gast ist. Sie hatte sich bereits intensiv mit der Enzyklika «Laudato si’» auseinandergesetzt und wollte die spirituelle Dimension des Gartens weiter fördern. «Die Tafeln sollen den Besucherinnen und Besuchern Informationen an die Hand geben und sie einladen, selbst innezuhalten, zu meditieren und Gott in der Natur zu begegnen.» So regen Zitate aus der Enzyklika «Laudato si’» von Papst Franziskus zur Reflexion über den Umgang mit der Schöpfung und die Verantwortung der Menschen für die Bewahrung der Natur an. Ergänzt werden sie durch poetische Texte der Benediktinerin und Dichterin Silja Walter, die dem Garten eine literarische Dimension verleihen.
8 salve 2/2025 Malve enthalten heilende Schleimstoffe, die beruhigend auf entzündete Schleimhäute wirken – besonders bei Beschwerden im Mund- und Rachenraum, den Atemwegen oder im Magen. Viele der heute bekannten Kräuter – vom Salbei bis zum Lavendel – verdanken ihre Verbreitung den Klöstern, die das Wissen über ihre Heilkraft bewahrten und weitergaben: «Die Wallwurzsalbe stelle ich selbst her. Ich kombiniere sie mit dem Chäslichrut, um ihre entzündungshemmende Wirkung zu verstärken», sagt die Gartenschwester. «Im Sommer mache ich auch mein Kräutersalz, das wir im Klosterladen verkaufen», so Schwester Beatrice. Sie mischt es aus frischen Kräutern aus dem Propsteigarten. Anis- und Nussguetzli, zwei beliebte Gebäcke aus der Klosterküche, werden ebenfalls im Klosterladen angeboten. Gesegnete Kräutersträusse Die Kräutervielfalt im Propsteigarten hat auch eine spirituelle Bedeutung: «Am 15. August, zu Maria Himmelfahrt, binden wir über 100 duftende Kräutersträusse, die im Gottesdienst gesegnet werden. Sie symbolisieren die HeilGewandet für das Werk im Garten Schwester Beatrice geht mit festem Schritt durch den Garten, erklärt Pflanzensorten und freut sich an den vielen Bienen, Hummeln und Schmetterlingen, die hier ihre Nahrung finden. Dabei fällt der Blick auf ihr schlichtes, blaugraues Gewand: «Für die Gartenarbeit trage ich immer mein Arbeitskleid – es ist praktischer als der Habit.» Im Kloster Fahr, wie in vielen benediktinischen Gemeinschaften, tragen die Schwestern traditionelle Ordenskleidung in Schwarz und Weiss, die sich durch Einfachheit und Funktionalität auszeichnet. Der Habit ist ein sichtbares Zeichen ihrer Ordenszugehörigkeit und symbolisiert das klösterliche Leben der Einfachheit und Hingabe. Für körperliche Arbeit wie Gärtnern gibt es im Kloster Fahr – wie in vielen Orden – jedoch Arbeitskleidung aus robustem Stoff. «In meiner Arbeitskleidung kann ich mich frei bewegen und die Arbeit geht leichter von der Hand.» Grüne Apotheke und süsse Versuchung «Heil- und Küchenkräuter spielen seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle in Klostergärten», sagt Schwester Beatrice, während sie an einem riesigen, blühenden Rosmarin, einer stattlichen Königskerze und dem kleinen Chäslichrut vorbeigeht. Das Chäslichrut – die Wilde Malve – gehört zu ihren Lieblingen: Die eher unscheinbare Pflanze zählt zu den ältesten Heilpflanzen Europas: «Das Chäslichrut ist für mich ein ganz besonderes Kräutchen», so Schwester Beatrice lächelnd. «Ich verwende es gern, weil es entzündungshemmend wirkt.» Die Blüten und Blätter der Wilden «Wir sind praktisch Selbstversorgerinnen.» Schwester Beatrice Beerli
9 salve 2/2025 kraft und den Segen der Pflanzen», so Schwester Beatrice. Dieser Brauch, der bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht, erinnert an die Überlieferung, dass beim Öffnen von Marias Grab wohlriechende Kräuter und Blumen gefunden worden seien. Die gesegneten Sträusse, auch Würzbüschel genannt, sollen Heil- und Schutzkräfte entfalten. Sie enthalten viele Heilkräuter wie Alant, Baldrian, Beifuss, Johanniskraut, Kamille, Königskerze, Salbei oder Wermut sowie Ähren der wichtigsten Getreidearten. Nach der Segnung werden sie mit nach Hause genommen, getrocknet und im Haus verteilt – oft im Herrgottswinkel. Dort sollen sie Schutz, Heil und Wohlergehen bringen und galten früher auch als Abwehrmittel gegen Unheil wie Feuer oder Gewitter. Von der Bäuerinnenschule in den Klostergarten Die Sonne steht bereits hoch über dem Propsteigarten – entlang der schmalen Wege blühen duftende Blumen in leuchtenden Farben. Schwester Beatrice erinnert sich an ihren eigenen Weg, der sie in diesen Garten geführt hat: Auf einem Bauernhof im Thurgau aufgewachsen, spürte sie schon als junges Mädchen ihre tiefe Verbundenheit zur Natur. «Ich besuchte dann die Bäuerinnenschule hier im Kloster Fahr.» Dort lernte Schwester Beatrice landwirtschaftliches Wissen und Hauswirtschaft und kam zum ersten Mal mit dem klösterlichen Leben in Berührung. Die Gemeinschaft der Schwestern, ihre Spiritualität und die Nähe zur Natur beeindruckten sie tief. Nach der Schule arbeitete sie zunächst in der Haushaltspflege und unterstützte Bauernfamilien. Doch das klösterliche Leben liess sie nicht los: 1969 trat sie in die Benediktinerinnen-Gemeinschaft des Klosters Fahr ein. Nach einem Jahr als Kandidatin begann sie das Noviziat, das sie auf das Leben in der Ordensgemeinschaft vorbereitete. Auch wenn der Abschied von der Familie und dem vertrauten Leben auf dem Bauernhof nicht leicht war, spürte sie, dass dies ihr Weg war. 1996 übernahm sie schliesslich den Propsteigarten: «Anfangs hatte ich keine nennenswerte gärtnerische Ausbildung, aber ich wollte und will immer mehr wissen und durfte verschiedene Kurse besuchen: Die Klostergemeinschaft hat mich stets liebevoll unterstützt.» Heute begleitet Schwester Beatrice auch Menschen: «Ich leite Gartenführungen und arbeite mit jungen Frauen, die bei uns Praktika machen. So gebe ich mein Wissen und meine Freude weiter.» Besonders schätzt sie auch die Begegnungen mit den Besucherinnen und Besuchern des öffentlichen Propsteigartens. «Viele berichten, dass sie beim Betreten des Gartens eine besondere Kraft und Ruhe spüren.» Nun mit 77 Jahren richtet Schwester Beatrice ihren Blick auch nach vorne – natürlich ist da die Sorge, was mit dem Garten passiert, wenn sie ihn nicht mehr pflegen kann. «Vielleicht übernimmt den Garten eines Tages jemand von aussen, der das gleiche Herz für die Wunder der Schöpfung hat.» Junge Frauen, die im Rahmen von Praktika mitarbeiten, lassen diese Hoffnung wachsen: «Der Garten ist nicht nur für uns. Er ist auch für die kommenden Generationen.»
