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Sonntagsgedanke - 3. Februar 2019

Fast ein Gleichnis?

Im letzten Frühsommer tauchte plötzlich ein Stockentenpaar in unserem Fratergarten auf. Dieser ist auf allen vier Seiten von den hohen Klostergebäuden umschlossen – ein Vorteil zum Legen der Eier und dem Ausbrüten derselben; sind doch Nest und Brut vor Fuchs und Katze geschützt. Im Garten befinden sich ausserdem zwei Teiche, die den Lebensnotwendigkeiten der jungen Familie bestens entsprachen. Es war spannend, das Wachstum der Kleinen und die Sorge ihrer Eltern zu beobachten. Ein Wunder der Natur!

Da war ein kleines Entchen, das nicht recht wachsen wollte, und von den Artgenossen dauernd gepickt und weggetrieben wurde. Als dann der Herbst nahte, bereitete sich die Entenschar auf den Abflug vor. Da die Klostergebäude sehr hoch sind, wurden Flugübungen abgehalten. Man musste sich spiralförmig empor schrauben, um die zur Überwindung der Mauern notwendige Höhe zu erreichen. Dem verschupften Erpel wollte das einfach nicht gelingen. Beim Fliegen hatte er vorn und hinten einen seltsamen Durchhänger nach unten, er hatte den Kniff irgendwie nicht raus. Im Spätherbst verabschiedete sich eine Ente nach der andern. Zurück blieb nur der kleine Erpel. Eine gewisse Sorge machte sich unter einigen Mönchen breit. Sind Stockenten Zugvögel oder nicht? Können sie hier überwintern? Ein Blick ins Internet beruhigte: es gibt unter den Stockenten sowohl Zug- als auch so genannte Standenten, die hier durchaus überwintern können. Was uns mehr beschäftigte, war die Einsamkeit des Tierleins, und wir begannen, es zu besuchen, zu füttern und mit ihm zu sprechen.

Nun wurden die Tage kälter. In den Nächten sanken die Temperaturen beträchtlich unter Null, und es bestand die Gefahr, dass der Teich zufror. Tatsächlich wurde der Radius der nicht zugefrorenen Kreisfläche um den Erpel herum immer kleiner. Er bewegte sich fortwährend, um das völlige Zufrieren zu verhindern. Das führte zu einem dauernden und immer enger werdenden Kreisen nur um sich selbst, bis das Eis schliesslich doch noch den letzten Rest des Bewegungsraumes raubte.

Es geschah während der klaren und eiskalten Vollmondnacht im Januar. Ein besorgter Mitbruder sah auf einem Kontrollgang den Erpel zum letzten Mal. Er lag auf der weissen Schneedecke, bewegungslos wie ein ruhendes Schiff auf hoher See. "Er ist weg!" Tags darauf begrüsste mich der betreffende Mitbruder ganz aufgeregt mit diesen Worten. Wir gingen zusammen in den Garten. Da waren weder Federn noch Blutspuren zu sehen, dafür aber mitten auf dem Weg des Gartens, gerade angelegt wie eine Flugpiste, die Fussbadrücke des Erpels, die irgendwo abrupt aufhörten. "Er hat es geschafft!" Unter dem Druck der Situation ist er über sich hinausgewachsen und konnte endlich aufbrechen! Wir sahen auf dem Dach die gleichen Abdrücke, die von der Dachtraufe hinauf bis zum Dachfirst führten, genau in Richtung des Zürichsees, wo das Wasser nicht so schnell zufriert und andere Standenten den kalten Winter verbringen und gemeinsam auf mehr Wärme und Licht warten.

Fast ein Gleichnis!

P. Theo Flury

 
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