10 salve 2/2025 Ort der Fülle Vom Platz, an den der öffentliche Propsteigarten grenzt, führt ein Tor hinter die Klostermauern. Schwester Beatrice zieht den Schlüssel aus ihrem Arbeitskleid hervor: Das Tor schwingt mit einem leisen Knarren auf, während ein kleiner Bach Eintretende gurgelnd begrüsst: Der idyllische Klostergarten ist eine Welt für sich. Hier wird vor allem Gemüse gezogen: In herkömmlichen Beeten, in Hochbeeten und in Gewächshäusern. «Wir sind praktisch Selbstversorgerinnen», sagt Schwester Beatrice. «Was wir nicht frisch essen, frieren wir ein. So haben wir auch im Winter unsere eigenen Vorräte.» Auch diese Beete sind in Mischkultur bepflanzt, Kräuter und Blumen säumen die Wege und fördern die Biodiversität: Ein Teil des Geländes ist zudem bewusst als Naturgarten gestaltet. Totholz und Steinhaufen bieten Lebensraum für Insekten und Kleintiere, ein kleiner Teich lockt Frösche und Libellen an. Und auch hier lebt die Philosophie von Laudato si’ – die Bewahrung der Schöpfung im Einklang mit der Natur: Chemische Mittel kommen grundsätzlich nicht zum Einsatz. «Als Dünger verwende ich Jauchen – zum Beispiel aus Brennnesseln –, gegen Schädlinge helfen effektive Mikroorganismen sehr gut», sagt Schwester Beatrice. Die Schafe des Klosters würden ebenfalls einen Beitrag leisten: Sie weiden auf den Wiesen im Klostergarten. Ihre Jauche dient auch als natürlicher Dünger und ihre Wolle mischt die Gartenschwester unter die Beete, da sie wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium und Phosphor enthalten. «Auch schützt die aufgelegte Schafswolle die Beete vor Temperaturschwankungen: So habe ich etwa in den Gewächshäusern auch im Winter ein wunderbares Klima für Wintersalate und Kohlgewächse», sagt Schwester Beatrice. Ein Kreis aus Arbeit und Segen Am Ende des Rundgangs fällt der Blick durch eine offene Tür in die geräumige Klosterküche. Der schwere Duft von süssem Rhabarber liegt in der Luft. Schwester Monika Ulrich steht am Herd und rührt sprudelnd kochende Marmelade ein: «Alles, was Schwester Beatrice bringt, verarbeiten wir mit Freude und Sorgfalt», sagt sie lächelnd. Die Gartenschwester und die Mitarbeiterinnen in der Klosterküche arbeiten seit Jahrzehnten Hand in Hand: «Ich gebe den Köchinnen regelmässig Bescheid, was bald reif ist: Sie überlegen dann, was sie daraus zaubern können», sagt Schwester Beatrice. «Nichts wird verschwendet, und alles findet seinen Platz auf dem Tisch.» So nähren der Klostergarten und der Propsteigarten Körper, Geist und Seele: «Es ist ein grosses Glück, von dem zu leben, was man mit eigenen Händen gepflegt hat. Und es hält gesund – nicht nur den Körper, sondern auch das Herz», sagt Schwester Beatrice. ◆ Der Propsteigarten des Klosters Fahr ist ein Bioterra-Garten. Bioterra ist die führende Organisation für Bio- und Naturgärten in der Schweiz und setzt sich für ökologisches, giftfreies Gärtnern ein. Bioterra-Gärten werden naturnah gestaltet, fördern die Artenvielfalt und verzichten auf Kunstdünger und Pestizide.
11 salve 2/2025 «Laudato si’» Ein Ruf aus dem Garten der Schöpfung «Unser gemeinsames Haus ist wie eine Schwester, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schliesst.» – Papst Franziskus, «Laudato si’», Nr. 1 Grundstein für die katholische Umweltbewegung ist die Enzyklika «Laudato si’» (gelobt seist du), die der kürzlich verstorbene Papst Franziskus bereits 2015 veröffentlichte. Eine Enzy- klika ist ein päpstliches Rundschreiben. Das Prinzip stammt aus der Antike. Damals waren es Fürsten und Richter, die mit solchen Rundbriefen Gesetze und Normen verbreiteten. Die päpstlichen Enzykliken richten sich primär an alle Bischöfe und Gläubigen – aber auch an alle Menschen guten Willens. Sie behandeln meistens wichtige Fragen zu Glauben, Moral, Ethik, Theologie und sozialer Verantwortung. Traditionell wird sie in Lateinisch verfasst – die ersten Worte der Schrift geben der Enzyklika ihren Titel. Der Papst besitzt die oberste Lehrgewalt der katholischen Kirche. Entsprechend haben seine Enzykliken hohes Gewicht in der Glaubensgemeinschaft und gelten als verbindlich. Die päpstlichen Rundschreiben sollen die katholische Lehre erläutern, die Glaubensgemeinschaft ermutigen oder ermahnen. Das gilt auch für Papst Franziskus’ Aufruf für die Umwelt: In seiner Enzyklika «Laudato si’» schreibt er 2015, dass Themen zum Umweltschutz unweigerlich mit der Armutsbekämpfung und Bestrebungen zur Achtung der Menschenwürde verknüpft sind. Er spricht von einer «einzigen, umLaudato Si’ Movement Weltweite katholische Umwelt- bewegung, die 2015 im Anschluss an die Veröffentlichung der Enzyklika «Laudato si’» von Papst Franziskus gegründet wurde. Franziskus von Assisi (1181 oder 1182–1226), gemalt von Giotto di Bondone (1267 oder 1276–1337). Er predigt Vögeln – ein Symbol seiner Verbundenheit mit der Schöpfung. Das Bild ist auf dem Titelbild der offiziellen Broschüre zu «Laudato si’». fassenden sozio-ökologischer Krise» und fordert ein grundlegendes Umdenken in Wirtschaft, Politik und beim Lebensstil. Er kritisiert Überkonsum, Verschwendung und Raubbau natürlicher Res- sourcen sowie den gegenwärtigen Lebensstil der Menschheit. Papst Franziskus fordert eine ganzheitliche Ökologie, die umweltbezogene und soziale Fragen zusammen betrachtet. Er betont, dass besonders die Armen von der Umweltkrise betroffen seien. Seine Enzyklika richtet sich an «jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt» und fordert internationale Solidarität sowie gemeinsames Handeln. Die Enzyklika «Laudato si’» gilt als Meilenstein für die katholische Soziallehre und als wichtiger Impuls für die weltweite Umwelt- und Klimadebatte. Wie Vatikan-Fachpersonen sagen, hat sie gute Chancen, in die grossen Enzykliken der Neuzeit einzugehen – ist es ihr doch gelungen, eine breite gesellschaftliche und politische Diskussion anzustossen.
12 salve 2/2025 Blütezeit des Lebens PERSPEKTIVEN Ist Aufblühen eine Frage des Alters? Fünf Menschen antworten: Es ist vor allem eine Frage der inneren Haltung, der spirituellen Verbundenheit und der Offenheit für Sinn und Schönheit im Moment. Was bedeutet für Sie persönlich «Blütezeit des Lebens»? Hat sich diese Bedeutung im Laufe der Jahre verändert? Früher dachte ich, dass Verliebtsein, die Zeit der Familiengründung oder eine erfüllende Berufstätigkeit die Blütezeit sei. Von einem Vortrag von Verena Kast zum Thema Wechseljahre ist mir ein Satz besonders hängen geblieben: «Wir dürfen nicht den Verlust beweinen – denn wir wachsen in eine neue Fruchtbarkeit hinein.» Ich bin 74 Jahre «jung» und spüre eine grosse Freiheit in der Lebensgestaltung: Dasein für die Enkelkinder, Zeit für das Ehrenamt, Zeit zur Pflege von Freundschaften … auch für unsere Goldene Hochzeit möchte ich der Frage nachgehen, was in unserer Partnerschaft neu aufblühen will. Wann blühen Sie persönlich auf ? Beim Singen, in der Musik, in erhebender Liturgie, wenn sich in einem Konflikt eine friedliche Lösung abzeichnet, in einer wohlwollenden Begegnung, die von gegenseitigem Vertrauen getragen ist, – und natürlich im ganz wortwörtlichen Sinn: im Aufblühen der Natur. Dazu gibt es ein beeindruckendes Foto von St. Gerold aus der Coronazeit: Die Propstei ist menschenleer, aber ein blütenweisser Blumenteppich kleidet diese Oase in ein Brautgewand – das war ein starkes Hoffnungszeichen. Wie hat Ihre Arbeit mit Tod und Trauer Ihre eigene Sicht auf das Leben und das Aufblühen verändert? Als 2008 innerhalb weniger Monate meine Mutter und mein Bruder starben, ist mir ein Gedicht von Hilde Domin ins Herz gefallen. «Kostbarster Unterricht an den Sterbebetten» habe ich damals auch auf die Trauerkarte geschrieben. So erinnert mich jeder Abschied an diese Frage: Was lehrt mich dieser Tod? Eine Antwort dazu gibt mir Angelus Silesius: «Mensch, werde wesentlich!» Bei jedem Abschied lerne ich für mich: Welchem Auftrag möchte ich noch mehr nachspüren? Welchen Fragen in zwischenmenschlichen Beziehungen möchte ich mutig nachgehen? Gerne «verkündige» ich Was bringt Sie zum Aufblühen, persönlich und in Ihrer Rolle als Priester? Mich persönlich bringen vor allem Momente in der Natur zum Aufblühen. Das kann auf einem Berggipfel sein, aber genauso in einer stürmischen Winternacht. In meiner Rolle als Seelsorger bin ich viel mit als Gestalterin von Totenwachen und als Referentin bei Trauerseminaren in Trostgebeten den Psalm 126 (Übersetzung von Martin Gutl): «Wenn Gott uns heimführt aus den Tagen der Wanderschaft, das wird ein Fest sein.» «Früher dachte ich, dass Verliebtsein die Blütezeit sei oder die Zeit der Familien- gründung oder eine erfüllende Berufstätigkeit. » MAGDALENA BURTSCHER Magdalena Burtscher ist seit 50 Jahren verheiratet, hat vier Söhne und acht Enkelkinder. Seit einem halben Jahrhundert ist die Propstei St. Gerold ihr spirituelles Zuhause, wo sie sich vielfältig engagiert. «Begleite ich Menschen auf der Sonnenseite ihres Lebens, wie bei einer Taufe oder einer Hochzeit, erlebe ich hautnah Momente des Aufblühens.» PATER AARON BRUNNER Pater Aaron Brunner ist Benediktinermönch im Kloster Einsiedeln und als Seelsorger in der Pfarrei tätig.
13 salve 2/2025 Menschen unterwegs. Begleite ich Menschen auf der Sonnenseite ihres Lebens, wie bei einer Taufe oder einer Hochzeit, erlebe ich hautnah Momente des Aufblühens. Ich blühe aber auch in unscheinbaren Momenten ganz unerwartet auf. Zum Beispiel wenn vor dem Tod noch Versöhnung möglich ist, wenn plötzlich noch mal die Augen aufleuchten, kurz vor dem letzten Atemzug, selbst im grössten Schmerz drin – dann erlebe ich das als Aufblühen. Was bedeutet für Sie persönlich «Blütezeit des Lebens»? Hat sich diese Bedeutung im Laufe der Jahre verändert? Ich nehme das Leben mit dem Älterwerden intensiver wahr. Ich teile mein Leben in der Begegnung mit anderen Menschen – diese Erfahrung lässt mich wachsen. Es macht mich demütiger und dankbarer für die Momente, in denen ich sehe, dass ich gesund sein und das Leben geniessen darf. Denn ich habe alles, was ich zum Leben brauche. In diesen Momente sage ich mir selber: Ich habe ein erfülltes Leben und brauche nicht ein langes Leben. Ich habe schon so viel Blüten erlebt. Gibt es Rituale oder Gebete, die Ihnen helfen, immer wieder neu aufzublühen? Ich bin jemand, der immer wieder in die Natur raus muss. Merke ich, dass mir die Kraft im Alltag fehlt, dann muss ich mich bewegen. Dann gehe ich in die Natur und suche bewusst die Orte auf, die mir guttun. Das sind kleine Berggipfel, aber auch Orte wie Flüeli-Ranft oder eine Kapelle, in der ich den Sonnenuntergang geniesse und mein Abendgebet verrichte. Was bedeutet für Sie persönlich«Blüte- zeit des Lebens»? Hat sich diese Bedeutung im Laufe der Jahre verändert? Als Jugendlicher neigte ich dazu, Menschen ab einem Alter um die 50 als alt, stur und visionslos – eben verblüht – zu taxieren. Heute stehe ich selbst an dieser Stelle und glaube, dass ich falsch lag. Ich nehme in meinem Umfeld viele Menschen wahr, die sich in neue innere oder äusserliche Abenteuer stürzen und dabei aufblühen. Es gibt in jeder Jahreszeit Pflanzen, die blühen – selbst im Winter! Analog dazu glaube ich, dass es in jedem Lebensabschnitt «Blütezeiten» gibt. Manchmal kommt der Drang dazu von innen und manchmal drängt einen das Leben von aussen zu einem Schritt ins Unbekannte; wie die Blumenknospe, die sich von selbst öffnet oder von einer ungeduldigen Hummel von aussen geöffnet werden kann. Was inspiriert Sie als Lehrer, Ihre Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, ihre eigenen Wurzeln zu finden und aufzublühen? Die jungen Menschen sind unsere Zukunft; sie werden ihren eigenen Weg finden und gehen dürfen und auch dazu beitragen, in welche Richtung die Welt als Gesamtheit sich entwickeln wird. Sie in ihrem Aufblühen zu unterstützen und dabei erprobte Werte wie kritisches Denken, Mitgefühl und Hoffnung als Unterstützung anzubieten, ist für mich etwas sehr Erfüllendes. Wie hat Ihre eigene Erfahrung als Lehrer an der Stiftsschule Sie persönlich wachsen und aufblühen lassen? Der tägliche Umgang mit jugendlichen Menschen, die vor Energie strotzen, neue Ideen haben, das Leben geniessen und ihre Freude teilen wollen, ist aus meiner Sicht ein Privileg von uns Lehrpersonen: Denn diese Energie überträgt sich auch auf uns und hält uns geistig wach! Zudem hat der Austausch mit unseren Benediktinermönchen mein spirituelles Wachsen immer wieder positiv beeinflusst. Für beides bin ich sehr dankbar. Was bedeutet für Sie «Blütezeit des Lebens» und wann denken Sie, ist die Blütezeit des Lebens? Die Blütezeit des Lebens ist für mich die Zeit, in der man am meisten im «Manchmal kommt der Drang dazu von innen und manchmal drängt einen das Leben von aussen zu einem Schritt ins Unbekannte.» MATTHIAS LÜTHI Matthias Lüthi wohnt mit seiner Familie im Bezirk Einsiedeln. Er ist Lehrer für Deutsch und Philosophie an der Stiftsschule Einsiedeln. «Es ist die Zeit, in der man von all dem Schlechten heilen und aus all den Erlebnissen lernen kann.» CHIARA KNOBEL Chiara Knobel ist 17 Jahre alt und geht in die 5. Klasse an der Stiftsschule Einsiedeln.
14 salve 2/2025 Wie fühlt es sich an, wenn man 79 Jahre lang in einem Leben verwurzelt ist – blüht man immer wieder neu auf ? Das Aufblühen einer Knospe braucht Zeit und Geduld. Es ist wie in der Natur. Es gibt Zeiten, wo ich vergleichbar mit einer Knospe sagen kann: «Jetzt isch mir es Liechtli ufgange.» Zum Beispiel ein schöner Gedanke beim Gebet, eine gute Lösung bei der Arbeit oder ein positives Gelingen bei einem neuen Entwurf. Gibt es ein Werk aus der Töpferei oder der Paramentenwerkstatt, das für Sie wie ein Symbol Ihrer eigenen Blütezeit steht? In der Töpferei erlebte ich viele Blütezeiten, besonders wenn grosse Werke wie Krippen, Weihnachtstürme oder Reliefs ohne Sprünge und Glasurfehler aus dem Ofen kamen. In der Paramentenwerkstatt erlebe ich beglückende Momente, wenn zum Beispiel ein neues Stola-Muster zum «Renner» wird oder sich an Ostern ein neues Motiv auf der Osterkerze zeigt. Einfach gesagt: Ich blühe auf, wenn ein Gedanke Wirklichkeit wird, Form annimmt, wie der grosse Weihnachtsturm. ◆ Was bedeutet für Sie persönlich «Blütezeit des Lebens»? Hat sich diese Bedeutung im Laufe der Jahre verändert? Blütezeiten waren für mich die ganz besonderen Abschnitte im Laufe der Klosterjahre: die Einkleidung, die Einfache Profess, die Feierliche Profess und nach 50 Jahren die Goldene Profess. Was der Höhepunkt sein wird – darauf warte ich noch – die Ewigkeit. War Ihr Eintritt ins Kloster ein Moment des Aufblühens für Sie? Wenn ich mich an die Anfangszeit erinnere, so denke ich im Nachhinein, es war schon wie ein Aufblühen – endlich da – aber verbunden mit vielen Knospen, die Überraschungen bereithielten. Einklang mit sich selbst und mit Gott lebt und man einfach dankbar für alles ist. Es ist die Zeit, in der man von all dem Schlechten heilen und aus all den Erlebnissen lernen kann. Wer ein unterstützendes Umfeld hat, bekommt die Chance, richtig schön aufzublühen. So kann man genau so sein, wie Gott einen geschaffen hat – einzigartig, wunderbar und liebend. Und dadurch, dass man selbst so blüht, strahlt man in seinem ganzem Umfeld seine innere Zufriedenheit aus – wie eine Blume ihre Pollen durch den Wind verteilt. Wie fühlt es sich an, durch den Glauben aufzublühen? In den letzten paar Jahren durfte ich Gott noch einmal ganz neu und persönlich kennenlernen. Ich erlebe täglich, dass Gott nicht ein ferner Gott ist, sondern ein Gott, der einen durch sein Leben begleitet und einem auf Augenhöhe begegnet. Gerade in schwierigen Zeit gibt er mir neue Kraft und richtet mich liebevoll wieder auf. Mit seiner Unterstützung darf ich neu aufblühen und ein Stück seiner Liebe meinem Umfeld weitergeben, da ich von ihm immer wieder neu beschenkt werde. Was sind Ihre Träume und Ziele für die Zukunft, und wie möchten Sie in den kommenden Jahren aufblühen? Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem, in meiner Identität noch stärker zu wachsen und aufzublühen – sprich in dem, wer ich wirklich bin und was Gott über mich sagt. Beruflich möchte ich etwas Sinnvolles tun, das Menschen guttut, sei das Kinder betreuen oder auf Mission gehen und dabei Menschen unterstützen. So zu sein, wie man wirklich ist und dabei nicht von allen angenommen werden, genau das lehrte uns auch Jesus. Daran erinnere ich mich selbst immer wieder. Ich glaube auch, dass Gott jede und jeden von uns zum Blühen bringen will – auf seine Art, in seiner Zeit. Und ich freue mich darauf, es Stück für Stück zu erleben. «Es gibt Zeiten, wo ich vergleichbar mit einer Knospe sagen kann: Jetzt isch mir es Liechtli ufgange.» SCHWESTER MATTHÄA WISMER Schwester Matthäa Wismer trat 1967 ins Kloster ein, wo sie zwei Jahre später ihre Leidenschaft für das Arbeiten mit Ton entdeckte. Zwischen 1975 und 2006 schuf sie über 40 Krippen für verschiedene Pfarreien und Kantone. Seit knapp 20 Jahren ist sie in der Paramentenwerkstatt tätig.
15 Florale Formen MOMENTUM Blühender Stuck im Alten Kapitelsaal von Einsiedeln: Im 18. Jahrhundert schufen Meister des Barocks florale Ornamente, Sinnbilder des Paradieses. Schönheit, Glaube und Kunst verschmelzen – ein stiller Garten aus Gips, der Himmel und Erde verbindet.
16 salve 2/2025
17 salve 2/2025 Im Klosterwald KONTEXT Der eine sieht Drechselholz, der andere die Verantwortung für 1000 Hektar Wald: Pater Lorenz Moser und Bruder Anton Abegg auf einem Spaziergang durch den Klosterwald Einsiedeln. Das junge Grün von Sträuchern leuchtet im Frühlingslicht, die Natur in Einsiedeln ist kurz davor aufzublühen. Pater Lorenz Moser und Bruder Anton Abegg spazieren an einem sonnigen Nachmittag im Mai entlang des Johannisbächlis, gleich beim Kloster Einsiedeln. Pater Lorenz kennt den Wald als ehemaliger Statthalter des Klosters Einsiedeln aus der Perspektive der Verantwortung und Organisation. Bruder Anton ist gelernter Zimmermann und erfasst mit wachsamem Auge jedes Detail der Natur. Ihr Ziel ist der Waldlehrpfad, der durch den Klosterwald führt. Waldwissen direkt vor der Klosterpforte Der Wald- und Naturlehrpfad ist ein Themenweg für Gross und Klein. Er beginnt südlich des Klosterareals am Johannisbächli. Auf dem 3,5 Kilometer langen Rundweg gibt es an 15 Stationen Wissenswertes über den Wald zu entdecken. Entstanden ist der Lehrpfad vor 20 Jahren auf Initiative von zwei Bewohnern aus Einsiedeln: dem Primarlehrer Hermann Betschart und dem Forstingenieur Max Fuchs. «Hermann kannte gerade mal die Namen von acht Bäumen. Das wollten wir ändern. Zudem wollten wir der Bevölkerung Wissen über den Wald näherbringen», so Max Fuchs. Der inzwischen pensionierte Forstingenieur ergänzt: «Der Waldlehrpfad sollte für die Bevölkerung möglichst einfach zu erreichen sein.» Somit sei der Waldabschnitt unmittelbar beim Kloster Einsiedeln auf der Hand gelegen. Die beiden Einsiedler gewannen Pater Lorenz für ihre Idee und konnten die nötige Finanzierung sicherstellen. Auf dem Waldlehrpfad erfahren Besucherinnen und Besucher, wie das Ökosystem Wald funktioniert und warum es schützenswert ist. «Der Lehrpfad ist nicht nur ein Ort des Wissens, sondern auch des Aufblühens. Hier können Besuchende die Natur mit allen Sinnen erleben und selbst zur Ruhe kommen», so Pater Lorenz. Der Weg führt durch abwechslungsreiches Gelände, vorbei an Sträuchern, Bäumen und idyllischen Lichtungen. Für Pater Lorenz bieten die Infotafeln entlang des Waldlehrpfads eine Orientierungshilfe: «Ich kenne mich eigentlich gut aus mit dem Wald. Aber mein Wissen hin und wieder aufzufrischen, schadet nicht.» Mehr als nur Holz Der Weg wird steiler. Als den beiden Mönchen zwei Passanten entgegenkommen, werden herzliche Worte gewechselt. Man kennt sich in Einsiedeln. Bei einem mächtigen Baum sagt Pater Lorenz: «Ich erlebe, dass der Wald für viele Menschen ein spiritueller Ort ist. Manche gehen in den Wald und umarmen einen Baum. So holen sie sich Kraft. Ich bin gern in der Natur, aber für mich kann alles ein Ausgangspunkt für eine Gottbegegnung sein.» Bruder Anton erwidert, einmal habe ihm ein Novizenmeister erzählt, dass er im Wald nur Trämel – also Baumstämme –, Bretter und Holz sehe. «Ich selbst sehe in den Bäumen inzwischen Drechselholz. Du weisst ja, dass ich für mein Leben gern drechsle.» Er zeigt auf einen Ahorn. «Schau mal, wie der Ahorn blüht und zuckersüss riecht. Der Trämel davon wäre perfekt für neue Schalen.» 1000 Hektar gelebte Nachhaltigkeit Der rund 1000 Hektar grosse Klosterwald macht das Kloster Einsiedeln zu einem der grössten privaten Waldbesitzer der Schweiz. Die verschiedenen Waldflächen wurden dem Kloster im Laufe der Zeit als wirtschaftliche Grundlage seiner Existenz geschenkt. Ab 2002 koordinierte Pater Lorenz als Statthalter unter anderem die nachhaltige Bewirtschaftung des Klosterwaldes. In dieser Zeit wurden in Zusammenarbeit mit dem Kanton auch mehrere Parzellen als Sonderreservate mit unterschiedlichen Bewirtschaftungsvorschriften ausgeschieden. 2010 wurde das Amt im Zuge einer Reorganisation abgeschafft und die Verwaltungsaufgaben neu strukturiert. Die naturnahe und innovative Waldbewirtschaftung brachte dem Kloster Einsiedeln eine besondere Anerkennung ein: 2011 erhielt es den BindingPreis für Natur- und Umweltschutz. Der Binding-Waldpreis wurde von 1987 bis 2016 jährlich an einen Schweizer Waldbesitzer vergeben. Der Preis zeichnete Waldbesitzer aus, die sich in vorbildlicher Weise langfristig für die Pflege und Erhaltung ihres Waldes einsetzen. Heute liegt die operative Verantwortung für die Bewirtschaftung des Klosterwaldes bei der Oberallmeindkorporation Schwyz, einer regionalen
18 salve 2/2025 Forstorganisation. Die Sägerei des Klosters verarbeitet weiterhin Holz aus dem eigenen Wald und ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Region. Das Restholz aus der Klostersägerei soll künftig als erneuerbarer Energieträger in einer modernen Heizzentrale genutzt werden, um einen Grossteil der Gebäude in Einsiedeln über ein stetig wachsendes Fernwärmenetz ökologisch mit Wärme zu versorgen. Der Wald als Kraftquelle Das Rascheln des Windes in den Blättern und das Zwitschern der Vögel begleiten Pater Lorenz und Bruder Anton, während sie dem Waldpfad folgen. Der Duft von frischer Erde, feuchtem Holz und blühenden Bäumen liegt in der Luft. «Geht man diesen Weg ganz hoch, hat man einen wunderbaren Ausblick auf den hinteren Sihlsee. Diesen Ausflug kann ich dir empfehlen. Ist das Wetter schön, sieht man in der Ferne das Flachland und zum Teil bis nach Kloten», sagt Pater Lorenz. Bruder Anton entgegnet: «Mein Lieblingsplatz ist gleich am unteren Waldrand, gegenüber der Südseite des Kloster.» Von da aus sehe er zum Kloster runter – «der Wald fühlt sich an wie eine Arena». Die Pflicht ruft, bald ist Vesper. Die beiden Mönche drehen um und spazieren zurück in Richtung Kloster. Bruder Anton atmet tief ein und aus und sagt: «Wenn ich im Wald war und danach ins Chorgebet komme, habe ich viel mehr Luft zum Singen. Ich habe frische Luft und Tannenharz eingeatmet. Das tut mir gut.» Wenn das Holz spricht Bruder Anton stammt aus einer grossen Bauernfamilie und ist mit zwölf Geschwistern aufgewachsen. «Für mich ist der Wald seit Kindsbeinen wichtig. Mein Vater hatte einen Bauernhof und ich war viel mit ihm unterwegs mit Wald.» Der ausgebildete Zimmermann arbeitete einige Jahre im Holzbau, bevor er mit 34 Jahren ins Kloster Einsiedeln eintrat. Nachhaltigkeit, Einfachheit und ein bewusster Umgang mit der Natur sind ihm wichtig – so pflegt er auch ein kleines Gärtchen gleich neben seiner Werkstatt im Kloster: «Ich baue Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und Maispflanzen an.» Bruder Anton zeigt auf ein paar alte Schuhe vor der Werkstatt: «Die Schuhe habe ich selbst getragen und verschiedene Pflanzen hineingesetzt. Sie sind ein beliebtes Fotomotiv für Spaziergängerinnen und Spaziergänger.» Bruder Anton öffnet die Tür zur Werkstatt. Der warme Duft von frischem Holz strömt ihm entgegen. Bruder Anton liebt die kreative Arbeit mit Holz. «Das Holzstück sagt, was es werden will», beschreibt er seine intuitive Herangehensweise. Gerade ist er an der Produktion von Hurlibueben, kleinen Kreiseln. Mitte Juni sei Klostermarkt in Zürich, da wolle er einen Vorrat haben. «Letztes Jahr haben mir die Leute die Hurlibueben aus Ahornholz quasi aus den Händen gerissen.» Schon vor seiner Zeit im Kloster hat Bruder Anton hobbymässig mit Drechseln begonnen und kürzlich einen Kurs in Reichenburg im Kanton Schwyz besucht. Kürzlich habe er einen zehn Meter langen Ahornträmel mit dem Stapler im Wald geholt. «Daraus habe ich jede Menge Schalen gedrechselt.» Neben Schalen, Hurlibueben und Eierbechern stellt Bruder Anton auch Vasen aus Holz her. Die Produkte werden im Klosterladen verkauft. Bruder Anton nimmt ein Holzstück in die Hand: «Wenn ich von Holz umgeben bin, blühe ich förmlich auf.» Und man glaubt es ihm sofort. ◆ «Wenn ich von Holz umgeben bin, blühe ich förmlich auf.» Bruder Anton Abegg Pater Lorenz Moser Pater Lorenz Moser ist seit 1962 im Kloster Einsiedeln. Nach dem Theologie- und Philosophiestudium war er als Philosophielehrer und während 13 Jahren als Rektor der Stiftsschule tätig. Zwischen 2002 und 2010 war er als Statthalter tätig. Er ist Informationsbeauftragter des Klosters und Mitarbeiter in der Wallfahrt. Bruder Anton Abegg Bruder Anton Abegg trat mit 34 Jahren in das Kloster Einsiedeln ein. Zurzeit sorgt er täglich für die Getränke beim Mittag- und Abendessen; zudem reinigt er wöchentlich den Marienbrunnen auf dem Klosterplatz. Seine Leidenschaft gilt dem Drechseln.
19 salve 2/2025 Wenn Daniel Berger bei seinen Bienenvölkern ist, ist er auch ganz bei sich selbst: «Bienen sind wie eine Meditation für mich.» Seit 2015 widmet sich der Vorarlberger mit Hingabe der Imkerei. Was als Faszination begann, wurde rasch zur Berufung – und schliesslich zum Beruf. «Bienen sind unglaublich faszinierend und sehr sensibel: Sie spüren genau, wie es einem geht.» Bringe man bei der Arbeit als Imker oder Imkerin eine innere Ruhe mit, passiere praktisch nie etwas: «Ich arbeite komplett ohne Schutzkleidung in kurzen Hosen und im T-Shirt», sagt Ländle Imker Daniel Berger. Lebendiges Miteinander Zwölf Bienenvölker betreut Daniel Berger auf dem Gelände der Propstei St. Gerold: «Es ist ein paradiesischer Ort mit artenreichen Heuwiesen, Wäldern und einer heute selten gewordenen naturnahen Bewirtschaftung», so der Imker. «Diese Umgebung ist ideal für Bienen – und für den Honig, der hier entsteht.» Anders als in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten fände man in St. Gerold ein Miteinander von Blühpflanzen, Obstbäumen und Wildwuchs. Die klassische Imkerei verschwinde zusehends, dennoch ist für Daniel Berger klar, dass er beim Imkern bleiben will: «Es geht auch um die Bestäubungsleistung – um unseren Beitrag zur Artenvielfalt. Ein Drittel aller Lebensmittel im Supermarkt hängt von der Bestäubung ab.» Ein Ort des Lebens Auch für Pater Martin Werlen, der die spirituelle Leitung der Propstei innehat, sind Bienen essenziell, da sie massgeblich zur Nahrungsmittelproduktion beitragen – aber nicht nur: Der Propst spricht begeistert über das, was rund um ihn wächst und summt. «Natur will erlebt werden. In der Propstei St. Gerold hat die Imkerei eine lange Tradition.» Die Bienenstöcke seien von einem Bruder betreut worden: «Nach dessen Tod wurden sie durch die Betreuung von aussen zunehmend vernachlässigt, bis wir uns 2020 entschieden haben, die Bienenhaltung fortzusetzen und ihren Lebensraum zu schützen.» Dabei verstehe man die angrenzende Natur und den Garten in der Propstei als Raum des Entdeckens: «Ein echter Garten ist ein Ort des Lebens. Da ist Wildes, da ist Überraschendes, da ist Wandel. Das kann man hier auch spüren – dass die Natur aufblüht, sich zeigt, sich verschenkt», sagt Pater Martin. Der Garten in St. Gerold wurde naturnah umgestaltet – mit einer grossen einheimischen Pflanzenvielfalt und Nistmöglichkeiten für weitere Insekten: «Dazu gibt es für die Kinder Naschhecken mit Beeren und natürlich haben wir auch viele Kräuter», so Pater Martin. Natürliche Rhythmen Die Arbeit mit den Honigbienen folgt einem natürlichen Rhythmus: vom Frühling, wenn die Völker rasant wachsen, über den Sommer, in dem Vorräte für den Winter gesammelt werden, bis zur Überwinterung, wenn sich die sogenannten Winterbienen komplett zurückziehen. Im Spätsommer beginnt eine wichtige Arbeit: der Schutz vor der Varroamilbe, die das Überleben der Bienen gefährdet. «Ich setze bei der Bekämpfung der Varroamilbe auf natür- liche Säuren, um das Tierwohl so gut wie möglich zu wahren», sagt Daniel Berger. Raum zum Aufblühen Pater Martin sieht in den Bienenstöcken und der bewussten Gestaltung ihrer Umgebung eine Chance für die Natur – und für die Menschen: «Die Bienen sind Thema einer geplanten sogenannten Reformzelle.» Reformzellen sind thematische Kurse, die Spiritualität, Bildung und Kultur verbinden, um Lösungen für gesellschaftliche und kirchliche Herausforderungen zu entwickeln. «Unsere Bienenvölker sind dabei auch Vorbild für gesellschaftliches Zusammen- leben und Achtsamkeit. Durch das direkte Erleben der Bienen wollen wir den Teilnehmenden ihre Kommunikation, Organisation und ökologische Rolle näherbringen.» Die Philosophie dahinter sei, dass alles miteinander verbunden sei. Pater Martin: «Die Natur soll erlebt werden – sie bietet den perfekten Raum zum Verweilen, Lernen und zum Aufblühen.» ◆ Mehr über den Ländle Imker und St. Gerolds Bienen gibt es online zu entdecken. Summendes Aufblühen AUSFLUG In der Propstei St. Gerold imkert Daniel Berger naturnah – Pater Martin Werlen sieht die Bienenpflege als Zeichen für Achtsamkeit und gemeinsames Wachsen.
20 salve 2/2025 Kräuterkunst und Klosterschmuck HINTERGRUND Die Gärtnerei des Klosters Einsiedeln ist für ihre Heilkräuter sehr beliebt. Im klostereigenen Laden gibt es eine grosse Auswahl zu kaufen. Wenn im Sommer der Wind durch den Herrengarten weht, versprüht er den Duft von Salbei, Thymian oder Pfefferminze. In den Garten der Heilkräuter ziehen sich die Benediktinermönche gern zurück. Der Herrengarten liegt im hinteren Teil des Klosters Einsiedeln. Auf über 1,5 Hektaren wachsen hier fein säuberlich in quadratischen Einheiten sortiert Heilkräuter wie Salbei, Melisse oder Ringelblumen. Früher bewirtschafteten die Mönche den Klostergarten selber. Bruder Konrad Hinder war bis 2001 der letzte Gärtnereichef aus den Reihen der Mönche. Heute tun dies Angestellte des Klosters. Einer von ihnen ist der Gärtner Peter Frick. Er arbeitet seit gut fünf Jahren in der Klostergärtnerei. «Diese Arbeit gebe ich nicht mehr her», sagt der gebürtige Einsiedler. Ihm gefällt die Abwechslung; die Arbeit auf dem Feld, der Kundenkontakt im Klosterladen, die Dekorationsarbeiten in den Kapellen und Kirchen des Klosters zu den Feiertagen. Doch auch die Mönche haben sich nicht ganz von der Gartenarbeit verabschiedet: Pater Gabriel helfe im Herrengarten mit und die jungen Mönche kümmerten sich um den Fratergarten in einem der Innenhöfe, sagt Peter Frick. Heilkräuter für den Heimgebrauch Gärtner Frick verbringt gern Zeit im Kräutergarten: «Man spürt die Ruhe dort.» Im Herrengarten ernten er und die weiteren Angestellten die Heilkräuter, die sie anschliessend im Klosterladen verkaufen. Sehr beliebt bei der regionalen Kundschaft und den vielen Kloster-Besuchenden sei der Klostersirup aus verschiedenen Kräutern oder die vielen Setzlinge. Alles wird biologisch angebaut. Daneben versorgt die Gärtnerei auch die Klosterküche mit eigenem Gemüse. Doch das ist nur ein Teil der Arbeit in der Klostergärtnerei. An den Feiertagen sind die Mitarbeitenden in den Kapellen und Kirchen des Klosters anzutreffen. Dort schmücken sie die heiligen Räumlichkeiten mit Blumen. Für die farbige Pracht ist Isabelle Marty zuständig. Die Gärtnerin erstellt die Gestecke aus Blumen und Immergrün für die Festtage des Kirchenjahrs. In der Sommerzeit ist es meist ruhiger – die grossen Festivitäten zu Ostern, Auffahrt und Pfingsten sind vorbei, das grosse Weihnachtsfest liegt noch in der Ferne. Dennoch hat Isabelle Marty schon in wenigen Wochen wieder alle Hände voll zu tun: Denn am 14. September steht der dekorativ wohl am aufwändigsten und glanzvollsten inszenierte Feiertag an: die Engelweihe. Engelweihe – Einsiedelns speziellster Feiertag Diesen Feiertag gibt es nur im Kloster Einsiedeln. Er stammt aus dem Mittelalter und geht auf eine Legende zurück. Nach der Gründung des Klosters im Jahr 934 reiste 948 Bischof Konrad von Konstanz an, um die Klosterkirche zu weihen. In der Nacht vor der Weihe soll dem Bischof in einer Vision Jesus erschienen sein – wie er von Engeln begleitet vom Himmel herabstieg und die Einsiedler Kapelle zu Ehren seiner Mutter Maria weihte. So lautet die Legende – die seit jeher Scharen von Pilgernden nach Einsiedeln zieht. «Die Engelweihe ist einzigartig und fasziniert die zahlreichen Gäste heute noch», sagt Isabelle Marty. Mit ihren Gestecken aus gelb-violetten Blumen dekoriert sie anlässlich dieses Festtages die Gnadenkapelle, die Hochaltäre und das Podium vor dem Chorgitter, das den Besucherbereich der Kirche von dem Teil abtrennt, der den Mönchen und ihren liturgischen Handlungen vorbehalten ist. «Mit Blumen zu arbeiten, bereitet mir Spass – besonders im Wissen, dass ich damit auch anderen eine Freude machen kann», sagt die Blumenspezialistin. Für ihre Arbeit verwendet sie Schnittblumen, die nicht im Kloster gezogen werden. Isabelle Marty richtet sich bei ihren Kreationen nach den liturgischen Farben, die mit einer starken religiösen Symbolik verbunden sind. Blumenschmuck mit liturgischer Symbolik So dekoriert sie zur Engelweihe gelb-violett, zu Weihnachten rosa-weiss und zu Ostern gelb-weiss. Gelb und Weiss sind die Farben des Lichtes, des Glaubens, der Vollkommenheit, Unschuld und der Ewigkeit. Sie werden zu
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